USA - KARIBIK - KANADA

VORBEREITUNG + START

 

Februar - April 2014

Hindernisse auf dem Weg in die USA

29.2.2014

20,00 h

Trofaiach, Wintergarten

 

Seit dem 11. September 2001 ist in den USA nichts mehr, wie es einmal war.

 

Und wer glaubt, dass das „Amerika“ aus den Filmen nicht weit gehend den realen Verhältnissen und Ängsten des „American Dream“ entspricht, war den frustrierten und psychotischen Handlungen dieses ehemaligen „Supermacht“-Reliktes noch niemals ausgesetzt.

 

Den Anfang macht man als Tourist mit viel Zeit dennoch arglos.

Voller Enthusiasmus plant man eine großartige Reise durch dieses offenbar großartige Land und begeht schon am Start den 1. großen Fehler: man bucht günstige Flüge, deren Ankunft und Abreise aus den USA mehr als 90 Tage auseinander liegen. Fazit: Man braucht ein Einreise-Visum ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“!

 

American Dream – Fault 1.

 

Die Prozedur mutet umso perverser an, weil bei Reisen bis 90 Tage einfache, schnelle Online-Registrierung genügt, € 14,- kostet und völlig problemlos erhältlich ist.

Stattdessen begibt man sich mit Anklicken der Onlineschiene des US-State-Departements in die Welt der Terroristen, Geldwäscher, Kriegsverbrecher oder Denunzianten … die Liste lässt sich fortsetzen.

5 Seiten völlig unsinniger Fragen, die sich schon aus der Fragestellung nur mit „Nein“ beantworten, wenn man seinen Urlaub im prächtigen Staat USA nur einigermaßen unkompliziert antreten möchte, sprechen eine deutliche Sprache ... was ist aus dem „Land of the brave and the free“ eines Randy Newman geworden?

 

Geschlagene 75 Minuten später – denn da wird man dann automatisch aus dem Online-System des State Departements ausgeloggt – sind die Urlaubsillusionen ein Konglomerat aus Frust und Verzweiflung ... nicht unähnlich der Geschichte vom Igel und dem Hasen!

Auf Englisch natürlich, denn trotz angedeuteter Deutsch-Interpretation bei grundsätzlichem Frage-Scheiß steht man dann vor einem Wulst an anglistischen Fachausdrücken aus der „amerikanischen Angstwelt“ rund um Terrorismus, Geldwäsche, Unterwanderung etc. etc.

 

American Dream – Fault 2.

 

Eigentlich gibt es nur Verbrecher auf der Welt, die den USA Böses wollen ... wer schuldlos ist, der werfe den ersten Stein.

Wichtige Erkenntnis: Beim Ausfüllen des elementar wichtigen Visumantrages mit dem klingenden Namen D-160 heißt es äußerst konzentriert zu Werke zu gehen und die notwendigen Utensilien zur Hand zu haben:

Reisepass, Geburts- und Heiratsurkunde, Flug-, Hotel- Autobuchung, Leumundszeugnis, Lohnzettel, Nerventropfen, Englisch-Wörterbuch, Stammbuch (v.a. mit US-Wurzeln), Hauptschulabschluss- und/oder Maturazeugnis, Untauglichkeitsbescheinigung (oder bei Nichtvorhandensein mindestens das Blutbild der letzten Gesundheitsvorsorgeuntersuchung, in Härtefällen auch das Lungenröntgen anlässlich der jüngsten Knie-Athroskopie), Seuchenpass, Kreditkarte, nochmals Nerventropfen ...

 

Bereits der Start hat es in sich und es tut sich die erste Hürde auf – Vorname der Großmutter mütterlichseits!

Oder: Ort, an dem man seine Frau kennengelernt hat bzw. eventuell die Haarfarbe seiner ersten Jugendliebe ...!?!

Schon ist man auf Seite 1. Familienname, Vornamen ... dann alles in „native alphabet“ ... steirisch?

 

American Dream – Fault 3.

 

Man wühlt sich durch den Frage-Dschungel, gibt „Innerstes“ preis - wie die letzten USA-Aufenthalte, die Adresse eines im Internet gebuchten Hotels oder die Email-Adresse eines Autovermieters -, kämpft sich durch die Reisepassdaten, bestätigt Arbeitgeber, Ausbildungsstätte, Lebenseinstellung und Gesundheitszustand, ehe die ultimative Frage wartet: „Sind Sie Terrorist, planen Sie terroristische Anschläge oder sind Sie vorbestraft, drogensüchtig oder unheilbar krank?“

 

American Dream – Fault 4.

 

Bei einem einzigen JA ist er vorbei, der „Amerikanische Einreisetraum“.

 

Wer glaubt, nun das Schlimmste hinter sich zu haben, irrt schon wieder. Nächster Punkt – Upload eines Passfotos ... Beschreibung online verfügbar ... ohne Brille und Kopfbedeckung ... digital und analog (als Hochglanzfoto später noch vorzulegen) ... Preis für 10 min. beim Fotografen € 55,80.

Max. Größe 240 KB ... was machen durchaus lebensfähige und zahlungskräftige Menschen ohne Photoshop o.ä. Computer-Bildbearbeitungsprogrammen?

 

American Dream – Fault 5.

 

Bildbearbeitung oder Daheimbleiben ?

Bedauerlich allerdings, wenn man schon gebucht hat ... da können dann auch Parteibuch oder Kirchenbeitragsstelle nicht mehr helfen.

Und letztlich das Bezahlen der Visumsgebühren – satte 160,- USD pro Visum – alles nur Online möglich.

 

American Dream – Fault 6.

 

Weder Mastercard noch American Express funktionieren, so heißt es wieder einmal „Online-Banking“ ... und warten ... warten auf das Mail, dass Geld und Visumsantrag angekommen sind ... und man sich nun endlich um einen persönlichen „Interview-Termin“ bei der US-Botschaft in Wien bewerben kann ... und nur noch 4 ½ Wochen Zeit!

5.3.2014

19,00 h

Trofaiach, Wintergarten

 

Endlich.

Die Bestätigung von der US-Botschaft ist da ... mit einem mehrstelligen Code kann man nun nach Durchklicken mehrerer Seiten mit bereits eingegebenen Daten einen der vorgegebenen Termine zum Interview auswählen.

Jeweils Montag bis Donnerstag um 8,30 h, 9,00 h oder 9,30 h.

Geschafft.

Termin am 11.3.2014 um 9,30 h in der US-Botschaft am Parkring ... eine Liste mit Ge- und Verboten bzw. genauen Anweisungen liegt bei. Jetzt fehlt nur noch das Interview ... das „opus finali“.

 

Nick ist uns auf dem Weg zur Botschaft behilflich ... sozusagen unser Privat-Chauffeur! Zufahrt leicht gefunden, ebenso Parkplatz direkt an der Hinterfront ... Vorteil Kurzparkzone!

Die US-Botschaft entpuppt sich als kleiner Nebeneingang seitlich am voluminösen Hotel Mariott.

Lift zum 4. Stock ... und sofort werden wir von der Realität überrollt: Anstellen in Reih‘ & Glied ... Nick darf nicht mit (zu wenig Platz?), dafür wird er Träger für alles, was nicht erlaubt ist (Waffen, Messer, Fotoapparat etc. ...)

 

American Dream – Fault 7.

 

Der „Verfolgungswahn“ heißt Körperscan, Sprengstoff-Test, alles Bewegliche abgeben ... Gürtel, Schlüssel, Handy etc. ... bestens bewacht von einem leicht wienerisch klingendem G.I.

Nun können wir uns ins Innerste der Botschaft vorwagen ... Linien am Boden, Anstellen zu einem der Serviceschalter, wo nochmals alle unsere Papiere gecheckt werden ...

... dann noch Warten auf Termin beim Konsul auf Schalter 1!

 

Im „Hochsicherheitsraum“ sind nur wenige Personen anwesend – hauptsächlich Junge, wahrscheinlich Studenten und viel arabisches Volk ... wer halt ein Voll-Visum benötigt!

Es geht offensichtlich rasch ... doch dann die Wende!

 

American Dream – Fault 8.

 

1. ein „österreichischer“ Araber, der offensichtlich das Interesse des Herrn Konsul erregt, denn das „Gespräch“ – oder besser: die „Befragung“ – dauert und dauert. Auch verlässt der Beamte für längere Zeit seinen Platz, ehe er endlich zum Ende kommt ... warum, wo, wie, was, wer ... ist oft zu hören!

 

2. als Letzte vor uns eine Dame mit russischem Namen und Flair – na bravo. Hier geht’s sogar um das geeignete Foto ... na irgendwann ist‘s dann geschafft.

 

„Herr und Frau Koch“! ... das sind wir.

Zuerst Fragen nach Zweck, Ort und Art unserer Reise, warum wir als Lehrer so lange und v.a. jetzt Zeit für diese Reise hätten ... bla, bla, bla.

Ja, wir waren schon einmal in den Staaten, Gerlinde ist sogar dort geboren.

Ja, auch einige Verwandte leben noch dort.

Nein, wir werden sie nicht besuchen.

Dann Fingerabdrücke von allen 10 Fingern per Bildschirm und schon ist es getan. „Sie bekommen ein Visum!“ – scheinbar gnädig erteilt.

Pass und Visum ergehen in den kommenden Tagen per Expressdienst – unbedingt zu Hause anwesend sein!

Auf Wiedersehen.

Um 10 Uhr sind wir wieder auf der Straße.

 

Und so beginnt unser USA-Trip ... gleich hinter dem Stefansdom – und Nick ist unser „3. Mann“!

3.4.2014

10,00 h

Strem, Terrasse Weinkeller

Ich bin schon neugierig, ob das die wirklich letzte Hürde auf dem Weg in die USA ist …

Bekanntgabe der persönlichen Daten inkl. Reisepassdaten und 1. Ort in den USA – die Amis verpflichten in ihrer schizophrenen Angst vor allen Terroristen alle Fluglinien zur Datenübermittlung.

Eigentlich wollte/sollte ich das selbst erledigen, aber im Email von Air France und Gruber Reisen war kein entsprechender Link oder Zugangsweg via HP zu finden und so habe ich einfach unsere Daten an Gruber Reisen gemailt mit der Bitte um Erledigung. Und jetzt warte ich auf Rückmeldung…

Was war das für ein dorniger Weg von den ersten Plänen und Ideen bis zur Durchführung. Gottseidank konnten wir wenigstens auf einige Routine für Fern- und speziell USA-Reisen vertrauen, aber die US-Schizophrenie nach 9/11 (2001), die sich zum ausgewachsenen Verfolgungswahn entwickelt hat, hat weitere Hürden angehäuft!

 

American Dream – Fault 9.

 

3.4.2014

10,00 h

Strem, Terrasse Weinkeller

(Fortsetzung)

Dabei hatte alles wirklich gut begonnen … was heißt gut – ausgezeichnet!!!

Im September 2013 kam ein Mail von Gerhard Auer – unserem Flugprofi bei Gruber – dass er ein tolles Angebot für Flüge in die USA hätte! Auch unser Vorhaben von 2 bis 3 Stopps in den USA würde optimal sein und so veranlassten wir die sofortige Buchung unserer Flüge nach Miami, von Atlanta nach San Francisco, von Boston nach New York und wieder zurück über Paris … alles Air France bzw. Partner Delta. Und das um unglaubliche 790,- € pro Person!!! Frühbucherbonus, Nebensaison (noch vor Ostern!), Stopps in den Staaten usw. natürlich gepaart mit viel Know-How!

Jetzt stand also das „Gerüst“ – Start am 9. April und Rückkehr am 22. Juli! Perfekt. Der Rest ist Planung via Internet.

Und dann kam das große Erwachen!

 

American Dream – Fault 10.

 

Eines Tages ereilte uns vom Reisebüro die Nachricht, dass es Sorgen um die Einreise in die USA gäbe, da die Amis die Bestimmungen verschärft hätten, unsere geplanten Ausreisen in die Karibik und nach Kanada ohne Belang wären und wir somit mehr als 90 Tage in der „Region“ blieben … das bedeutet: wir brauchen ein US-Visum! Der Ablauf ist bekannt.

 

American Dream – Fault 11.

 

… und zu guter Letzt trat das obligatorische „Last-Minute“-Problem auf, weil man schon vor Abflug seine Passdaten, Aufenthaltsort etc. bei der Fluglinie bekannt geben muss.

Zuerst war auf Verlangen von Air France keine Eingabemöglichkeit über die Homepage oder dem Buchungsportal zu finden und dann fand ein – Gottseidank sehr kompetenter – Mann bei Gruber heraus, dass unsere Passdaten (Namen) nicht ident waren … wegen Schreibweise, 2. Vorname, Titel etc.! Na super.

So mussten 5 Tage vor Abflug nochmals alle Tickets umgeschrieben werden … zuvor gab es schon 3 Flugzeitenänderungen, eine davon „beschert“ uns fast 5 Stunden Aufenthalt in Paris!

What shalls … vielleicht kann es nun los gehen …

9.4.2014

11,30 h

Restaurant Paris CDG

Und dann sitzt du wirklich im Flugzeug … allen Widrigkeiten zum Trotz, denn 24 Stunden zuvor hatte die Sache noch nicht so sicher ausgesehen!

Wenn ich an frühere Flüge und Reisestarts zurückdenke, dann war dieser 1. Start von Wien nach Paris ein in vielerlei Hinsicht spürbarer Befreiungsschlag … es hätte auch ganz anders kommen können.

Nach dem positiven Abschluss aller Buchungsdetails samt überstandenem Gichtanfall im linken großen Zeh hätten die letzten Tage und Aktivitäten eigentlich ein „Triumphzug“ werden können – Firngleiten, Geburtstagsfeier mit der Familie etc. standen an … doch in der Nacht von Freitag (4.4.) auf Samstag (5.4.) gab‘s bei Gerlinde den psychischen Niedergang mit Auslebung einer Mittelohrentzündung – was Schlimmeres in Anbetracht der langen Fliegerei hätte gar nicht passieren können … und noch 4 Tage Zeit!

Die Hausärztin (neue Ärztin Dr. Frank hatte Wochenenddienst) überwies Gerlinde sofort in die HNO-Ambulanz am LKH Leoben … dort die niederschmetternde Diagnose: schwere Mittelohrentzündung und kleines Loch im Trommelfell!?! 1 Woche völlige Ruhe wäre wichtig  -> am Mittwoch geht der Flug!

Den Negativgrad der Stimmung und die Talfahrt aller Gedanken kann man sich gar nicht vorstellen … und sind heute – nach viel Herzblut samt Auf & Abs – nicht mehr nachvollziehbar … da haben es echte Literaten und Zyniker einfach leichter!

Das Geburtstagsessen (mit Schwester und Vater) war mühsam aber doch schon etwas hoffnungsvoller … am Montag dann 1. echte Hoffnungsschimmer (Antibiotika reagieren ab Tag 3), die aber am Dienstagfrüh wieder wie weg geblasen schienen – na klar, die Psyche …

Schon um 8 Uhr waren wir in der Ambulanz, das Warten erleichterte die Sache auch nicht. Egal … nehmen, wie es kommt.

Doch schon beim Verlassen des Behandlungszimmers war es Gerlinde anzumerken, dass das Ergebnis positiv war – ein junger, ambitionierter Arzt hatte das „Blatt gewendet“! Schaut alles gut aus, Entzündung geht zurück und vom Loch im Trommelfell keine Spur mehr! Sie kann schon mal anfangen kräftig den Druckausgleich zu trainieren …!?!

Allein die positive Grundstimmung war der entscheidende Joker zur Heilung. Von da an ließ sich alles viel lockerer an und die restlichen Stunden bis zur Abreise aus Trofaiach fühlten sich erstmals seit Langem wie „Urlaub“ an! Gottseidank.

Mit Nick ging es dann nach Eisenstadt und mit Sonja in eine Buschenschank …

Ein bisschen Stress erlebten wir noch beim Online-Check-In (alles NEU für uns), aber schließlich gelang es doch, weil sich die Jugend halt viel besser in der Cyberwelt auskennt …

Vorteil: wir haben bereits eingecheckt und die Boarding Cards bis Miami ausgedruckt … jetzt spart man sich den Check-In am Terminal in Wien in aller Herrgottsfrühe! Das kann was.

Die Nacht war – wie vor so einer Reise vorhersehbar – überschaubar, aber für Schlaf würden wir in den kommenden Stunden ja genügend Zeit und Gelegenheit finden … wenn’s wahr ist.

Aufstehen, kurzes Frühstück und Körperpflege … alles verlief routiniert und um 5 h ging‘s in Eisenstadt los. Nick wählte die „sichere Route“ übers Leitha-Gebirge und übers Land – ohne Risiko Autobahn!

Bei Dämmerlicht trafen wir am Flughafen ein und Nick lieferte uns direkt am Terminal 3 ab … und dann begann das Abenteuer mit Gepäckaufgabe (einfach & locker … 22 kg & 19 kg), Leibesvisitation & Handgepäck  ->  sehr viel, deshalb sehr genau und ausführlich, aber alles ohne Problem … wir mussten nur alles rausräumen: Laptop + Zubehör, Kabeln, Kamera, Objektive, CDs, Kosmetika etc.

Der Rest war entspannte Routine und (fast) pünktlich um 7,15 h rollten wir zum Flugsteig.

Besuch in der US-Botschaft in Wien
Entdeckung Amerikas
Start in Wien