Saigon - die Spuren des Krieges sind beseitigt

ROUND THE WORLD

VIETNAM

Jänner 2008

Good night Saigon …. oder besser:

Eine Stadt erwacht!

 

Eine Stadt erwacht … ein ganzes Land erwacht …. Wirtschaftswachstum im 2-stelligen Bereich.


In allen Büchern und Illustrierten ist nur mehr davon die Rede, wie das Land am Südostrand des asiatischen Festlandes nach den Repressalien des Krieges nun erwacht, sich entwickelt und eigentlich boomt a la Singapur oder Hongkong.


Wir bekommen davon anfangs allerdings nichts mit, denn vor allem ich laboriere beim Abgang am südkambodschanischen Strand an einem waschechten „Sonnenstich“ samt Fieber, schwerem Durchfall und noch nie erlebter Appetitlosigkeit. Und Gerlinde kämpft schon länger mit Darmproblemen. Relaxing pur …


Die Reise über Phnom Penh (per Bus 4 Stunden), dann per Flugzeug (30 min.) nach Saigon mit Vietnam Airlines (das Kombipaket inkl. Rückflug nach Bangkok war um 100% billiger als ein Einzelflug …) ging mehr oder weniger leicht in Trance unseres etwas angegriffenen Gesundheitszustandes unter. Trotzdem wirkten wir richtig relaxt, als wir in Ho Chi Minh City Airport (vorher Saigon, seit 1975 von den Nordvietnamesen zu Ehren ihres Revolutionsführers umbenannt) landen, bereits ein Visum haben und die Zollformalitäten ganz gemütlich an uns vorbeiziehen lassen. Pickup vom gebuchten Hotel steht bereit und in ca. 30 min. geht’s in den District 5 nahe Chinatown … alles schon gehabt.


Was wissen wir von Saigon bzw. welche Klischees lassen uns das wissen?
Die Klänge aus Billy Joel’s „Good night Saigon“ lassen uns unsere Tour natürlich in der „Dong Khoi“ beginnen, wo sich das Abbild der Kriegswirren spiegelt. Zuerst von den Franzosen als Flaniermeile und Prachtstraße des kolonialen Lebens erkoren wurde die nur knapp 2 km lange Straße von den Vietnamesen zuerst auf „Tu Do“ (Freiheit) umbenannt. So lernte sie auch eine ganze Generation junger amerikanischer GI’s kennen … mit allen möglichen Etablissements zur Zerstreuung …. und wir kennen sie aus allen Vietnam-Krieg-Epen …. allen voran „Good Morning Vietnam“ mit Robin Williams oder Apocalypse Now.


Heute gehört sie zu jenem Teil Saigons, der eine gewaltige Renaissance erlebt. Und als Multiplikator des allseits sichtbaren Aufschwunges erleben wir in diesen Tagen die Vorbereitungen zum größten vietnamesischen Fest: dem „Tet“-Fest – das Mond-Neujahrsfest, das stets zu Neumond Ende Jänner/Anfang Feber stattfindet. Ein Mehr an Blumen, Glücksbringern und Ramsch vermittelt eine Stimmung wie man es vom Times Square in New York Ende der 40-er-Jahre kennt oder von Europa Anfang der 60-er …. vom Hörensagen natürlich!


Saigon bietet aber mehrere Gesichter. Dem wohlbetuchten Touristen wird sich dabei nur die „Butterseite“ präsentieren, die die Innenstadt bietet, schon eine Fahrt mit einem der Millionen Taxis Richtung Saigon-Fluß oder Chinatown gewährt uns die – nun fast schon gewohnten – Einblicke ins eigentliche Leben in dieser Region. Hier gibt es das übliche „Gewühl“, vielleicht etwas weniger Dreck als in Kambodscha, dafür mehr Motos & weniger Platz am Gehsteig.
Saigon selbst hat eine geschätzte Einwohnerzahl von 10 bis 11 Millionen …. geschätzt deshalb, weil die Zahl derer, die illegal in der Stadt ihr Glück versuchen, nur schwer messbar ist. Und das ist das Problem dieses Landes.

 

Denn einerseits bietet der Agrarstaat eine Fülle und Pracht an allem, was essbar und kochbar ist, andererseits wird die Spirale der Unzufriedenheit durch die Dollars, die jetzt so kräftig durch den Tourismus ins Land fließen, schön langsam zum Fluch.


Wichtig ist aber – nicht fluchen: verhandeln!
In der Stadt gönnen wir uns den Besuch des Kriegsmuseums, wo die Tage des US-Terrors knallhart dokumentiert werden …. die Amis fahren trotzdem mit Freude hierher !?! …. inkl. Stadttour per Cyclo, dessen Dienste wir aber erst nach Zehenverletzung benötigen. Von zwei alten Vietnamesen werden wir in einer Nebenstrasse aber derart mitleidig versorgt, dass wir den Rest des Tages am Radsitz vorne verbringen …. inkl. Stadtrundfahrt und Marktbesuch.


Eine Tour führt uns auch in die Umgebung der Stadt zu den berühmten unterirdischen Lehmtunnelsystems von Cu Chi, wo sich die Vietnamesen kongenial gegen die amerikanische Übermacht wehrten. Ein verwirrendes und nur für schlanke südostasiatische Typen zu bewältigendes 250 km System, in dem sie zeitweise ihr Leben verbrachten. 50 m hat man – hauptsächlich für gut genährte Amis – verbreitert … ich zwänge mich durch – schweißgebadet. Nix für Leute mit Platzangst!


Und dann buchen wir als krönenden Abschluss unserer Tour 3 Tage Mekongdelta … ein geographischer Studententraum …