USA - KARIBIK - KANADA 2014

CAPE BRETON ISLAND

 

Juli 2014

„The Ocean Road“ am östlichen Außenposten

Man ist bei Reisen dieser Dimension stets geneigt, Superlative zu verwenden – kein Wunder bei all der Intensität und Menge an Eindrücken und Erlebnissen. Dabei hätte es diese gar nicht nötig, die Fülle und das Gesehene sprechen schon alleine für sich. Doch die Fahrt über den östlichen Außenposten Kanadas (wenn man von der Insel Neufundland absieht, die ihren Dimensionen eine Welt für sich darstellt) animiert zu solchem Verhalten, zumal der Weg hierher sehr weit und die Erwartung schon durch unsere Vorliebe für das „Gegenstück in Europa“ sehr groß ist. Skandinavien, Schottland und Irland lassen grüßen … gepaart mit kanadischer Lebensart – das kann ja nur was Besonderes werden. Eine Rundreise über Cape Breton Island mit „Cabot Trail“, Nationalpark, unendlicher Küste und ältestem Leuchtturm Kanadas – „Ocean Road“ wir kommen!

Mit Blick auf die doch ständig wechselnden Wetterprognosen nach dem Hurrikan beschließen wir unsere Tour „umzudrehen“ und mit dem exponierten Norden Nova Scotias zu beginnen – Cape Breton Island.

„The Ocean Road“  - schon im Vorfeld klingt uns die Musik des von der Insel stammenden Sängers der Gruppe Runrig, Bruce Guthro, ständig im Ohr – ist eine Tour um die wirklich abenteuerliche Küste des nördlichen Teils jener Region, die nicht nur des Namens wegen sehr europäisch anmutet.

Das Klima zeigt sich entsprechend rau und wir haben Glück, dass wir einen wirklich angenehmen Tag für unsere Umrundung finden, denn schon am nächsten Tag zeigen sich die Tücken des offenen Atlantiks. Wir starten mit Überquerung des Canso Causeway auf die „Inselrunde“, zuerst geht es am nordwärts bis Port Hood, wo wir ein erstes Camp beziehen – natürlich direkt am Meer, das hier durch Inseln von der Laurence Bay abgeschottet wird.

Hier ist wirklich alles schottisch … Inverness, Glenville, Scottsville, Dunvegan etc. Eine eigene Whisky-Destillery haben sie ebenso wie eigenes Bier, eigene Milch, eigene Butter … und eigene Musik – die natürlich klingt als sei sie aus Irland oder Schottland, no na.

Ab Magaree Folks geht es entlang des Lachsflusses, der im August wieder Hochsaison hat, und auf dem „Cabot Trail“, der den Norden der Insel umrundet.

Natürlich ist wieder alles Nationalpark, aber zu Recht, denn es tut sich ein Ambiente auf, das auch ob seiner spektakulären Straßenführung seinesgleichen sucht … uns präsentiert sich ein unglaubliches Spektrum, hier sind alle Bilder real, die Straße windet sich zuerst an der steilen Nordwestküste entlang, bietet unglaubliche Ausblicke, überquert eine Hochebene a la Highlands und endet an der sanften Ostseite mit Buchten und Häfen. Und ein „North Cape“ haben sie hier aus, das man allerdings nur sehr umständlich erreichen kann.

Wir schließen die „Traumrunde“ in Louisbourg ab, das für sein „Fort“ berühmt ist und wo sich Kanadas ältester Leuchtturm befindet. Wir findet Platz in einem netten Camp direkt an der Hafenmole, wo die Fischerboote im Wasser schaukeln und sich die Hummerkörbe am Ufer türmen … „Lobster“ ist hier der allgegenwärtige „Superstar“!

Und am nächsten Tag bekommen wir die Tücken des offenen Atlantiks gnadenlos zu spüren, denn dichtester Nebel machen den Besuch von „Louisbourg Fortress“ zu einer absolut mystischen Angelegenheit. Es wird dennoch Außergewöhnliches im größten „reconstruction project“ Nordamerikas geboten, schon die Begrüßung per Karabiner bringt gute Laune.

Um 12 h gibt’s Appell mit Kanonenfeuer, in und vor den zahlreich bestens restaurierten Häusern aus dem 18. Jahrhundert wird gearbeitet, musiziert, getanzt, gekocht etc. und man kann sich Leben und Arbeiten bestens vorstellen … auf uns wartet aber noch ein Abstecher zum ältesten Leuchtturm Kanadas, den wir im dichten Nebel nach einiger Suche entdecken, dafür hört man ihn schon weithin. An diesem Punkt beginnt sozusagen auch unser „Rückweg“, denn wir sind am östlichsten Punkt unserer Reise angelangt.

Auf dem „Trans Canada Highway“, der 1970 fertig gestellten ersten durchgehenden Straßenverbindung Kanadas zwischen Atlantik und Pazifik mit 8000 km durch alle 10 Provinzen, geht es über Sydney, dem Fährhafen nach Neufundland, und Baddeck, dem Startpunkt des „Cabot Trail“, zurück zum Canso Causeway und aufs Festland, wo wir einen außergewöhnlich idyllischen Sonnenuntergang im St. Lorenz Golf erleben und vom 7:1-Sieg der Deutschen im Halbfinale der Fußball-WM über Brasilien erfahren … ah ja, Fußballweltmeisterschaft war ja auch noch.