USA - KARIBIK - KANADA 2014

MISSISSIPPI & ALABAMA

 

Mai 2014

Auf dem „Blues-Trail“ westwärts bis Alabama

Am und um dem Mississippi führt kein Weg an „Musik“ vorbei – von New Orleans bis Memphis bewegt man sich an der Hauptschlagader aller Stilrichtungen … von Jazz über Soul, Rock’n’Roll bis hin zu Countrymusic in allen Varianten. Aber um wirklich zu den Wurzeln der amerikanischen Musik zu gelangen, heißt das Stichwort „Mississippi Blues Trail“.

Eines vorweg: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch unsere weitere Route entwickelt sich vom Mississippi weg eher durchwachsen, denn die landschaftlichen und kulturellen Highlights sind auf unserem Weg ostwärts zwischen Vicksburg und Birmingham eher dünn gesät. Wir durchqueren die Bundesstaaten Mississippi und Alabama, ehe es nach Georgia – unserem Ziel – geht. Wir queren endlose, dichte Wälder, finden uns in riesigen, sterilen Großstädten wieder und kämpfen mit Hitze und typisch amerikanischen Distanzen … noch immer gewöhnungsbedürftig!


Aber dafür prangt bereits wenige Meter nach „Grenzübertritt“ eine aussagekräftige Tafel: „Welcome in Mississippi – Birthplace of America’s Music“! Alles klar. Und wenn schon, dann gleich mittenhinein … Spurensuche am „Blues Trail“, dem allgegenwärtigen Sound der Südstaaten.


Dieser Blues Trail ist eine Ansammlung diverser Location im gesamten Staat, Geburts- und Wohnhäuser von Musikern, Aufführungsorte, Studios, Theatres, Parks usw. Man kehrt tief in die Vergangenheit der Südstaaten zurück und die wichtigste Erkenntnis, die wir machen, ist, dass Blues nicht nur auf die schwarze Bevölkerung zurückgeht.


Und wie unterschiedlich der Zustand der Locations sein kann, lernen wir bereits in Jackson kennen. Denn die legendäre North Farrish Street besteht nur mehr aus Fassade und Abbruchbuden – dort wo einst der Blues „kochte“. Man versucht mit großangelegten Projekten und viel Geld der „Ver-Slumung“ Herr zu werden … besonders Jackson bietet als Hauptstadt außer Prunkbauten für Regierung und Verwaltung kaum Sehenswertes.


Dafür wohnen wir in Jackson im „Grünen“ – ein State-Park mit Camping nahe der City … aber zu Fuß hier etwas zu erkunden, ist unmöglich … amerikanische Distanzen! Und wir lernen ein echtes Highlight amerikanischen Sports kennen: Baseball live! Bethesda gegen Oklahoma City 10:3 nach dem 5. Inning … nach rund 1 Stunde reicht‘s aber, Spiele dauern z.T. bis zu 5 Stunden!


Den Höhepunkt unserer Blues-Trail-Suche erleben wir in Meridian nahe der Grenze zu Alabama. Hier im musikalischen „Nichts“ ist die Geburts- und wichtigste Wirkungsstätte von Jimmie Rodgers, dem „Father of Blues“ – ein Weißer. Ein wirklich stilvolles Museum gedenkt dem großartigen Musiker, der bereits 1933 mit 36 Jahren an Tuberkulose starb, nur rund 6 Jahre Musik produzierte und der erste echte „Superstar“ der modernen Musikgeschichte war. Sein „Yodeling“ begleitete uns noch sehr weit hinein nach Alabama … bis Birmingham, wo wir uns auf die Spurensuche nach einem weiteren Musik-Schmankerl machten: Randy Newmans Hymne auf die trost- und schmucklose „Steel-City“ – einer meiner Lieblingssongs seit Jugendtagen!


Auch das Wetter passt sich in Alabama den Gegebenheiten an, denn es schüttet teilweise so stark, dass wir Unterschlupf bei Tankstellen und Supermärkten suchen. Die Fahrt durch die slumartigen Außenbezirke der größten Stadt Alabamas sowie durch die „Historical Downtown“ bestreiten wir bei Regen, zuvor hatten wir richtigen Spaß im Visitor Center, denn die nette Lady hatte noch nie gehört, dass jemand wegen eines Songs ihre Stadt besucht … Fototermin als Belohnung.


Während wir nun seit 5 Wochen oder 3.000 km vergeblich Berge oder Hügeln gesucht haben, finden wir im Ostteil Alabamas erste Ansätze von Ausläufern der Appalachen. Für die Amis natürlich ein gelungener Anlass sofort einen National Forest oder State Park zu errichten … 


Den Vorteil des Wettersturzes bekommen wir in diesen Stunden in Form normaler Temperaturen um die 20°C zu spüren und wir freuen uns wirklich auf den abschließenden Besuch Atlantas und Georgias, ehe es per Flieger an die Westküste weitergeht. Gerlinde hat hier noch einen Cousin samt Familie und die möchten uns ihre Heimat zeigen.
Für uns waren die vergangenen Wochen und Tage aber jetzt schon ein eindrucksvolles Ereignis und ein tiefer Einblick in den Süden des Kontinents, dessen übrige „Kanten“ wir ja auch noch kennenlernen werden.