USA - KARIBIK - KANADA 2014

FLORIDAS GOLFKÜSTE

 

April 2014

Wetterkapriolen an der Golfküste 

Erstens kommt es anders … zweitens als man denkt – welch schreckliche Floskel. Und gerade sie trifft zu! Statt uns wie geplant nach den anstrengenden heißen Tagen auf den Keys und in den Everglades endlich einmal am Strand Floridas entspannt auslegen zu können, kommen wir in den „Genuss“ von Wetterkapriolen, die für die Jahreszeit ungewöhnlich sind und Land und Leute völlig unvorbereitet treffen. Hitze, Ungeziefer und letztlich die Ausläufer einer Tornadokette, die vom Golf von Mexico in nordöstlicher Richtung bis Philadelphia ziehen, hinterlassen sichtbare Spuren. Die „Flucht“ findet letztlich erst am Westrand Floridas ihr Ende …

Die ständigen Temperaturen um die 30°-Grenze zehren ganz schön an unserer Substanz, unsere Körper sind langfristig doch noch auf Spätwinter und Frühjahr eingestellt … Zeit also auch mal an einem der viel gepriesenen Strände dieses Landes zu verweilen. Doch schon kurz nach Verlassen der Everglades und dem Big Cypress Park sehen wir der Realität – sprich „Tourismus-Moloch“ – in die Augen … bei Naples ist es mit Strandidylle und Camping am Meer vorbei.

 

Von hier bis nördlich von Tampa hat der Tourismus, ähnlich der Ostküste, alles im Griff und Strände sowie Meereszugang sind klar reglementiert und meist zubetoniert! Das hatten wir so nicht erwartet … Bibione, Costa del Sol, Cote d’Azur statt gemütlich in blauen Golf-Wellen zu plantschen.


Die Enttäuschung ist groß, die Hitze wird immer unerträglicher und die Bissigkeit der „Midges“ aus dem Unterholz immer abartiger … ob sich da nicht etwas zusammenbraut? Und genau so kommt es. Zuerst hat man nur von Unwetter im Nordosten, Tornado und Regenfluten im Missississippi-Bereich gehört – spätestens in Nordflorida treffen auch uns die ersten Ausläufer einer gewaltigen Sturm- und Regenfront. Die Hitze und die Insekten waren ein Signal, bei Perry fahren wir durch unser erstes Gewitter und südlich von Tallahassee stellen wir uns an einem herrlichen Platz direkt am Meer ab.


Eines vorweg: von den wirklichen Unwettern werden wir nur gestreift und bekommen am weiteren Weg nach Westen entlang der Golfküste nur noch die Auswirkungen und Zerstörungen zu sehen bzw. in den Zeitungen dokumentiert. Wir sind dem Ärgsten entgangen … die schönen Abschnitte und Küsten auf dem Weg hierher gehen daher für uns etwas im „Fluchtgewühl“ unter.


Dabei haben wir es trotz der Situation gut erwischt, denn das Camp bei Ft. Myers Beach ist direkt am Meer gelegen und toll (leider erwischen uns die Mückenschwärme) und Tarpon City entpuppt sich als „Schwammtaucher-Hauptstadt“ und griechische Kolonie, wo wir köstlich speisen und einen unterhaltsamen Abend verbringen.


Auch das Camp in Panacea bei Tallahassee ist idyllisch und zum Erholen perfekt, doch nach 3 Tagen Gewitter und Sturm sind wir froh bei Pensacola wieder auf Sonnenstrahlen zu treffen, zumal die Hitze weg ist.


Zuvor fahren wir die wildromantische Golfküste entlang, beobachten Delphine und überschreiten eher unscheinbar bei Mexico Beach die Zeitgrenze zur „Central Time Zone“ … wir sind jetzt 7 Stunden hinter der MEZ … ehe wir nach Panama City kommen.


Meines Wissens ist das die einzige Zeitgrenze der Welt, die mitten in einem Staat oder Bundesstaat liegt. Ab hier werden die Spuren der Verwüstung sichtbar: überflutete Straßen, weggespülte Wege und Asphalt, umgestürzte Bäume und Strommasten … NW-Florida hat „Land unter“.


So gestaltet sich auch die Campingsuche nicht einfach, viele Plätze sind betroffen und eher Zufall und Fügung leiten uns etwas abseits des Hauptstromes in den Navarre Beach Campground bei Pensacola.


Der Rest liest sich wie ein kleines Märchen: zwar ist auch hier einiges ruiniert und die Plätze nahe dem Strand teilweise blockiert und unter Wasser, aber ansonsten fühlen wir uns von der ersten Minute weg wohl und gut aufgenommen. Nette Menschen, Strand a la Tahiti, toller Ausblick auf Insel, Brücke und Meeresarm sowie geheizter Pool und Sprudelbad mit 40°C nehmen uns gefangen … jetzt ist es Zeit auszuspannen!


Wichtig sind auch die Bekämpfung der Spuren vom Midges-Angriff im RV und am Körper und die Nähe eines Walmart-Supercenters, wo wir endlich auf der Suche nach CD fürs RV fündig werden. So können wir es uns fast alleine am Pool oder am Strand gut gehen lassen und am letzten Tag kommen wir sogar in den Genuss einer Einladung zur Grillparty für die Campinggäste samt netten Gesprächen, die angesagt sind, wenn die Leute erfahren, woher wir sind und was wir noch vorhaben … wie gesagt: ein bisschen Glück gehört auch dazu. Und jetzt sind wir für New Orleans gewappnet …