USA - KARIBIK - KANADA 2014

DER SÜDEN FLORIDAS

 

April 2014

Seven-Mile-Bridge, Hemingway & Krokodile 

Ehrlich gesagt – irgendwann muss man einfach ein schlechtes Gewissen entwickeln, wenn die Kontaktaufnahme mit der Heimat stets darauf hinausläuft, sich fast für das ständige 30°C-„Sunshine-Weather“ hier im Süden Floridas entschuldigen zu müssen, während in Mitteleuropa gerade typisches Aprilwetter herrscht … immerhin sind wir im „Sunshine State“. Gottseidank ist Ostern vorüber und die Nebensaison beginnt … einfach weil es zu heiß wird!

Wir sind uns der Wettertatsachen schon lange bewusst und wissen, dass eine gewisse Eile und Geschäftigkeit angebracht ist … bald werden hier tropische Verhältnisse herrschen – nicht wegen der weiter steigenden Temperaturen, sondern weil in Kürze der Sommer und entsprechende Niederschlagsmengen Einzug finden werden. Immerhin befinden wir uns am Rande der Tropen – ein alter Erfahrungswert lautet: Wo es so grün ist, sind entsprechende Regenmengen notwendig.


Mit Übernahme des RV (… Abk. für „Recreational Vehicle“ – siehe RV-Tour 2007) in Miami Süd nimmt nach den hektischen Tagen in Florida und der ungewohnten Kreuzfahrt-Lethargie sofort eine beruhigende „Aufbruchsstimmung“ von uns Besitz. Schon unsere Entscheidung, das letzte Hotel in der Nähe der Cruise-America-Übernahmestation im Süden Miamis zu wählen, ist optimal – um 10 h sind wir schon vor Ort und bekommen das Wohnmobil … die Einschulung kann kurz gehalten werden, wir gelten ja schon als Profis.
So werden die letzten Stunden in Miami zur Sightseeing-Tour per „Öffis“, denn nach Rückgabe des Leihwagens in Miami Beach nutzen wir ganz entspannt die gewonnene Ortskenntnis und fahren per Bus – Metrorail – Bus quer durch die Stadt die ca. 40 km zurück nach Kendall … amerikanische Verhältnisse eben.


Ebenfalls von großem Vorteil entpuppt sich die Tatsache, dass ich die erste Station auf unserem Weg durch die Keys bereits per Internet gebucht habe … „Florida State Parks“ heißt das Zauberwort und „Long Key“ unser Ziel. Nach dem unumgänglichen ersten „Bunkern“ fürs Wohnmobil bei „Walmart“ und den ersten 120 km über den „Overseas Highway“ auf die Florida Keys sind wir heilfroh, auf komplizierte Campingsuche verzichten zu müssen! Und die Überraschung: Space 26 ein herrliches Plätzchen mit direktem Meerzugang und allem Komfort … sprich Strom und Wasseranschluss … große Überraschung: ein überdimensionale „Fridolin“ schaut virtuell aus der Wohnmobil-Tür und gibt uns das wirkliche Gefühl von Bewachung.


Die Florida Keys sind eine eigene Welt … eine Kette von Inseln und Inselchen … ein Gemisch aus „Costa del Sol“ und Nordadria – halt auf amerikanisch … ein bisschen abgefuckt und unendlich cool.


Wir lassen uns einfach treiben, passieren die „7-Mile-Bridge“, unzählige Brücken und Channels und kommen nach Key West, dem südlichen Ende der USA … Fototermin ist Pflicht … und Heimat von Ernest Hemingway, dessen Haus wir einen Besuch abstatten.
Ab jetzt geht es nordwärts und unser Weg zurück verschlägt uns auf der Suche nach einem geeigneten Camp nach Marathon an den Ausgangspunkt der besagten „7-Mile-Bridge“ – einem Relikt aus dem Eisenbahnwahnzeitalter vor 100 Jahren. Hier erleben wir einen beeindruckenden Sonnenuntergang und Strandbar-Party samt Blues-Brothers-Verschnitt.


Nach einem echten Relax- und Eingewöhnungstag starten wir zur „Sightseeing-Schwitz-Tour“ in die Everglades, dem einzigen Nationalpark dieser Klimazone weltweit. Am Eingang erwerben wir übrigens wieder ein Ticket, das uns ein Jahr lang zum Eintritt in alle Nationalparks und angeschlossene Einrichtungen berechtigt – Preis? $ 80,- pro Fahrzeug für alle Insassen … 100,- hätte 1 Tag im Kennedy Space Center gekostet!?
US-Apokalypse … zurück zur Natur – aber keiner will zu Fuß hin.


Der Rest ist schnell erzählt: einzigartige tropische Vogel- und Fischwelt, gewaltige Temperaturen … und Alligatoren, wohin man auch blickt. Schon beim 1. Abstecher im Nationalpark schauen wir ihnen tief in die Augen, Gerlinde entdeckt sie ständig parallel der Straße, ehe wir mit einem (möglicherweise zahmen) Pärchen vor der RV-Tür im Camp Ochopee wohnen … Natur pur, was will man noch mehr.


Und den Höhepunkt bringt eine Airboat-Tour am nächsten Vormittag in Everglades City, wo wir nicht nur Auge in Auge mit Krokodil, Waschbär & Co. sind, sondern eine echte Highspeed-Tour durch die Mangroven-Kanäle erleben und ich sogar ein Krokodil streicheln kann … fühlt sich echt wie eine Handtasche an …!?!