USA - KARIBIK - KANADA 2014

NOVA SCOTIA & BAY OF FUNDY

 

Juli 2014

Leuchttürme, Bilderbuchdörfer & Gezeiten

Nova Scotia bedeutet nicht nur Neuschottland, es ist es auch weitgehend … und Neu Irland, Neu Nordeuropa usw. – die Landschaft jenseits des Atlantiks hat hier wahrlich ihre Fortsetzung gefunden, nicht nur in der Fortsetzung des „Kaledonischen Gebirges“ in den Appalachen. Das Landschaftsbild ist geprägt von vielen Merkmalen, die an Europa erinnern, und auch wir finden auf unserer Tour ein herrliches Sammelsurium an Leuchttürmen, Bilderbuchdörfer, Stränden, einsamen Buchten, Ebenen mit fruchtbaren Feldern und Küsten mit dem größten Gezeitenunterschied der Erde – die „Bay of Fundy“ gilt neben der Bretagne als Rekordhalter mit Tidenhub bis zu 15 m. Und wir finden auch den Ort der ersten dauerhaften Besiedelung durch französische Siedler aus dem 17. Jahrhundert.

Die Atlantik-Provinzen waren schon aufgrund ihrer geografischen Nähe die erste „Anlaufstelle“ für die Auswanderer des 16. und 17. Jahrhunderts in der „Neuen Welt“ und zu ihrer Überraschung fanden sie auch Bedingungen vor, die ähnlich denen in Europa waren.

Wir wollen die durch unsere flotte Querung der Great Plains „gewonnenen“ Tage noch für eine tolle Tour über den Festlandsteil Nova Scotias und den südlichen Teil New Brunswicks rund um die Bay of Fundy nützen, ehe es zurück in die USA und zur Wohnmobilrückgabe bei Boston geht.

Über New Glasgow geht es zur „Bay of Fundy“ – jenem gewaltigen Meeresarm zwischen Nova Scotia und New Brunswick, der für den Rekord an Gezeitenunterschied berühmt ist: 15 m!

Es ist faszinierend schon hier am Südrand der Bucht mitzuerleben, wie sich am Abend das Meer viele Kilometer zurückzieht und unendliche Strände und Buchten freilegt.

Wenn das Meer zurückkommt, dann reicht es weit in die Flussmündungen und befördert dabei Unmengen von Schlamm und Sand hin und her … die Farbe des Wassers gleicht dabei eher einer braunen Brühe.

Diese natürlich für den Anbau sehr günstigen Bedingungen nutzten schon die ersten französischen Siedler, die sich Anfang des 17. Jahrhunderts hier niederließen, die erste Siedlung gründeten und die Basis für die weitere Eroberung in den folgenden Jahren legten. Wir erleben einen herrlichen Sonnenuntergang am Ufer der Halbinsel dieser Geschehnisse und beobachten das mit beachtlicher Geschwindigkeit zurückkehrende Meer … teilweise werden an Engstellen Fließgeschwindigkeiten bis zu 60 km/h gemessen.

Über das Leben aus damaliger Zeit erfährt  man mehr im National Monument von Grand Pre („Große Wiese“), wo wir auch auf eine Skulptur von Evangeline treffen, die als Sinnbild für die Vertreibung der Acadier, der ursprünglich französischen Bevölkerung, im 18. Jh. gilt.

Mit Überquerung einer sehr nordisch anmutenden Hochebene gelangen wir an die Außenküste Nova Scotias und in die oft dokumentierte „Bilderbuchregion“ mit herrlichen Dörfern, Buchten, Leuchttürmen und Fischerambiente a la Schottland oder Irland. Den Anfang machen wir im UNESCO-Weltkulturerbe-Städtchen Lunenburg, das – schon das Wort verrät es – allerdings von Deutschen gegründet wurde.

Idyllisch am Ende einer geschützten Bucht gelegen bedient Lunenburg alle Klischees und bietet traumhaftes Ambiente mit seinen renovierten engen, bunten Häuserreihen, dem geschäftigen Hafen und dem herrlichen Ausblick auf die vorgelagerte Inselwelt. Auch wir „erliegen“ dem Charme des Plätzchens, finden einen Campground direkt am Stadthügel und flanieren einige Stunden durch die rechteckig angelegten Gassen. Dass wir dabei wieder einmal riesiges Wetterglück haben, sei am  Rande auch noch erwähnt …

Über Mahone Bay, das für seine dicht beieinander stehenden 3 Kirchen direkt am Ufer bekannt ist, gelangen wir an den Außenposten Peggys Cove – einem Fischernest, das für seinen idyllisch in den Felsen gelegenen Leuchtturm, aber auch für sein stets eingetrübtes Atlantikwetter berühmt ist. Wieder stimmen alle Klischees, wir tuckern nach Besichtigungsrunde weiter in die Hauptstadt Halifax.

Die größte Stadt der Atlantikprovinzen entpuppt sich als typisch britische Stadt und bietet als größter Umschlagplatz nach und von Europa alle Annehmlichkeiten … nur leider ob der verwinkelten Lage keine geeigneten Parkplätze für große Fahrzeuge. So wird der Aufenthalt für uns nur kurz, wir drehen einige Runden durch Hafen und Stadt, ehe wir an der Zitadelle kurz Pause machen, die Aussicht genießen und nach einem Imbiss die doch wenig anschauliche Metropole hinter uns lassen.

Es geht zurück auf dem Trans-Canada-Highway bis Moncton in New Brunswick, wo wir wieder an die Bay of Fundy gelangen. Einige Kilometer südlich schlagen wir unser Lager in einem Camp am Cape Hopewell auf, das nur wenige Kilometer vom Highlight der Region entfernt liegt: Hopewell Rocks. Hier erreicht man auf einem Fußweg in wenigen Minuten eine Bucht, in der unglaubliche Felsformationen aufragen. Und das Außergewöhnliche dabei ist, dass diese Bucht alle 12 Stunden begehbar ist, wenn der Wasserspiegel sich zurückzieht.

So kommen wir am Abend in den Genuss einer unglaublichen Wanderung am Meeresgrund, während am nächsten Vormittag die Rückkehr des Wassers hautnah beobachtet und erlebt werden kann … die kanadischen Park-Ranger sind da einigermaßen entspannt und lassen es locker angehen mit Sperre der Zutrittsstiege.

Ebenso entspannt geht es beim abschließenden Relax-Wochenende in der Campobello Bucht zu, wo wir eher zufällig etwas abseits des Hauptstromes landen und in der wir den Tidenhub aus aktiver Bootsstegsicht erleben. Denn diese sind hier mit langen Zugangsstegen und speziellen Auftriebskörpern versehen, damit sie sich den unterschiedlichen Höhen des Meeresspiegels anpassen können und den Bootszugang zu allen Tageszeiten ermöglichen. Man erkennt die Höhe auch an den hoch aufragenden Holzsäulen, die durchwegs mit Muscheln bewachsen sind.

Und wir sind übrigens schon wieder einige Kilometer auf US-Staatsgebiet und haben wieder ein weiteres schizophrenes Kapitel US-Grenze hinter uns … diesmal mussten 2 Zitronen „dran glauben“, dafür blieben Zwiebel und Paprika gleich daneben unangetastet …?!?

Ein letztes Schmankerl bleibt uns aber verwehrt, denn nachdem am Vortag in der Bucht ein Wal gesichtet wurde, zeigt er sich in den kommenden Tagen nicht mehr … so müssen wir uns mit herrlichem Ausblick, Lobster-Sandwich und dem Sieg Deutschlands im Finale der Fußball-WM trösten … Hand aufs Herz – sogar die Amis jubeln lautstark.