USA - KARIBIK - KANADA 2014

NEW BRUNSWICK

 

Juli 2014

Freiwillige und unfreiwillige Pausen in New Brunswick

Mit Quebec lassen wir den am dichtesten besiedelten Teil Kanadas hinter uns und betreten mit Überschreiten der Grenze nach New Brunswick die „Atlantikprovinzen“ und jene Region, die als Geburtsstätte der Besiedelung Kanadas gilt. Auch das Landschaftsbild ändert sich stark, denn die Halbinsel Gaspe und New Brunswick bilden den Nordostrand der Appalachen, die ihr Ende bei Atlanta in Georgia finden … so schließt sich für uns auf dieser Reise wieder ein Kreis. Die herrlichen Küsten, das fruchtbare Hinterland und das angenehme Klima lockten viele Auswanderer seit dem 17. Jahrhundert über den Atlantik – doch jedes „Paradies“ hat seine „Schlange“ … „Arthur“ mit Namen.

Der Weg am Südufer des St. Lorenz Stromes bringt vorerst echt französisches Fischerdorf-Ambiente und pure Idylle … nur eines bringt er nicht: Abkühlung. Die Temperaturen um und über die 30°C begleiten uns auch über die ersten Hügel.

Apropos „Strom“ – der St. Lorenz gilt hier zwar noch als breiter Fluss, doch ab Quebec dringt bereits verstärkt Salzwasser ein und Hochseeschiffe prägen das Bild der Wasserstraße.

Bei Rimouski bewundern wir nochmals die Kite-Surfer sowie Leuchtturm und U-Boot, ehe es nach New Brunswick geht … wieder heißt es die Uhren um 1 Stunde nach vor zu stellen – „Atlantic Time“ mit 5 Stunden Differenz zu Mitteleuropa. Wir bemerken diese Umstellung auch erst, als wir beim Information Center hinter der Grenze vor verschlossenen Türen stehen – zu spät. So bleibt uns nur bei der Campsuche auf unsere „gute Nase“ zu setzen. Und die hält!

Dalhousie heißt das Städtchen an einer Landzunge im St. Lorenz-Golf, letzter freier Platz an der „Waterfront“ zwischen Leuchtturm und Vogelfelsen … kitschiger geht’s fast nicht. Wir beschließen spontan nach den anstrengenden „Stadt-Tagen“ mal abzuspannen und eine Pause einzulegen. Diese genießen wir u.a. mit ausgiebigem Strandspaziergang bei Ebbe zu ausgespülten Felsen, Leuchtturm und Steilküste, allerdings sind die Temperaturen wieder nahe der 35°-Marke. Erst in der Nacht entladen sich erste heftige Gewitter, die etwas Abkühlung bringen. Die sollte dann noch folgen, davon später aber mehr …

Wir machen uns auf zur Umrundung der Acadia-Halbinsel, der Heimat jenes französischstämmigen Volkes, das Mitte des 18. Jh. von den Briten deportiert wurde … teilweise in die Heimat oder nach Louisiana – Bayou-Country. Wieder hatte sich für uns ein Kreis geschlossen. Bei beträchtlicher Hitze absolvieren wir einen Rundgang durch das eindrucksvolle „Village Historique“ in Caraquet, wo das Leben aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert nachgestellt wird.

Die übrige Küstentour gestalten wir im neu gewonnenen „Drive Thru“-Stil und gelangen auf einer Abseitsroute eher zufällig ans Cap Lumiere, wo wir einerseits wieder ein Camp direkt am Leuchtturm und an der Steilküste finden, andererseits von den netten Campbesitzern ganz aufgeregt vom heranbrausenden „Hurrican“ namens „Arthur“ erfahren … nachdem er sich über North Carolina, New York und Boston ausgetobt hat, führt sein Weg nun über New Brunswick, Nova Scotia und Neufundland!

Einziger Trost: er wurde zu einem „Tropical Storm“ mit Sturmgeschwindigkeiten bis zu 120 km/h herabgestuft und die Küste hier am Cap Lumiere sollte nur „gestreift“ werden …!?! So gibt es für uns die Prämisse uns günstig abzustellen, Bäume zu vermeiden und alles gut verstauen … gesagt, getan.

Um 4 h morgens geht es wie angekündigt los, heftige Regenschauer und enorme Windböen lassen das Wohnmobil gewaltig schaukeln. Dauer inkl. einiger Regenpausen: 24 Stunden. Wir nutzen die unfreiwillige Pause zu ausgiebigem Schreiben, Lesen und Internet-TV, denn wir haben ausgezeichnetes WIFI („Free Internet“) und können im kanadischen TV die Fußball-WM empfangen …

Bei neuerlichem herrlichen Hochsommerwetter geht es am nächsten Morgen weiter Richtung Nova Scotia, dem eigentlichen Ziel unserer Tour in den äußersten Osten Kanadas. Doch noch lässt uns die Küste nicht „los“, denn der „Acadien Coastal Drive“ ist ein tolles Gemisch aus endlosen Dünen, Marschland und malerischen Streusiedlungen … New Brunswick hat sich in unseren „Reiseganglien“ ein fixes Plätzchen gesichert.

So gibt’s zum Abschluss noch eine Dünenwanderung bei Bouctouche und ein „Lobster Sandwich“ in der „Hummer-Hauptstadt“ Shediac, ehe wir bei Amherst auf die Halbinsel Nova Scotia gelangen und das herrliche „Post-Hurrican“-Wetter nützen wollen. Die Spuren des Sturmes, der einige Region für mehrere Tage sogar stromlos macht, sind vom ersten Meter weg sichtbar … wir haben wirklich Glück gehabt.