USA - KARIBIK - KANADA 2014

GREAT LAKES & OSTKANADA

 

Juni 2014

„Great Lakes“ und kanadische Städtetour

Die „Großen Seen“ haben es wirklich in sich, schon der „Lake Superior“ (Oberersee) zeigt uns die Dimensionen auf, denn wir fahren rund 700 km an seinen Ufern entlang. Er besitzt in etwa die Größe Österreichs und verbirgt sich in dichtem Nebel, was unsere Reisegeschwindigkeit nur beschleunigt … wir wollen wieder nach Kanada, wo wir den Besuch der Hauptstadt Ottawa, der Metropole Montreal und der französischsten Stadt des Landes, Quebec, eingeplant haben. Zuerst empfängt uns aber eine von Industrie und Bergbau geprägte, von dichten Wäldern durchzogene und von Moskitos beherrschte „Glazial-Landschaft“ … die Überreste der letzten Eiszeit. Da sind auch die herrlichen Seen und Flüsse nur ein schwacher Trost. Lappland lässt grüßen …

Wir wählen ab Duluth für den Weg nach Kanada nicht die Nordroute entlang des Lake Superior über Thunder Bay, sondern wenden uns ostwärts durch Wisconsin und Michigan und eigentlich haben wir einen Stopp am Südufer eingeplant. Doch der Südwestspitz des größten Sees Nordamerikas empfängt uns mit dichtem Nebel, der uns an den meisten Küstenstreifen begleitet. So wird aus der geplanten „Seentour“ eine flotte Fahrt durch viel Wald und wir erreichen am Abend die Grenzstadt Sault Ste. Marie – eine Stadt an beiden Ufern des St. Lorenz Stromes und in zwei Staaten.

Hier heißt es noch einmal alles „auffüllen“ … Benzin, Propan, Lebensmittel, v.a. Bier und Wein sind in Kanada viel teurer. Und auf der Suche nach einem Camping landen wir beim örtlichen Casino, wo man auf dem angebauten RV-Park um 10,- $ inkl. Strom stehen kann … bleibt mehr Cash fürs Casino!?!

So sind wir am kommenden Tag früh auf den Beinen und überqueren auf einer mächtigen Brücke die Grenze, den Fluss samt Stromschnellen und die Schleusen des „St. Lorenz-Seeweges“, der das „Herz Kanadas“ mit dem Atlantik verbindet und auch für Hochseeschiffe zugänglich macht … Thunder Bay liegt rund 2000 km vom Meer entfernt und besitzt den 3. größten Hafen des Landes. Die Einreise nach Kanada ist wieder problemlos, wir befinden uns in der Provinz Ontario und statten der Schleusenanlage einen Besuch ab, ehe es wieder zurück auf den „Trans Canada Highway“ und ostwärts nach Sudbury geht.

Was für ein Unterschied zu Westkanada! Hier empfängt uns eine Industrielandschaft, die die Nähe zur großen Wasserstraße nutzt, eine hügelige Waldregion – das Relikt aus der letzten Inlandsvereisung – und nur wenig Beschauliches. Auch haben nach dem harten Winter und den starken Regenfällen im Frühjahr die Moskitos das Sagen, aber wir sind das ja aus Skandinavien gewöhnt und stellen uns darauf ein … Lagerfeuer, Spray etc.

Aber wieder beschleunigt die Szenerie unser Reisetempo, den Umweg über Toronto ersparen wir uns und nähern uns flotten Schrittes der kanadischen Metropolregion … kurze Visite beim „Big Nickel“, dem Symbol der Bergwerksstadt Sudbury, zahlreiche Ausblicke auf Seen- und Flusslandschaften, lange Waldpassagen … am Ende der 2.700 km Tour ohne Pause lassen wir uns in der Hauptstadt Ottawa nieder – in einem Camp mitten im Wald … eh schon wissen, Lagerfeuer, Spray etc.

Zwei Erkenntnisse gibt’s gleich zum Start unserer „Städtetour“: Sommerliche Temperaturen um und über 30°C begleiten uns und die Wege in die Städte sind für  Wohnmobiltouristen, die wie wir „Öffis“ benutzen, sehr beschwerlich. 1. Beispiel Ottawa – Taxi zur Busstation, 30 min. mit Bus nach Downtown und die alternative Taxiversion am Abend nach Hause kostet 45,- CAD, also rund 30,- €.

Im „very british“ Ottawa bestimmen der „Parliament Hill“, der Rideau Canal samt Schleusen, der ByWard Market und die Spark Street Mall unseren Weg. Vom Parlament gibt’s den besten Ausblick auf Fluss und Stadt und am Nachmittag begleitet die Suche nach Schutz vor der Hitze unsere Schritte, ehe wir am Abend bei einem ausgesprochen guten Straßenkonzert sogar die Bandmitglieder kennen lernen und samt handsignierter CD von dannen ziehen … „Autumns Cannon“ heißen die Burschen und sie waren schon mit „ZZ Top“ auf Tournee.

Station 2 ist Montreal, das schon aufgrund der Größe ein spezielles „Kurzprogramm“ erfordert. Das Camp liegt wieder weit entfernt und mit Problemen bei der Suche per RV nach der besten Metrozufahrtsstation samt enormer Hitze entschließen wir nach Ersteigung des „Mont Royal“ auf weitere Stationen zu verzichten. Dafür ist der Ausblick auf Stadt, Strom und Umland gewaltig, auch genießen wir etwas das abendliche Leben in der Peel Street und abendliches Feuerwerk zu Ehren des bevorstehenden „Canada Day“.

Diesen wollen wir in Quebec verbringen und, da es sich um das intensivste kanadische Weekend handelt, haben wir bereits per Internet ein Camp nahe am Stadtzentrum gebucht … war auch gut so, denn das Camp liegt idyllisch über dem ins Meer übergehenden Fluss am gegenüberliegenden Ufer und ist ausgebucht. Aber wichtig: nachdem wir vor fast 4 Wochen bei Vancouver das Meer verlassen haben, sehen wir es nun wieder … als wir im Camp am nächsten Tag auch noch auf einen Platz mit Ausblick wechseln können, verlängern wir sofort um einen Tag … etwas Relaxen nach den letzten Strapazen wird uns gut tun … zudem finden wir einen kanadischen Onlinesender, der die Spiele der Fußball-WM live überträgt!

Das „französische“ Quebec bildet den optimalen Abschluss unserer Städtetour, obwohl auch hier der Weg nicht einfach ist: 1 km Fußmarsch zur Busstation, dann 8 km Bus zur Fähre, die uns in 10 min. vom gegenüberliegenden Ufer von Levis auf die wohl idyllischste Art mitten in die Altstadt bringt. Schon die ersten Eindrücke bestätigen alles, was wir im Vorfeld gelesen hatten … „Vieux Quebec“ wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben und ein Rundgang durch Unter- und Oberstadt vermittelt französisches Flair aus vergangenen Zeiten, denn bereits vor über 400 Jahren begann hier die französische Besiedelung Nordamerikas und das Werden Kanadas.

Trotz der Hitze verzichten wir auf eine Fahrt mit dem „Funiculaire“ zur Terrasse vor dem gigantischen Chateau Frontenac, dem Prunkhotel der Eisenbahnlinie … im Stile von Lake Louise und Banff. So erklimmen wir die „Halsbrecherstiege“ und genießen umso den Ausblick von der historischen Terrasse Dufferin auf Altstadt, Fluss & Meer und die im Strom liegende Insel „Ile d’Orleans“ … dass „Canada Day“ ist, bemerken wir an den Menschenmassen und einer ominösen Warteschlange zum Zutritt zum Auftaktzeremoniell … das alles bei 35°C!

Es ist nun eindeutig Zeit, dass wir der Hitze, den Städten und der Hektik den Rücken zukehren – die Atlantik-Provinzen warten …