USA - KARIBIK - KANADA 2014

SOUTH DAKOTA & GREAT PLAINS

 

Juni 2014

Monumente, Kultstätten & Naturwunder

Mit Verlassen der Rocky Mountains in östlicher Richtung haben nun vorerst Grasland und bewaldete Hügel das „Sagen“, ehe die rund 2.000 km lange Querung der „Great Plains“ beginnt. Gerade jetzt zu Beginn des Sommers zeigen sich die Bundesstaaten Wyoming, South und North Dakota von ihrer prächtigsten Seite. Es wirkt, als ob die Landschaft nach  dem harten, langen Winter und den starken Regenfällen des Frühjahres richtig aufatmet und aufblüht – sogar die im Sommer meist verdorrte Prärie und die „Zauberlandschaft“ der „Badlands“ heben sich in kräftigen Gelb- und Grüntönen vom tiefen Blau des Himmels ab, der uns seit  Yellowstone meistens begleitet … ja wenn Engel reisen.

Stichwort „Wetter“. Seit wir bei Buffalo die Berge verlassen haben, ist der Sommer zurückgekehrt, obwohl es erst Mitte Juni ist. Und wirklicher Sommer bedeutet hier am Nordrand der USA oft Temperaturen nahe der 40°-Marke … da kennt man dann die Bilder von ausgetrockneten Grasebenen sowie die Schauermärchen der „Badlands“ … schlechtes Land, wie schon Indianer und erste Siedler zu berichten wussten.

Jetzt steht alles in voller Blüte und die Temperaturen bewegen sich zwischen 25° und 32°C … gerade richtig, um uns nach den kühlen Tagen im Hochgebirge wieder aufzuwärmen.

Nach flotten, schnurgeraden Interstate-Meilen zeigt sich die Landschaft am Ostrand Wyomings wieder kupierter und sozusagen als Start zum Eintauchen in die „Welt der Monumente aus Stein“ statten wir dem „Devils Tower“ einen Besuch ab. Er ragt plötzlich aus der grünen Ebene empor, gilt noch heute als Kultstätte der Indianer und „National Monument“. Rein geologisch ist der monumentale Felsblock der Rest eines Vulkansausbruchs, dessen Hülle der Erosion weichen musste.

„Bewacht“ wird der ca. 260 m hohe Gesteinsturm von unzähligen „Prairie Dogs“, die ohne viel Scheu entlang des Weges aufgereiht dastehen. Da fühlt man dann ob des gesamten Ambientes wirklich in Urzeiten zurück versetzt … und spätestens bei Grenzübertritt nach South Dakota und Einfahrt nach Custer City bekommt das Ganze „touristisch-reale Umsetzung“, denn wir wohnen bei Familie Feuerstein in Steintal – „Flintstones Bedrock Camp“ – sehr originell! Da passt der gewaltige Sonnenuntergang genau dazu.

Den Ort Custer haben wir deshalb als Station gewählt, weil er an der Einfahrt in die „Black Hills“ liegt – der „Heimat“ zweier symbolträchtiger Riesen-Steinskulpturen mit „Kultstatus“: „Mount Rushmore“ und „Crazy Horse“.

Zu Mt. Rushmore braucht man nicht viel zu sagen – jeder Amerikaner muss einfach einmal die „Präsidentenköpfe“ gesehen haben. Jedes Kind kennt die 4 dargestellten Präsidenten: Washington, Jefferson, Lincoln und Roosevelt – der Nationalstolz gebietet es … soviel zum Thema aus vorangegangen Berichten: dies ist die Nr. 2 dieser Liste. Um die „Must see“-Liste abzurunden – Nr. 1 ist natürlich der „Grand Canyon“.

Eher problematisch aber umso eindrucksvoller ist die „Beziehung“ zum rund 15 km entfernten „Crazy Horse Memorial“, denn hier kommt etwas die „Schizophrenie“ des amerikanischen Geschichtsbewusstsein gepaart mit dem „schlechten Gewissen“ den Ureinwohnern gegenüber zum Ausdruck.

„Crazy Horse“ ist eine sensationelle Geschichte. Begonnen wurde das Werk bereits 1948 zu Ehren des charismatischen Sioux-Häuptlings, der bis heute Heldenstatus besitzt, und bis zur Fertigstellung werden noch mindestens 100 Jahre nötig sein - in fertiger Form wird die Skulptur Crazy Horse auf einem Pferd sitzend und mit ausgestrecktem Arm nach Osten weisend zeigen. Alle Präsidentenköpfe am Mount Rushmore zusammen sind in etwa so groß wie der Pferdekopf. Nach Fertigstellung der Skulptur soll diese 195 m lang und 172 m hoch sein.

Die Familie des inzwischen verstorbenen Bildhauers setzt nun das Werk fort, ein riesiges Besucherzentrum spült reichlich Geld in die Kassen der „Foundation“ und in Planung stehen eine Universität, sowie ein indianisches Kulturzentrum.

Für uns geht’s nach soviel Gestein weiter in die Ebene bei Wall, das uns bereits 100 km lang per lustiger Reklametafeln am Highway groß angekündigt wird: „Walls Drug“ – das größte Drugstore der Welt. Es liegt „gleich ums Eck“ vom Camp, das wir hier vorgebucht haben, da wieder ein Wochenende ansteht. Denn in Anbetracht des Gebotenen hier ist viel Betrieb zu erwarten … Wall gilt als „Eingangstor“ zum Badlands Nationalpark und dem Buffalo Gap National Grassland.

Der Name „Badlands“ bedeutet, wie schon erwähnt, eigentlich nichts Gutes, denn für landwirtschaftliche Nutzung war die trockene, schroffe Verwitterungslandschaft nicht geeignet. Dafür stellt sie heute als geschütztes Naturdenkmal und Fossilienfundstätte ein Juwel dar, das viel besucht und fotografiert ist und auch schon als Filmkulisse diente – für Kevin Kostners „Der mit dem Wolf tanzt“!

Am faszinierendsten ist die sonst „trostlose“ Gegend aber im Frühsommer, wenn durch die Feuchtigkeit der kühlen Jahreszeit alles blüht und gedeiht. Auch wir sind äußerst fasziniert, verbringen einen Tag im Park mit „Steinzeit-Picknick“, fahren abseits der Hauptroute auch auf Schotterpisten, trotzen den „Klapperschlangen-Warnschildern“ und unternehmen sogar eine urzeitliche Wanderung … faszinierend und ganz schön heiß. Und am Abend gibt’s Lagerfeuer … es ist „Mittsommer“.

Am kommenden Tag gehen wir es ob der gebotenen 32°C gemütlicher an, drehen eine ausgedehnte Runde durch „Walls Drug“, wo der Ramsch regiert, und gönnen uns zur Abwechslung mal wieder „Soccer World Cup“ in einer Kneipe – Ghana gegen Deutschland 2:2.

Von hier beginnt nun die rund 2000 km lange Querung der „Great Plains“ bis zu den „Großen Seen“, wo wir wieder nach Kanada ausreisen wollen. Unendliche Weiten tun sich auch, auch hier steht alles unter Saft und es regieren die endlosen Felder, Weiden und Farmen.

Abwechslung bedeutet hier nur das Wasser und diese bringt wieder einmal unser „Lieblingsfluss“, der Mississippi. Zuerst queren wir bei Fort Pierre den inzwischen zum Strom angewachsenen Missouri, der bereits viele hundert km hinter sich hat … eh schon wissen, der „Irrtum“.

Und dann machen wir uns – wie 180 Jahre zuvor einige Entdecker – auf die Suche nach den Quellen des Mississippi, deren wahre Herkunft lange ungeklärt blieb. Der Ausfluss aus dem Lake Itasca („Mississippi Headwaters“) ist heute ein viel besuchter Ausflugsort, in dem sich vor allem die Kinder wohl fühlen. Aber auch der Wunsch jedes Erwachsenen, einmal „zu Fuß“ den Mississippi zu durchqueren, kann erfüllt werden.

Wir sind nun in Minnesota angelangt, werden in Bälde die 2. Zeitzone seit South Dakota überqueren und dann sind es noch rund 700 km entlang des „Lake Superior“ (Oberer See) bis Kanada … es geht voran.