USA - KARIBIK - KANADA 2014

MONTANA & WYOMING

 

Juni 2014

Fallende Wasser, dampfende Erde & ein Irrtum!

Der „Umweg“ über Missoula hat uns dreierlei gebracht: ein neues Wohnmobil, eine notwendige Aufladung unserer Akkus … und den Zugang zum „Mittelwesten“, wie wir ihn so nicht geplant haben. Denn zuerst lernen wir einige der fruchtbarsten Längstaler der Rocky Mountains kennen und letztlich landen wir am Oberlauf eines Flusses, der einerseits der längste Fluss Nordamerikas ist und andererseits „Opfer“ eines Irrtums. Denn der Missouri legt, bis er bei St. Louis in den viel kürzeren Mississippi mündet, eine fast doppelt so lange Distanz zurück … wir sehen ihn erstmals in abgelegenen Canyons und bei „Great Falls“.

Die Tage von Missoula samt Wohnmobilumstieg tun uns wirklich gut, wir erleben auch live den Start zur Fußball-WM mit dem 5:1 der Holländer gegen Weltmeister Spanien mit und lernen alle Vorzüge unseres „rollenden Riesenappartements“ kennen. Und dann geht es mit etwas Umweg zurück auf unsere geplante Route über die Hauptstadt Montanas, Helena, zum Tal des oberen Missouri.

Die Geschichte dieses Flusses ist schnell erzählt: es dauerte viele Jahre und Anstrengungen, bis man den Lauf des mächtigen Wassersystems erkundet hatte und in Unwissenheit wurde der Fluss ab seinem Zusammentreffen bei St. Louis mit dem Namen Mississippi bezeichnet, der dem indianischen Ursprung des gedachten Hauptstromes aus  den Hügeln Minnesotas entsprach. Dass der Missouri mit seinen 3 Ursprungsflüssen, u.a. dem Yellowstone River, aus den Bergen Montanas und Wyomings aber bereits tausende Kilometer zurückgelegt hatte, wusste zu Zeiten der engagierten Eroberer des Landes niemand. Abgeschlossen.

Zuerst geht es über den McDonalds-Pass in 1930 m, dann haben wir kurz nach Helena, einer einfalls- und ausdruckslosen Capital, erstmals Einblick ins Missouri Valley und erleben bei Great Falls die erste energietechnische Züchtigung des Flusses. Dort wo im 19. Jh. die Entdecker Lewis und Clarke die „Eagle Falls“ als echtes Hindernis entdeckten, bremst heute ein Kraftwerk den bereits beachtlichen Fluss.

Was uns aber mehr interessiert ist der „Giant Springs State Park“ wenige Flussschlingen später, denn die dort sprudelnden Quellen kreieren ein Kapitel im „Guiness Buch der Rekorde“: den kürzesten Fluss der Welt – Roe River – 6100 cm lang … siehe Wikipedia … Fotoshooting ist Pflicht … ich werde mein hauseigenes Biotop-Flüsschen wohl auch anmelden müssen!

Von hier geht’s wieder auf der „Panamericana“ (US 89) südwärts bis zum Yellowstone River, der den Eingang in den wohl berühmtesten, weil ältesten, Nationalpark der Welt markiert. Der Fluss selbst ist Teil des „Missouri-Quellsystems“ und eines der Phänomene entlang der „Continental Divide“, der Trennlinie zwischen Pazifik und Golf von Mexico, aber auch Namensgeber des „National Parks“, der seit über einem Jahrhundert existiert.

Schon bei der Routenplanung gab es für den „Yellowstone“ ein Fixsternchen, umso prekärer zeigt sich nun die Wettersituation, denn für unseren geplanten 2-tägigen Aufenthalt im Park stehen die Vorzeichen auf Schnee, alles bewegt sich immerhin zwischen 2000 und 2400 m Seehöhe.

So ist entsprechendes Timing unumgänglich – vielleicht ist die Durchquerung auch in einem Tag möglich – wir fahren auf Campsuche soweit wie möglich heran und sind schon früh am „North Entrance“ mit dem „Roosevelt Door“ bei herrlichem Sonnenschein. Es geht steil bergan über die Kalksinterterrassen von Mammoth Springs, wo wir erkennen, dass es im Park nur 1 Jahreszeit gibt … Sommer. Denn welche Menschen- bzw. Automassen sich über die teilweise engen Straßen schieben, ist enorm.

Eine erste Regenfront lässt uns einige „dampfende Löcher“ und Wasserfälle auslassen, die holen wir aber im „Big Basin“ reichlich nach, bis wir … ja bis wir am „Ziel der Ziele“ anlangen: Old Faithful! „Verlässlich“ ist seine Devise und alle 60 bis 90 Minuten sprüht der „Geysir aller Amerikaner“ seine Fontäne gen Himmel. Bitte vormerken: Punkt 3 den alle Amerikaner besuchen müssen! Rest später.

Eines ist klar, nach dem Regenguss zuvor sind wahrscheinlich weniger als sonst da … lediglich geschätzte 10.000 ?!? Unglaublich – der „running gag“ ist sicherlich die Zeitvorhersage für den nächsten Ausbruch … wir haben Glück, denn fast pünktlich geht’s für rund 3 Minuten los … diesen Geysir muss man einfach lieben! (Böse Zungen behaupten, es handelt sich um den verlässlichsten Amerikaner)

Da uns das Wetter im „Genick sitzt“, geben wir Gas – eine Anmerkung eher bedauerlicher Natur bleibt: die jahrelang standhafte Canon Eos gibt beim „Dauerfeuer“ auf „Old Faithful“ endgültig ihren Geist auf … eines ist sicher – sie wird mit diesem Kosenamen Platz im hauseigenem Fotomuseum finden.

Die „Rechnung“ für den Kameraausfall bekommen wir natürlich umgehend präsentiert. Zuerst überqueren wir in 8530 ft. den Sylvain Pass … rund 2.600 m … dann geht’s ins Tal des „Shoshone River“ mit gewaltigen Felsformationen und Flusseinblicken – einziger Haken dabei: auch der Akku bei der „kleinen“ Nikon-Kamera ist „tilt“ … what shall’s, wie wir zu sagen pflegen. Ein Anlass um mal wiederzukommen … ins Tal, wo die „Schoschonen schon wohnen“ (Zitat Bully Herbig aus „Der Schuh des Manitu“).

Seit Eintritt in den Yellowstone Park haben wir auch Boden des Bundesstaates Wyoming betreten, dem wohl indianischsten aller Staaten. Das ist hier allen klar, leider auch den Vermietern. Denn im ersten Campground, den wir ob der Wettersituation erreichen, werden wir sowohl bei Wohnmobilstellplatz als auch (grauslichem) Steak gehörig ausgenommen.

Wohltuender ist da dann Cody, die Heimat des berühmten „Buffalo Bill“ … nicht nur, weil wir im örtlichen „Walmart“ – dazu später mehr! – eine wirkliche günstige Kamera im Abverkauf finden … sondern weil das Städtchen einfach den Flair vergangener Zeiten versprüht. Vor allem „Old Trail Town“ gibt uns in überwältigendem Stil Einblick in die Zeit der Eroberung des „Westens“ … vor rund 150 Jahren.

Wyoming bietet uns in Folge einen Landschaftsmix, der seinesgleichen sucht. Über endlose Felder, „Grassland“, vertrocknete Flussläufe, wüstenhaften „Gesteinshügeln“, die wie die berühmte „Painted Desert“ wirken, geht es schließlich nach intensiven Einblicken in Cowboyland auf den „Zenitpunkt“ unserer Reise: durch den „Tensleep-Canyon“ und eine atemberaubende Bergstraße erreichen wir den „Powder River Pass“ in 9.666 ft. Seehöhe … exakt 2945 m!

Und mit dem Eintauchen in den Nebel am Ostrand der Berge bei Buffalo geht es in eine „neue Welt“ … die „Great Planes“ warten darauf, überquert zu werden – ca. 2000 km warten auf uns.