USA - KARIBIK - KANADA 2014

ALBERTA & MONTANA

 

Juni 2014

Auf dem „Cowboy-Trail“ zurück in die USA

Sie scheinen wirklich wahr zu sein … die Geschichten von Cowboys, Indianern, riesigen Ranches, unendlichen Prärien und dem „Wilden Westen“. Kaum hat man die Berge hinter sich gelassen, öffnen sich die unendlichen Weiten Albertas und unser Weg führt südlich zurück in die „Staaten“ bis Montana. Die schroffen und schneereichen Rocky Mountains werden von sanften, saftigen Hügeln abgelöst, die von „Creeks“ durchzogen und genährt werden. Und diese Vielfalt und Idylle waren und sind ideale Voraussetzungen für Viehzucht und Anbau … eine Bilderbuchreise entlang des „Cowboy-Trails“ bis … ja bis es eine spannende Wende unserer Reise geben wird.

Von Banff fahren wir am TCH Richtung Calgary, bevor wir wieder in die Berge abbiegen. Es geht ins Indianerland im Kananaski County und das erkennt man einerseits an den zur Schau gestellten Tipis, aber vor allem an den Casinos, die hier prunkvoll in der Wildnis stehen … die Indianer setzen – staatlich erlaubt – auf Glückspiel und der Hoffnung auf schnelles Geld.

Wir sind von all dem doch etwas abgelenkt, denn plötzlich stehen wir nicht nur neben zwei weidenden Wapitis sondern auch vor einem Schild „Road closed“ … Wintersperre, offensichtlich haben wir irgendwo ein Hinweisschild übersehen … so ist es! Also wieder 50 km zurück in die Ebene, wo wir uns zu allererst in einem echten „Saloon“ mit Soup oft he day und einem exotischen Mix aus Fries … pardon Frites … Käse und Sauce stärken.

Die Fahrt entlang des „Cowboy Trails“ von Alberta wird immer eindrucksvoller und romantischer, es artet in einer „Drive Thru“-Fototour aus, ehe wir mit Besuch der „Bar U Ranch“ einen echten Höhepunkt erleben. Denn hier wurde, statt die Anlage dem Verfall preiszugeben, alles vom Staat  übernommen und zu einem „National Monument“ gemacht. So kann man in einem herrlichen Freilichtmuseum samt Multimedia-Kino, Kutschenfahrt und „Probe-Schmieden“ das harte und aufregende Leben der Rancher und Cowboys des frühen 20. Jahrhunderts nachvollziehen.

Neben original Cowboy-Musik gibt’s aber auch die nächste Überraschung fürs „Tier-Fotoalbum“: unser erster Bison weidet auf der Wiese ... man hat sie mit viel Mühe wieder angesiedelt und vor dem Aussterben bewahrt!

Wir fahren weiter über saftige, grüne Weiden, fruchtbare Felder und ein durch viele Wasserläufe gestaltetes Hügelland, ehe sich bei Pincher Creek wieder die Rocky Mountains vor uns auftürmen. Bevor es jedoch in den einzigen staatenübergreifenden Nationalpark der Erde geht, machen wir Stopp im Gemeindecamp des Städtchens. Strom, Wasser, Dump Station, Free Wifi – also Internet zur Kommunikation mit der Außenwelt – und Lagerfeuer … alles bestens, ja wenn nicht ein Gebrechen an unserer Klospülung unsere Pläne über den Haufen werfen! So ein Pech … und das in Kanada!

Aber so leicht lassen wir uns nicht entmutigen, suchen per Internet die „nahe gelegenen“ Cruise America-Stationen und entschließen uns am nächsten Tag nach Missoula/Montana zu fahren … noch nie gehört, klingt aber irgendwie interessant.

Der Umweg zu unseren nächsten Zielen hält sich in Grenzen, wer weiß, was uns stattdessen erwartet … also zeigen wir uns kreativ und spontan. Nichtsdestotrotz starten wir am kommenden Tag in den „Waterton-Glacier Nationalpark“, dem einzigen seiner Art, der grenzübergreifend verläuft und „Peace International“ genannt wird.

Schon auf kanadischer Seite zeigt sich eine fantastische Seenlandschaft, die sich auf US-Seite um eine traumhafte Gletscherlandschaft erweitert. Und zwischendrin müssen wir in einem dichten „Forest“ die Grenze überschreiten. Doch zuvor wird erstmal unsere „Tierfoto-Sammlung“ erweitert, denn direkt neben der Straße entdecken wir 5 junge Füchse, die sich aus ihrem Bau wagen …!

Ein Erlebnis der besonderen Art ist der Grenzübertritt in die USA. Nach Small-Talk und Formalitäten geht’s ans „Eingemachte“ … Rules für Nahrungsmittel und alle organischen Stoffe. Das Wohnmobil wird genau untersucht, zuerst werden 2 Paprika  „konfisziert“, dann unser Brennholz „beschnuppert“, alles andere im Stauraum bzw. in den Speiseboxen werden nicht entdeckt … man kommt sich vor wie in Skandinavien vor 30 Jahren!

Mit viel Gelächter geht’s dann weiter und, ob wir wirklich viel zu lachen haben werden, wird sich in Missoula entscheiden, das sich als 70.000-Einwohner-Metropole im Nirgendwo herausstellt. Ca. 15 km südlich der Stadt, die sogar einen internationalen Flughafen besitzt und die zweitgrößte Stadt Montanas ist, gibt’s die Station unseres RV-Rentals … ohne Firmentafel oder Hinweis … unsere Gefühle über den Ausgang unserer Problemlösung sind sehr gemischt  – 1 x fahren wir vorbei, aber dank genauer „Google-Beschreibung“ finden wir dann doch hin.

Das Problem ist schnell erklärt, die Leute sind sehr nett, aber eine Reparatur scheint ob eines gebrochenen Zuflussventils und fehlender Ersatzteile nicht möglich!? Die Lady im Shop klärt mit Cruise America ab und dann folgt die „Frage des Urlaubs“, ob wir das Angebot der Zentrale annehmen und auf ein neues Modell umsteigen wollen … allerdings ist es um einiges größer als das bisherige – 30 ft. statt 25!

Aus Hoffnung und „innerlichem Jubeln“ wird in Sekundenbruchteilen Realität und nach erster Kurzbesichtigung ist uns klar, dass heute ein Glückstag ist … es ist Freitag, der 13.!

Natürlich sagen wir sofort zu, in ca. 1,5 Stunden ist alles umgepackt, sind alle Formalitäten erledigt, Fotos mit der Managerin geschossen und gegen Mittag starten wir zu unserer 3. RV-Tour auf unserer Nordamerika-Reise – der hoffentlich längsten, denn es bleiben uns noch genau 5 Wochen bis zur geplanten Rückgabe in Boston … 10.000 km warten auf uns noch in einem eigentlich für 6 bis 7 Personen gebauten „Luxus-Appartement“ mit großartigem Platzangebot und vielen neuen Schmankerln.

 

Wie heißt es bei uns dann meist: Das haben wir uns verdient.