USA - KARIBIK - KANADA 2014

BRITISH COLUMBIA

 

Juni 2014

Entlang des „Gold Rush Trail“ im Cariboo County

Auf dem „Trans Canada Highway“ geht es nun ost- und nordwärts und schon bei der Planung dieser ersten „Rocky Mountains“-Etappe lassen Namen und Bezeichnungen unsere Herzen höher schlagen … Gold Rush Trail, Cariboo County, Fraser River, Thompson River, Hat Creek Ranch, Clearwater Valley, Yellowhead Pass. Start der Route ist in Hope und auch wir sind voller Hoffnung … nach knapp 800 km reinster Traumtour sind wir um zahllose Erkenntnisse und Eindrücke reicher und haben unser „Tieralbum“ sensationell erweitert, ehe wir in die Zauberwelt der „Nationalparks“ eintauchen.

Schon bei der grundsätzlichen Tourplanung legen wir viel Augenmerk auf genügend Zeit in Kanada und die Route durch die kanadischen Rockies obliegt spezieller Vorbereitung … dass es dennoch oft anders kommt, als man denkt, liegt in der Natur der Sache und den Gegebenheiten vor Ort.

Start und Einstieg in die Gebirgswelt östlich von Vancouver verlaufen noch wie geplant, es geht am „Trans Canada Highway“ (TCH) rasch voran. Zunächst noch 4 bis 6-spurig, doch ab Hope geht es ins Gebirge bzw. ins Tal des Fraser River und auch die Straßenverhältnisse passen sich an. Überholt wird hier auf langgezogenen Doppelspuren oder sogenannten „Turnouts“.

Der Fraser ist ein gigantischer „Schlammriese“, denn v.a. im Frühjahr spült er die Spuren des Winters aus und präsentiert sich braun-grau. Ab Yale beginnt der legendäre „Gold Rush Trail“ auf den Spuren der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts und eigentlich ist vom Fluss enttäuschenderweise nur wenig zu sehen, zu dicht sind die Wälder. So gerät die Fahrt für uns eher durchwachsen, da sich … angeblich … herrliche Schluchten und atemberaubende Wellen abwechseln und man außer über bezahlte „Showübungen“, wie einer Seilbahn zum Fluss, kaum etwas sieht.

Dem Frust schon recht nahe gelangen wir nach Lytton, der statistisch heißesten Stadt Kanadas. Das kann natürlich schon was … „Stadt“ ist zwar übertrieben, aber eine idyllisch auf einer Flussterrasse gelegene Siedlung, die vom Wasser und der Eisenbahn geprägt ist und … eine unglaubliche Temperaturwandlung bringt. War es den ganzen Tag eher dicht bewölkt und kühl, so lachte plötzlich die Sonne ungehindert vom Himmel – mit Temperaturen nahe der 30°-Grenze! Die Küstengebirge haben hier eine „Klimaoase“ geschaffen und auch das Landschaftsbild ändert sich entsprechend, denn ab hier gibt’s keine Wälder, dafür ungehinderten Ausblick … und zwar auf den Thompson River, der in Lytton mündet. Die Bedeutung des Tales wird unterstrichen durch die Tatsache, dass auch der „TCH“ und die „Pacific Railway“ diesen Weg wählen … die Bahn sogar „zweiufrig“, denn am rechten Ufer geht’s flussabwärts nach Vancouver und links in unsere Richtung – die Berge.

Die Bahn wird dann auch unser ständiger Begleiter, denn die „Canadian Pacific“ ist bis heute ein wichtiges Symbol der Eroberung des kanadischen Westen und hat kaum an Bedeutung verloren. Lautstark kämpft sie sich zumeist als unendlicher „Bandlwurm“ durch die Landschaft – ob zur Warnung an unbeschrankten Bahnübergängen oder um zu grüßen, ist unwichtig, die Lokführer genießen die Abwechslung unüberhörbar …

Wir landen nach großartigen Ausblicken auf einem einzigartigen Camp im „Goldpan Provincial Park“, wo ein Naturalcamp mit 14 Plätzen direkt am Ufer errichtet wurde. 16,- CAD für abenteuerlichem Stellplatz samt Feuerstelle und Sitzbank fussfrei, „Fotoshooting“ weil wir „the first Austrians“ am Platz sind und vor uns der Thompson, der in einem Riesen-Kehrwasser mit „Fullspeed“ im Kreis fließt … oder ist‘s der Merlot …?!?

Am kommenden Tag verlassen wir nach weiteren großartigen Ausblicken, Fluss, Bahn und TCH und bleiben auf den „Gold Rush Trail“. Die Route ist vor allem geprägt von „Historical Sites“ aus der Zeit vor 150 Jahren. Zuerst besuchen wir eine Ranch samt Indianerdorf, dann folgen viele Siedlungen, die aus Postkutschenstationen entstanden und nach ihrer Distanz zum Startpunkt des Trails benannt wurden … 47-Mile-House, 70-Mile-House, 100-Mile-House … hier biegen wir ab und überqueren eine Hochebene mit Seen a la Skandinavien, ehe wir zurück zum Thompson gelangen.

Es ist noch früh am Nachmittag, deshalb folgen wir den Spuren unseres Reiseführers bei Clearwater und biegen in den „Wells Gray Provincial Park“ ab. Unsere Suche gilt einigen außergewöhnlich schönen und spektakulären Wasserfällen und so fahren wir steil bergan. Nach rund 35 km beginnen wir an der Sinnhaftigkeit des Abstechers zu zweifeln, wir wollen gerade umkehren, als es zu einem der einschneidendsten Erlebnissen der Tour kommt: Gerlinde entdeckt einen am Straßenrand im hohen Gras spielenden Bären! Vor lauter Aufregung vergisst man sogar vorerst aufs Fotografieren, um dann doch großartige Bilder von „Meister Petz“ zu machen, wie er sich mit einer Blume beschäftigt … einfach ein Wahnsinn!

Unser persönliches „Tierfotoalbum“ hatte sich in den vergangenen Tagen sowieso schon um einige Schmankerl erweitert, das aber war die Krönung, zumal wir an diesem Tag bereits 2 x flüchtende Elche nicht fotografisch festhalten konnten.

Zum „Drüberstreuen“ gab‘s dann auch noch die gesuchten Wasserfälle, der Höhepunkt dabei der über 130 m hohe Helmcken-Fall, wo der Myrtle River in eine imposante Doline stürzt und die Wassergischt in einem Regenbogen leuchtet. Was für ein Abschluss eines unglaublichen Tages … wir nutzen die „Gunst der Stunde“ und steuern den anschließend am Wege liegenden Wells Gray Golf & RV Park an, wo wir am Clearwater River bei Lagerfeuer mit einer Parade von Golf-Caddys im Rücken schön langsam auf den Boden der Realität zurückgeholt werden.

Allerdings um am kommenden Tag sofort wieder „abzuheben“, denn das Szenario steigert sich mit jedem Kilometer, den wir den „High Rockies“ näher kommen. Zuerst geht es ständig parallel zum Hauptkamm nordwärts entlang des Thompson, dann queren wir eine Hochebene, aus der der Columbia River (wir kennen ihn von Portland!) seine Quellen schöpft, um schließlich einen „alten Bekannten“ wieder zu treffen: den Fraser River … nach einem gewaltigen „Umweg“ hat er einen „Haken“ nach südöstlicher Richtung geschlagen und bildet hier das Haupttal zur Scheitelstrecke und zu den Nationalparks.

Schon der erste Anblick am „Wegesrand“ hat es in sich, denn plötzlich richtet sich der imposante Mt. Robson vor uns auf … mit fast 4.000 m der höchste Gipfel Kanadas. Dass sich in Sichtweite eine Bärenfamilie herumtreibt, ist das „Tüpfelchen auf dem I“. Und dann geht es über den „Yellowhead Highway“ bzw. Lake und Pass nach Alberta – mitten ins Herz der kanadischen Rocky Mountains. Zielpunkt: Jasper.