Leben am Tonle Sap

ROUND THE WORLD

KAMBODSCHA

Jänner 2008

KAMBODIA –

TEMPELWUNDER UND ELEND IM REICH DER KHMER

Teil 3: Phnom Penh & Bootsfahrt am Tonle Sap

 

Schweiß anderer Art fließt dann allerdings auf unserem Trip per Expressboot von Siem Reap nach Phnom Penh auf dem Tonle Sap, dem größten Süßwassersee SO-Asiens plus Fluss, der in den Mekong mündet. Wir brausen mit Fullspeed durch den wellengepeitschten See und sind froh einen zwar kleinen, aber luftigen Platz am Dach des schmalen Bootes ergattert zu haben. Abenteuer pur, Verkeilen und Festhalten ist Pflicht, Erfrischungsgetränke serviert ein akrobatischer Kambodschaner im Plastikkübel …!


Dafür werden wir anschließend mit großartigen Einblicken in das Leben am Fluss belohnt, schwimmende Dörfer, Reisfelder und Tausende Fischerboote bestimmen das Landschaftsbild dieses einzigartigen Flusses, der eine Weltrarität darstellt. Denn alljährlich zur Regenzeit ändert der Fluss seinen Lauf, wenn das Hochwasser des Mekong dann flussaufwärts in den Tonle Sap fließt, der wiederum seine Größe dann um das 7 bis 8-fache vergrößert und über 12.000 qkm bedeckt – beinahe die Fläche der Steiermark.


Schon bei der Anfahrt zum Bootssteg in einem Sammeltaxi (Kleinbus) zu zwölft bekommen wir einen Eindruck, wie erbärmlich das Leben in der Seeregion ist, obwohl er den Leuten eine ausgezeichnete Lebensgrundlage für Fischfang, Reisanbau bzw. Bewässerung liefert. Die rumpelige Sandpiste durch die Pfahlghettos im See ist wirklich schlecht, kein Wunder, denn sie ist ja auch einige Monate im Jahr unbrauchbar und unnotwendig, wenn das Wasser ansteigt. Was wirklich betroffen macht, ist der Dreck, in dem die Leute hier leben. Plastikmüll und unverrottbarer Abfall stapeln sich dicht zwischen Straße, Häuser und schlammigem Wasser, das ebenfalls eine Brutstätte für Krankheiten und Überträger darstellt.


Etwas besser sieht es am Wasser aus, denn die „Schwimmenden Dörfer“ vermitteln wenigstens den Eindruck von normalem, einfachem Leben. Ebenso die vielen Siedlungen entlang des Flusses, der als äußerst fischreich und durch seinen Schlamm fruchtbar für den Anbau von Reis gilt. Wir sind auf jeden Fall fasziniert vom dichten Verkehr und Leben am Fluss und die Fotoapparate haben Hochbetrieb.


Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir in Phnom Penh an, wo uns ein Freund unseres Guides von Siem Reap erwartet und für uns schon ein Hotel nahe des Königspalastes besorgt hat. Wir haben beschlossen, die Dienste von Nol Naro für 2 Tage in Anspruch zu nehmen, was sich als wahrer Glückstreffer entpuppt.

 

Denn Nol, der 5 Jahre als buddhistischer Mönch gelebt hat, um zu studieren, hilft uns bei der Planung der weiteren Reise sehr weiter: Bustickets nach Sihanoukville und retour, dann Buchung eines Hotels am Strand (es ist Hochsaison, vieles ist ausgebucht!), sowie Organisation der Weiterflüge nach Saigon und zurück nach Bangkok. Wir bekommen einen Vorzugspreis, denn „Vietnam Air“ bietet günstigste Kombitickets von Kambodscha ...!


Die Tour in Phnom Penh wird noch einmal ein „heißes“ Unterfangen, doch wir bekommen in kurzer Zeit dank Nol und seinem Freund per Tuk Tuk wirklich tolle Eindrücke von der Hauptstadt, wie den Königspalast, die Silberpagode, den Alten Markt, den Tempel Wat Phnom samt frei laufenden Affen und abschließend das Genozidmuseum mit tiefen grausamen Einblicken in die Greueltaten des Khmer-Regimes bis 1998. Eine ehemalige Schule wurde dabei zu einem Foltergefängnis umgebaut.


Von Nol verabschieden wir uns dann am kommenden Tag, als wir per Sammeltaxi zur Busstation abgeholt werden, um uns bei Rückkehr nach Phnom Penh wieder zu treffen, denn er wird für uns wieder ein Hotel für die letzte Nacht in Kambodscha besorgen. Gute Investition in die Zukunft eines wirklich tollen Burschen …