Blick vom Victoria Peak

ROUND THE WORLD

HONGKONG

Jänner 2008

KURZBESUCH IN CHINA –

Marmor & Bambus

oder: „Hongkong für Anfänger“

 

„Duftender Hafen“? – Schon mal gehört?
Na klar, Hongkong.


Einem Kommunikationsproblem verdankt die Weltmetropole ihren Namen und „Made in Hongkong“ ist weit mehr als nur eine Floskel. Eigentlich ging es ursprünglich nur um Sandelholz, eigentlich ist Hongkong wirklich britisch & eigentlich geht es um 50 Jahre. Jene 50 Jahre, die 1997 im Rahmen der von Deng Xiaoping entwickelten Doktrin „Ein Land, zwei Systeme“ verankert wurden, um das „demokratisch“ marktwirtschaftliche System Hongkongs neben dem kommunistischen System der Volksrepublik China bestehen zu lassen, nur eine „Lappalie“ …. einerseits um Hongkongs Rolle als eines der Finanzzentren Asiens zu sichern, andererseits weil sich die Menschen Chinas wohl eher für den Weg Hongkongs (siehe Schanghai oder Peking) entscheiden werden. Man wandelt einerseits durch Prunkpaläste und Hallen aus Marmor, Edelstahl und Glas – andererseits dient als ultimativer Baustoff für Gerüste und Aufbauten Bambus …. !


 Der Niedergang des Kommunismus ist hier ebenso wenig aufzuhalten wie in Vietnam, Korea und Kuba. Mal abwarten …


Hongkong ist anders, Hongkong ist unvergleichlich, Hongkong ist einfach „bbb“ - besser, billiger,  brutaler …. vor allem wenn es nach Vincent Chai geht, unserem Guide auf der Island-Tour, der aussieht wie Charlie Chan. „Danke sehl vielmals!“ Er weiß zu jeder Straße, jedem Haus, jedem Hügel eine Geschichte zu erzählen, alles ist hier einfach überwältigend, unübertrefflich und einzigartig ….Made in Hongkong – Gott sei Dank haben wir nur die kleine Tour gebucht ….!?!


So haben wir auch die Chance, uns unsere eigene Meinung über Hongkong zu machen, im echten Ghetto auf Kowloon zu landen, uns mit den andersartigen Verkaufsmethoden der Chinesen (… und das sind sie letztlich auch & darauf sind sie auch stolz – sogar Vincent, der behauptet, seit die Stadt 1997 von England an China zurückgegeben wurde, geht es mit Wirtschaft und Wohlstand steil bergauf) auseinanderzusetzen und uns die „Ameisen“, wie wir die aufdringlichen chinesischen Händler und Keiler schon bald bezeichnen, vom Hals zu halten. Hinschauen verboten, denn schon sind sie da … best price und big sale und … kennen wir ja eh schon! Dafür landen wir schon am ersten Tag auf der Suche nach Essbarem in einer echten chinesischen Suppenküche …. echt scharf und gewöhnungsbedürftig …. nachdem man sieht, wie wir uns mit den Stäbchen abmühen, gibt es Besteck …. und sehr billig: 4,- für 2 Riesensuppen plus 2 Eistee. Da kostet der Whisky, den wir zur Verdauung nebenan im Pub nehmen, schon pro Glas mehr …


Gesehen und erlebt haben wir in diesen 3 Tagen und 4 Nächten (denn es wurde schon früh finster, weil Winter herrscht, bei übrigens 24 bis 25° C) einiges – dank unserem Guide, dann der nagelneuen Subway MTR und dank unseres wieder erwachten Wandertriebes. Nur so war es möglich, in diesen wenigen Stunden an die 100 Kilometer zurückzulegen. Gut – groß ist Hongkong ja nicht, denn in der engen Bucht, auf den über 200 Inseln und seinem Hinterland bis zur „Grenze“ zu China bleibt flächenmäßig nicht viel Platz, aber dennoch leben hier rund 7 Millionen Menschen.

 

Aber man muss sich das vorstellen, in einigen Bezirken gibt es die rekordverdächtige Bevölkerungsdichte von 260.000 Menschen (!?!) …. und so schaut es auch aus. Wolkenkratzer-Ghetto scheint der richtige Ausdruck dafür. Die meisten europäischen und amerikanischen Touristen bekommen diese Nuance der Stadt gar nicht zu Gesicht, sie werden einfach vorbei geschleust.
Nicht so wir.


Dank Vincent geht es an einige markante Plätze auf Hongkong-Island, dem britischeren Teil der Stadt. So sehen wir „Repulse-Bay“, einen der schönsten Badestrände mit großartiger Tempelanlage, & „Aberdeen-Harbour“, wo es einerseits das größte schwimmende Food-Lokal für 3000 Besucher gibt, aber andererseits auch die „Boat-People“ auf ihren Fischkähnen leben – per „Sampan“ kurven wir direkt durch die stinkende schwimmende Siedlung und sehen tief in das Hongkonger Slum-Leben.

 

Wir lernen eine echte Juwelenfabrik kennen und könnten den Ausblick vom „Peak“, dem Aussichtsberg hoch über der Stadt genießen. …. ja, wenn nicht der schon seit Tagen über der Stadt hängende dichte Nebel gerade mal 20 m Ausblick gewährt. So haben die Fotohändler Hochsaison, indem sie die Touristen fotografieren, den Hintergrund der Stadt per Laptop an der Steinmauer einfügen und gleich ausdrucken! Wir ersparen uns das, zeigen gute Nerven und haben Glück, denn am letzten Tag unseres Aufenthalts „reißt es auf“ und wir genießen den wirklich eindrucksvollen Ausblick auf die Millionenstadt in natura.


Ebenso wie den Blick in zahlreiche Märkte. Vor allem den Blumenmarkt und dem „Bird Garden“, wo man alles kaufen kann, was fliegt und piepst. Oder den täglichen Markt in Wan Chai – bei uns um die Ecke (wir wohnen übrigens dank Gerhard Auer von Gruber Reisen Graz direkt am Hafen mit Blick auf das bewegte Wasser-Leben aus dem 17. Stock unseres schönen Hotels fußfrei). Und vor allem den gigantischen Ausblick aus der nagelneuen Seilbahn auf Lantau Island auf Meer und den auf einer künstlichen („Müll“-) Insel errichteten topmodernen Airport.


Den größten freistehenden Bronze-Buddha mit über 26 m, zu dem die Seilbahn eigentlich führt, können wir im dichten Nebel am Berg zwar nur erahnen, dafür wird uns aber von Stunde zu Stunde die Absurdität dieser Stadt bewusst. Einer Boom-Town, die als ehemalige britische Kronkolonie jahrzehntelang eine Sonderstellung in Asien genoss. Und mit vielen, vielen Eindrücken aus einer neuen, für uns auf dieser Reise noch nicht erlebten Kultur heben wir mit der Boeing 777 der Cathay Pacific Air in den bedeckten Himmel über dem südchinesischen Meer ab mit Ziel in der nächsten Weltstadt, Bangkok.