Skandinavien 2021

Oder:
Reisen in Zeiten mit und nach "Covid-19"

Im Vorjahr mussten wir die Pläne für eine Skandinavientour aufgrund der unsicheren Situation rund um die Ausbreitung der „Corona-Pandemie“ verschieben, aber die Möglichkeit einer kostenlosen Umbuchung der Fährfahrt von Stockholm nach Danzig um ein Jahr ließ uns diesmal ungeachtet der Virus-Situation an die Realisierung des Projekts gehen. Und was noch dazu kam: wir hatten etwas zu feiern - das 25-jährige Jubiläum unserer Touren durch Norwegen – dem schönsten Land der Erde.

Seit dem Vorjahr wurde und wird unglaublich viel von der Pandemie und den Versuchen ihrer Eindämmung gesprochen und geschrieben. Unweigerlich standen auch während der Planung der Tour im Frühjahr wieder Thematik und Problematik des „unbeschwerten Reisens“ sowie die „schwierigen Voraussetzungen“ und Einschränkungen am Planungstableau. …

TOUR
FACTS
Reisetermin:
Juli / August 2021

Reiseroute:
Österreich - Deutschland - Dänemark - Norwegen - Schweden - Polen - Slowakei - Österreich

Reiseart:
VW Caddy & Wohnwagen

Gesamtlänge:
4700 km

Teilnehmer:
Gerlinde + Robert Koch

START MIT BESUCH BEI DEN BUDDENBROOKS

 

Unzweifelhaft sind seit Ausbruch der Krankheit viele Halbwahrheiten und Angstmacher-Parolen passiert, aber die Problematik hat sich seit dem Vorjahr nicht geändert – es hat viel mit Unvernunft, Unfähigkeit von „oben“ und natürlich auch einer ständig wachsenden Verdummung, wie wir sie schon in den USA erlebt hatten und ihre Wurzeln sicherlich in der ständig wachsenden Digitalisierung hat, zu tun.

 

Zu den Voraussetzungen für diese Reise gehören in erster Linie die Verbesserungen bei den Infektionszahlen innerhalb von Europa, die steigende Impfstatistik und das gemeinsame Bekenntnis der Staaten, das Reisen zu einigermaßen vernünftigen Bedingungen zu ermöglichen … die echte Überraschung sollten wir allerdings erst in Skandinavien erleben – dazu aber später.

Covid-Vorbereitungen und Nordland-Premiere

 

Geimpft und vollimmunisiert waren wir seit Ende Mai und auch die Installierung des EU-Zertifikats mittels QR-Codes verbesserten unsere Aussichten auf stressfreies Reisen enorm, zumal wir ja auch nicht mehr zur „Risikogruppe“ bzw. zur virulenten Generation zählen. Mit diesen Vorgaben im „Gepäck“ bzw. am Handy und einem ausreichenden Vorrat an FFP2-Masken und Mundschutz machen wir uns also mit unserem Wohnwagengespann auf den Weg in den Norden.

 

Premiere dabei ist auch die Mitnahme von 2 Paar Skijaks mittels Dachträger. Von den Erfahrungen der letzten Jahre angeregt wollen wir diesmal die wieder gewonnene Aktivitätspalette mit den Skijaks in die Tat umsetzen, vor allem nach meinen Knieoperationen bin ich voller Tatendrang und Unternehmungslust und sowohl Küstenwanderungen als auch Fjordbefahrungen, Fluss und See stehen auf meiner To-Do-Liste. Schön, dass sich auch Gerlinde mit diesem Vorhaben identifiziert …

Anreise über Deutschland

Dass wir die Urlaubsfahrt dringendst nötig haben, zeigen die Troubles zu Beginn, wir sind unentspannt, übernervös und teilweise höchst beratungsresistent … Dinge, die bei früheren Reisen auch immer wieder vorkamen, aber sich mit der Zeit und mit dem Erlebten legten. Station Nr. 1 ist ein Zwischenstopp in Passau, wo wir nach rund 3 Stunden unsere Vorräte an Köstritzer und Jever sowie notwendigen Lebensmitteln im Wohnwagen auffüllen. Das ist einer der großen Vorteile unserer Reiseart: viel Stauraum, um die bekanntlich im Norden sehr teuren Waren, Getränke und Nahrungsmittel zu bunkern.

 

Zuvor haben wir ganz entspannt unsere erste – eigentlich nicht vorhandene – Grenzkontrolle bei Suben gemeistert, auf der Gegenfahrbahn konnten wir allerdings einen rund 15 km langen Stau mit mehr als 2 Stunden Wartezeit bei der Einreise nach Österreich registrieren – sensationell wie dämlich die Menschen auch in Zeiten von Google, Navi usw. sind – es gibt genügend Ausweichrouten.

 

Unser Ziel für Tag 1 ist die Durchquerung einer massiven Regenfront und Pause im Großraum nordöstlich von Leipzig, wo wir schon Ostern 2017 verbrachten. Mit jedem Kilometer wächst die Zuversicht und auch die Stimmung, nach rund 730 km finden wir nach kleiner Irrfahrt und auf Anraten einer netten Lady in der Seenplatte südlich von Wittenberg einen neuen Abstellplatz für Wohnmobile nahe dem See- & Wald-Resort Gröbern, wo wir den letzten Platz ergattern … we are lucky!

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Am Morgen geht’s weiter, einen Stau auf der Autobahn bei Potsdam umgehen wir dank google großräumig, dem stockenden Verkehr nördlich von Berlin – trotz Sonntag – entkommen wir aber nicht, er lässt uns aber ab Schwerin die Alternativroute auf der neuen A14 wählen, wo wir über eine Landstraße problemlos unser Ziel Lübeck erreichen. Anmerkung am Rande – auch im Lübecker Stadtcamp Schönböcken heißt es „letzter Platz auf der Wiese“ … we are lucky!

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Besuch in Lübeck

Der Besuch der „Hansestadt“ Lübeck steht schon lange auf unserer „To do“-Liste, ist aber jedes Mal durch den Rost gefallen … diesmal machen wir uns aber trotz omnipräsenter Maskenpflicht auf Spurensuche in der geschichtsträchtigen Stadt an der Trave, aus der u.a. Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann stammt. Und sein viel prämiertes Werk „Die Buddenbrooks“ ist auch der Ausgangspunkt unserer Tour.

 

Per Bus geht’s in die City, die auf einer bestens abgeschotteten Insel im Flusssystem der Trave liegt. Beim bekannten Holstentor starten wir unsere Runde, natürlich mit Fotoshooting vor dem weltbekannten Bauwerk, das mir seit rund 40 Jahren vor Augen schwebt, ohne es hierher geschafft zu haben …

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Traveufer, Holstenhafen, Kohlmarkt, Rathaus, Breite Straße – viele Bereiche Lübecks vermitteln sofort das Flair der Handelsmetropole aus vergangenen Tagen. Spätestens seit Thomas Manns Meisterwerk „Buddenbrooks“ ist die Geschichte allgegenwärtig und für alle Zeiten manifestiert und auch wir machen uns nach Stärkung am Markt mit Bier und Fischbrötchen auf Spurensuche. Das „Buddenbrook-Haus“ ist zwar zurzeit nicht zugänglich, da es generalsaniert wird, aber wir fühlen uns trotzdem spontan in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

 

In der Buchhandlung ums Eck ergattern wir ein außergewöhnliches Exemplar des Romans, der uns ganz bestimmt an diesen Julitag 2021 erinnern wird, wir entdecken aber auch ein anderes, lang gesuchtes Juwel … die neu aufgelegte Biografie des berühmtesten deutschen Arztes und Vater der „Virologie“ – Robert Koch.

Anleitung beim Virologen

Robert Koch, der Anfang des 20. Jahrhunderts für seine Entdeckungen im Kampf gegen Tuberkulose, Typhus, Malaria und andere Infektionskrankheiten den Medizin-Nobelpreis erhielt, gilt als Urgestalt der medizinischen Anstrengungen im Kampf gegen Virenkrankheiten – ein Thema, das heute aktueller denn je ist. Als Namensgeber für das RKI – das „Robert Koch Institut“ – steht der Arzt, Forscher und Kämpfer für eine Epoche, in der Krankheitserreger wie das derzeit herrschende „CoViD-19“, auf der Tagesordnung standen.

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Mit diesem Wissen gestärkt und einer weiteren notwendigen Pause schaffen wir auch die weiteren Highlights Lübecks, vor allem einen Rundgang durch viele „alte Gänge“ bei Engelsgrube und Untertrave sowie einen Uferspaziergang im Hafen, ehe es nach stilvollem und ortsgerechtem Abendessen mit viel Fisch per Bus zurück ins Camp geht.

Übrigens, das Wetter präsentiert sich nach den Hitzewellen in Österreich und der Regenfront bei der Anreise „stadtgerecht“ – d.h. es ist bewölkt mit Sonnenlöchern zwischen 17 und 20°C. Mit einem Wort: ideal!

 

Der Tag auf kulturhistorischen und literarischen Pfaden hat uns wirklich gutgetan und gibt uns Energie für die restlichen Kilometer in den Norden. Ab nach Skandinavien!

Weg an die Fähre mit Überraschungen

 

Der Reisetag am Dienstag startet mit kurzem Tank- und Reisestopp in einem Einkaufscenter am Rande von Lübeck – einer dieser Kolosse des modernen Shopping-Wahns, ehe es über Land Richtung Kiel, Flensburg und Dänemark geht … unsere nächste Grenze wartet! Auch hier benötigen wir exakt 10 Sekunden für den Grenzübertritt, obwohl wir bestens gewappnet mit Ausdrucken und Handy-App bereit sind – Stichproben genügen … Österreicher sind nicht an der Reihe, auch gut!

 

Die nächste Überraschung wartet an der ersten Raststätte, wo wir Kaffee-Halt und WC-Pause machen: Keine Masken! Wir glauben unseren Augen nicht zu trauen … Masken schnell verstaut und ab ins Klo bzw. an die Kaffeebar! Skandinavien ist wieder mal anders.

 

In 4 Stunden haben wir die rund 350 km dänischer Autobahn bis ans nördliche Ende der Halbinsel Jütland geschafft und eines war augenscheinlich: mit jedem Kilometer nördlich wurde das Wetter besser – am Meer bei Hirtshals erwartete uns wolkenloses Nordsee-Ambiente. Und die nächste Überraschung: Auch im Camp Hirtshals kennt man keine Maskenpflicht … im Gegenteil – alles läuft gemütlich und entspannt ab, jeder hält Abstand und der ständig herrschende Wind vom Meer demonstriert uns die Lösung: im Freien gibt’s keine Viren und mit etwas Grips läuft das problemfrei ab!

Camping Hirtshals
Ankunft an der Nordsee
Camp zwischen Dünen und Leuchtturm

Camp in den Dünen am Leuchtturm

 

Schon 2000 waren wir auf unserem Weg nach Norden – damals noch mit Alex und Nick und einer „Stand-by-Night“ am Pier des Fährhafens als Folge einer Nichtbuchung im Voraus – hier gelandet, einzigartig bleibt bis heute das unglaubliche Ambiente des Camps in den Dünen am Skagerak. Nach Wohnwagenaufbau und Stärkung wartet eine ausgiebige Tour bis hin zum weithin sichtbaren Leuchtturm und den Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg.

Alte Bunkeranlagen am Strand
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Aufstieg zum Leuchtturm
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Leuchtturm mit Nordseewind
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Camping Hirtshals
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Wanderung in den Dünen
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Letzte Nacht am Kontinent
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Eine weitere Überraschung erleben wir tags darauf auch an einer der günstigen Tankstellen des Städtchens, denn der Diesel ist billiger als in Deutschland … das kannten wir so nicht! Vollgetankt und gestärkt für die Überfahrt nach Norwegen machen wir uns am Vormittag des 21. Juli 2021 auf zur Fährstation der Color Line und, was Gerlinde mit besonderer Freude vernimmt, der Wind hat sich gelegt und einer gemütlichen Überfahrt nach Kristiansand steht nichts mehr im Wege.

 

Gebucht hatte ich die Fähre vor rund 2 Wochen online und auch die Covid-Kontrollen gestalten sich dank E-Pass und QR-Code als sehr einfach … Check-In um 10,45 h, Fähre fährt um 12 h - Norwegen wir kommen!

Ankunft im Hafen
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Anstellen ...
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A guata Joargaung ...
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Ankunft der Fähre
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Pole position!
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Auffahrt zur Fähre
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