ROUND THE WORLD

NEUSEELAND

Dezember 2007

Erste Tage am andern "Ende" der Erde

Wir hätten ob des umfangreichen Immigration-Infoservice am Flug von Tahiti nach Auckland schon gewarnt sein müssen – Neuseeland hat nach den USA die härtesten Einreisechecks der Welt. Während die Amis aber vor allem an Menschenmaterial interessiert sind, geht es bei der Ankunft hier um alles, was sonst noch eingeführt werden kann. Verboten sind vor allem Tiere und Tierprodukte, Pflanzen und Pflanzenprodukte, Nahrungsmittel, aber auch Dinge wie Muscheln, Korallen, Bambus, Elfenbein etc …. einiges hatte sich auf unseren Touren um Tahiti doch in unsere Koffer verirrt.

Neben Passkontrolle und Drogenhündchen geht alles nochmals durch den Scanner – No Problem. Haere mai. Welcome to New Zealand.

Schön langsam wird uns nun auch die Dimension, die unsere Reise erreicht hat, klar. Sind wir bisher stets in der Tageszeitrechnung später geworden, so realisieren wir die Tatsache, dass wir durch Überschreiten der Datumsgrenze bei unserem Flug irgendwo über dem Südpazifik nun der europäischen Zeit „voraus“ sind – vorerst 12 Stunden, da hier in Neuseeland Sommerzeit herrscht. Unsere ersten Anrufe in der Heimat am kommenden Morgen erreichen die Heimat noch am Abend des vorhergehenden Tages und der Reisetag hierher hatte die immense Dimension von 44 Stunden bekommen …!?!

Ein Blick auf unser Reisetagebuch bringt ebenfalls Bemerkenswertes zu Tage: Knapp 33.000 Kilometer haben wir bisher zurückgelegt, davon über 18.000 im Flugzeug und knapp 8500 im Wohnmobil quer durch die USA! Wir haben – wie gesagt – bereits 13 Zeitzonen durchquert und den Äquator überflogen, um nun im neuseeländischen Sommer angekommen zu sein. Geographenherz, was willst du mehr?!

Kein Wunder aber, dass wir nun auch erstmals die Strapazen bemerken sowie die nachlassende Spannung, die in dem Moment spürbar wird, als uns mein Onkel, der vor 45 Jahren hierher ausgewandert ist, am Wellington Airport erwartet.

„Welcome to Middle-Earth“ steht im Foyer und wir sind dort gelandet, was man das andere „Ende“ unserer Welt bezeichnen kann. Unsere „Mittelerde“ entpuppt sich als kleines Holzhäuschen gleich beim Airport „um die Ecke“ … Lyall Bay – eine von zwei Bergrücken und zwei Meeresbuchten begrenzte irgendwann künstlich aufgeschüttete Terrasse, denn Wohnraum ist hier in Wellington sehr beengt. Die neuseeländische Hauptstadt liegt idyllisch in einem Gewirr von Buchten und Halbinseln („Wellington Bay“) und ist von hohen, steilen Hügeln begrenzt.

Die Freude über unsere Ankunft ist spürbar, als wir einen Teil der Familie treffen, die wir schon in Österreich Jahre zuvor kennen gelernt hatten, und dann am Abend gemütlich bei einigen Begrüßungsdrinks plaudern …

Adolf Ebner – „Onkel Adi“ – ist 1962 von Trofaiach ausgewandert, als man ihm die Chance bot, im Rahmen eines Facharbeiterprogramms der neuseeländischen Regierung kostenlos per Flugzeug hierher zu gelangen …. ein „Horrortrip“, wie er sich später erinnert, denn für die insgesamt 6 Österreicher ging es über Rom – Indien – Singapur – Australien in mehr als 2 Tagen nach Neuseeland.

Nach vielen Jahren der Arbeit im Hafen und auf den Fährschiffen zwischen Nord- und Südinsel hat er sich nun eine kleine Firma aufgebaut, die sich auf Reinigungsservice spezialisiert hat. Aus der langjährigen Lebensgemeinschaft mit seiner Maori-Frau gibt es 2 Kinder, die nun selbst schon Nachwuchs zwischen 1 und 12 Jahren haben, und so herrscht allerlei Betrieb im Hause Ebner am Queens Drive Nr. 17. Wir selbst können es uns in einem gemütlichen Zimmer bequem machen und auch Dinge des täglichen Lebens erledigen, wie Totalwäsche unserer Klamotten nach 2 Monaten, heimatliche Kontaktaufnahme per Telefon sowie Aufarbeitung der Reiseunterlagen und Souvenirs, die sich angesammelt haben. Relaxen, Faulenzen, Lesen, TV (hauptsächlich europäischen Fußball), Aufkochen, Shopping und viele Gespräche bei Wein und Bier gehören zum „Programm“ der ersten Tage, in denen wir mit Adi als Fremdenführer, zu Fuß oder mit seinem Auto Lyall Bay, Wellington sowie das Umland erkunden. Und auch das Leben kennen lernen, das Adi führt – vor allem das Wochenendleben, wo er uns seine Hobbys, Pferderennen, Wetten und die Kumpels im Pub, miterleben lässt.

Zu den ersten fotografischen Highlights dieser Tage zählen der Blick vom Mt. Victoria, einem Ausblicksberg mitten in der Bucht mit Sicht auf die Innenstadt, eine Wanderung durch Fußgängerzone, Hafen und entlang der Bay-Route sowie eine Fahrt über die zahllosen bewohnten Hügeln und Halbinseln. Und das meist bei frühsommerlichem Schönwetter zwischen 20 und 25°C. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass kaum vorweihnachtliche Stimmung aufkommt, auch wenn es in den Shops und Häusern nur so von Weihnachtsmännern, Christbäumen und Dekoration wimmelt und wir einen aus Muscheln und Kerzen errichteten „Adventkranz“ entzünden …. es ist der 2. Dezember 2007 – 1. Adventsonntag.

Wohnen in Wellington