ROUND THE WORLD

TAHITI

November 2007

Feuchte Tage im tropischen Paradies

Wir haben schon den einen oder anderen Regenguss erlebt, aber gegen Ende der ersten Woche im Südpazifik nahe dem Äquator bekommen wir einen wahren Eindruck davon, welchen „Preis“ man für das immergrüne tropische Paradies wettermäßig zu zahlen hat:

4 Tage „Regenzeit“ mit wechselnder Schauerstärke und zeitweiligen kurzen Wolkenlöchern, die wir bei Temperaturen um die 30°C zu notwendigen erfrischenden Bädern in der Lagune bzw. im Pool nützen. Ich glaube man nennt diese Klimabedingungen „sehr schwül“ ….!

Und wenn man abschließend zu resümieren geneigt ist, haben wir in diesen 2 Wochen drei verschiedene tahitianische Sommertypen erlebt: den ungewöhnlich trockenen zu Beginn, den sehr feuchten Teil in der Mitte und zum Abschluss unseres Aufenthalts in Französisch Polynesien den „normalen“ wechselhaften Sommer mit Temperaturen um und über 30°C tagsüber bzw. 27°C Tagesmittel verknüpft mit hoher Luftfeuchtigkeit und ständiger „Schwitzbereitschaft“ …. In Verbindung mit den ständigen Wechselbädern aus Hitze, Air conditioned und Zugluft ideales Umfeld für eine dahin schleichende ständige Verkühlung mit Hustenreiz. Na ja, es gibt Schlimmeres …

Dass wir trotzdem nicht untätig bleiben, liegt an der Vielfalt der Insellandschaft mit weiten schwarzen Sandstränden, zahlreichen Sehenswürdigkeiten mit historischem Hintergrund, dem gebirgigen Kern der Doppelinsel und der Pracht an tropischen Gewächsen und Tieren sowie der faszinierenden Unterwasserwelt in der Korallenlandschaft der Lagune …. vor allem am Saumriff, zu dem wir uns insgesamt 4 Mal mit einem Doppelsitzerkajak vorwagen. Einmal dabei haben wir allerdings viel Glück, als sich plötzlich der Wind dreht, starken Wellengang erzeugt und uns bzw. vor allem meine Fotoausrüstung beinahe „versenkt“ …..

Trotzdem schaffen wir es an einem völlig ruhigen Morgen in der Lagune zu fotografieren, es macht sich allerdings das Fehlen einer Unterwasserkamera bemerkbar. Man erhält aber einen Eindruck davon, welche Rolle das Riff spielt, denn hier prallt die Brandung mit voller Wucht dagegen, während im Innern der Lagune eine in allen Blautönen schimmernde Wunderwelt existiert … mit Korallenblöcken in gewaltigem Ausmaß und einer Fülle an Fischen in allen Farben und Mustern. Dass wir auch einer Muräne ansichtig werden, ist allerdings ein anderes Kapitel …..

Bei einer Inselrundfahrt und mehreren Touren wird uns auch die unterschiedliche Geographie der Hauptinsel Tahiti Nui klar, denn während die Süd- und Südwestküste in der schützenden Lagune liegt, prallt an der Nord- und Nordostküste teilweise ungeschützt die gewaltige Brandung an herrliche, teilweise schwarze Strände. Ein Paradies für Surfer und Wellenreiter und fotografisches Gegenstück zu den sanften Lagunenfarben. Eine ca. 120 km lange Inselstraße umrundet die größere Halbinsel und originell präsentiert sich auch das dazugehörige „Verkehrsleitsystem“ bestehend aus rot-weißen Markierungssteinen, die die Entfernung von der Hauptstadt Papeete anzeigen.

Unser Drang nach Museumsbesuchen hält sich in Grenzen, aber wir stehen eines Tages am „Venus Point“, einem Leuchtturm am Ort der ersten Landung von James Cook 1769 sowie der folgenden europäischen Entdecker und Missionare u.a. für Captain Bligh (1789) und der „Bounty“, jenem Schiff, dessen Meuterei uns durch den berühmten Roman des Amerikaners Hall dokumentiert blieb. Damit ist aber auch schon ein Großteil der jüngeren tahitianischen Geschichte abgehakt, denn nach Besiedelung vor etwas mehr als 2000 Jahren durch die Polynesier war es der portugiesische Weltumsegler Magellan, der 1521 erstmals in die Gegend des heutigen französischen Protektorats „Polynesien“ kam. Erst knapp 150 Jahre später wurde die Insel Tahiti für die Europäer entdeckt: 1767 durch den Engländer Wallis und 1968 durch den Franzosen Bougainville, der letztlich zum Verbreiter des Mythos der Paradies-Insel Tahiti wurde.

Wir entdecken auf unseren Touren u.a. das Blasloch „Arahoho“ in einem Felsen, die 3 Wasserfälle von Faarumai, den Ausblickspunkt Belvedere in 600 m am Fuße des höchsten Berges von Tahiti (über 2000 m hoch!), die herrlich kultivierte Grotte von Mara’a und die Marae von Arahurahu, eine restaurierte Kultstätte mitten im Dschungeldickicht mit verschiedenen einst den Göttern geweihten Bauten und Figuren aus gehauenem Stein. Wir lassen es uns aber auch nicht nehmen, einen Blick durch die „Hintertür des Paradieses“ zu werfen, um einen Eindruck vom Leben und Tun der Tahitianer zu bekommen, die uns sehr gemütlich und freundlich, aber wenig fleißig und bestrebt erscheinen … den Fotos nach dürfte das auch stimmen. Das teure (französische) Leben wird auch nicht gerade zu einem gehobenen Basisleben der Insulaner beitragen.

Nicht nehmen lassen wir uns eine Fährfahrt samt Inselumrundung zur Nachbarinsel Moorea, die sich zumeist in dichte Wolken gehüllt zeigt. Auf der etwas heruntergekommenen Fähre können wir mit den ersten europäischen Seefahrern mitfühlen, die hier vor Anker gingen. Stets dichte Wolken umhüllen die Gipfel der gebirgigen Inseln, denen man sich durch Löcher im Riff vorsichtig nähern musste, um nicht auf Grund zu laufen. Um dann aber ein Paradies vorzufinden, in denen es eine unendliche Pracht an Nahrung gab sowie einen Menschenschlag, dessen weibliche Spezies es den Europäern seit jeher angetan hatte … von den Meuterern der Bounty bis hin zu Paul Gauguin, James Norman Hall oder Jacques Brel. Auch wir lassen uns letztlich von hübschen Tahitianerinnen verwöhnen, allerdings nur mehr in Form der bildhübschen Stewardessen von „Air Tahiti Nui“ beim Weiterflug nach Auckland / Neuseeland.

Marae von Arahurahu