norwegen 1996

FJORDE, TROLLE & OLYMPIA

Our first time in Norway (1996)

Was für eine Aufregung … was für ein Reiseziel.

Es geht in diesem Sommer nach Norwegen.

Ein Langzeittraum, der 12 Jahre, nachdem wir erstmals skandinavischen Boden betreten hatten, in Erfüllung geht. Eine Reise in den Norden Europas bedeutet auch einiges an Vorbereitung, beginnend mit dem Umstand, dass wir einen gebrauchten Wohnwagen kaufen, einen Besuch bei Freunden in Stockholm einplanen und auch Alex (11) und Niki (8) in die Vorbereitungen involvieren. Ein echtes Familienprojekt also.

Zeit wollen wir uns für diese doch außergewöhnliche Tour genügend und nicht vorbestimmt geben, auch die genaue Route wollen wir auf uns zukommen lassen.

Da wir auf unserem Weg nach Norden zuerst Freunde aus Leoben in Amal am Vänernsee besuchen wollen und auch noch einen Abstecher bei den Skijakkollegen in Stockholm einplanen, wählen wir auch eine entsprechende, neue, unbekannte Route durch Deutschland.

 

Anreise

Das „neue“ Deutschland nach der Ostöffnung macht es möglich … dabei führt uns der kürzeste Weg in einer „Nachtschicht“ über Passau und Berlin nach Rostock, wo wir in der Früh an Bord der äußerst kostengünstigen Fähre nach Trelleborg in Schweden gehen.

Da wir mit dem Wohnwagengespann unterwegs sind, kann ich die rund 4 stündige Überfahrt zu einem wohl verdienten Schläfchen im Wohnwagen am Sonnendeck nützen.

 

So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir noch am frühen Abend am Vänern, dem größten See Schwedens, ankommen und uns erstmal richtig ausschlafen. Die weiteren Abenteuer unserer Zeit in Schweden sind Inhalt einer anderen Story (siehe Schweden).

Es geht nach Norwegen

 

Von Arvika kommend überschreiten wir die schwedisch-norwegische Grenze in den anmutigen und idyllisch-kitschigen Postkarten-Weiten der Provinz Värmland und gelangen auf wenig befahrener Route ins norwegische Hordaland. Hier sticht uns ebenfalls eine Farben- und Vegetationspracht ins Auge, die schon auf schwedischer Seite zu bewundern war.

 

Über Kongsvinger gelangen wir in die Provinzhauptstadt Hamar und in das „olympische Norwegen“ der Region um Lillehammer. Dank unserer Erfahrung in Sachen Campingplätzen und der guten Vorbereitung mittels Infomaterial und Karten relaxen wir einige Tage am Mjösasee bei Gjövik, wo die tolle Lage am See und die unendliche Freiheit inkl. Lagerfeuer sofort unsere „Camperherzen“ gewinnt … ein erster Vorgeschmack auf norwegisches Campingfeeling – super Start.

 

Von hier lassen sich auch die Highlights der Umgebung gut besuchen: Hamar mit seiner Olympiahalle, die einem umgedrehten Wikingerschiff ähnelt, die Olympiastätten von Lillehammer (mit Schanze) und Kvitfjell (Ski alpin) oder auch eine tolle Badewelt in Raufoss, wo die Jungs in ihrem Element sind. Dazu grandiose Ausblicke auf Berg, Tal, See und Fluss.

Gudbrandstal

 

Nächste Station machen wir etwas nördlicher in der Nähe von Tretten, wo wir im Camp nahezu allein und ungestört sind. Von hier erkunden wir das Gudbrandstal sowie den „Peer Gynt-Weg“, der bereits am 1. Tag in Norwegen unsere Neugierde erweckt hatte, weil wir in einem Shop an der (nicht vorhandenen) Grenze die „Peer-Gynt-Suite“ des norwegischen Komponisten in CD-Form erworben hatten und sie seither ständig im Auto läuft …

 

Bei Favang finden wir die unglaubliche Holzkirche von Ringebu und bewundern überall die urtümlichen norwegischen Häuser und Gebäude mit den „Grasdächern“.

 

Etwas verwundert nehmen wir zur Kenntnis, dass es hier ständig Hinweisschilder für Italiens Hauptstadt gibt, bis wir entdecken, dass „Rom“ der einheimische Begriff für „Room, Zimmer“ ist … na bitte.

Trondheimfjord

 

Wir lernen auch in Anbetracht der Intensität der Landschaft unsere Reiseziele zu relativieren und stecken uns mit Trondheim, der Fjordlandschaft sowie der Region um Oslo die Eckpunkte der weiteren Tour. Also auf in die alte norwegische Krönungsstadt Trondheim, wofür wir zuerst das Dovrefjell überqueren müssen und tolle Bilder von Schafen, Schneefeldern und Trollen machen … ja die gibt es wirklich, wenn man den Norwegern Glauben schenkt!

 

Zur Erkundung des Trondheimfjordes greifen wir auf das bereits erfolgreich angewandte Prinzip zurück, wo wir unser Wohnwagengespann in zentraler Lage mit Meereszugang und Ausblick abstellen. Flakk heißt das Camp westlich der Stadt, die wir in den folgenden Tagen ausführlich besuchen und kennenlernen, inkl. Besuch der Sprunganlagen in Granasen und einem Fußballspiel von Rosenborg Trondheim im Stadion Lerkendal. Es ist Niki’s erstes Live-Match überhaupt und endet 6:0 gegen Valerenga Oslo.

 

Die Highlights von Trondheim sind natürlich der historische Stadtkern mit Festung und Krönungsdom der norwegischen Könige, dem Nidaros, sowie das unvergleichliche Ambiente der Lagerhäuser an der Flussmündung. Beim Ausblick vom Fernsehturm genießen wir einen unglaublichen Rundblick und sehen erstmals auch ein Schiff der Hurtigrute im Hafen.

Fjordnorwegen

 

Es geht nun entlang der Küste westwärts, wo wir in einem kleinen Fjord ein tolles Camp nahe der Stadt Molde finden. Die umtriebige Hafenstadt markiert das südliche Ende eines weiteren Highlights: dem „Atlantikweg“. Diese aus 8 hoch aufragenden Bogenbrücken bestehende Verbindung zahlreicher Inseln ist eine absolute Attraktion, die wir in beiden Fahrrichtungen erkunden.

 

Von Molde geht es nun in die Fjorde der Westküste. Wir starten per Fähre bei sommerlichen Temperaturen und bester Abenteurerlaune südwärts und gelangen über eine weitere Fährstrecke sowie einer wirklichen abenteuerlichen Bergstraße und über die kurvenreiche Route der „Adlerschwingen“ in den Geirangerfjord.

 

Das Original übertrifft alles bisher Gesehene und Gelesene! Mit viel Glück ergattern wir einen unglaublichen Stellplatz am Fjord und direkt am Einfluss eines Gebirgsbaches, der zum absoluten Kindererlebnisspielplatz wird … entsprechende Wassertemperaturen inkl.

Die Tage in Geiranger verlaufen unglaublich abwechslungsreich und entspannend, wir starten Motorboottouren im Fjord, bewundern die riesigen Kreuzfahrtschiffe bei ihren Manövern, erwandern die unglaubliche Gebirgsregion und genießen die endlos langen Tage mit den legendären hellen Nächten.

 

Ein fast unreell wirkender Ausflug führt zum „Trollstig“, wo man mit exzellenter Ingenieurskunst einen unglaublich aufregenden und fotogenen Straßenzug in eine fast senkrecht abfallende Bergwand gebaut hat … mit vielen Brücken, Wasserfallquerungen und Kehren, die dennoch Busse nicht abhalten, die Touristen mittels abenteuerlichen Fahrmanövern in die Höhe zu transportieren.

Von Geiranger geht es per Fähre durch den letzten Abschnitt des Fjordes westwärts. Nach einem Abstecher ins Oldental und der Gletscherzunge des Briksdalsbreen überqueren wir die norwegischen Alpen und gelangen ans Ende des Sognefjords, dem mit über 200 km am tiefsten eingeschnittenen Fjord der Welt.

 

Hier erwartet uns wieder ein tolles Camp, fast hochsommerliche Temperaturen mit Badespaß im Fjord und ein Ausflug führt uns in den Aurlandsfjord und zur Flam-Bahn, einer abenteuerlichen Eisenbahnstrecke vom Meer ins Gebirge, ehe wir weiterfahren.

Abschluss in der Hauptstadt

 

Auf der Route Richtung Oslo kommen wir zuerst an der Stabkirche von Borgund vorbei, überqueren das Hochland von Jotunheimen und gelangen in rund 6 Stunden an den Oslofjord und die Hauptstadt. Das Camp ist sofort gefunden, es liegt nahe dem Holmenkollen und bietet perfekte Busanbindung in die Stadt und zu den Highlights.

 

Wer nicht sofort in Oslo verliebt ist, dem ist nicht zu helfen. Wir wandeln auf historischen Pfaden, besuchen die Highlights der City, wie Rathaus, Parlament, Königsschloss oder Einkaufsmeile. Dort sind wir uns sofort des Umstandes bewusst, dass wir uns in der „teuersten Hauptstadt der Welt“ befinden. Dies kann uns aber nicht davon abhalten, im „Pizzahut“ südländisches Flair zu genießen … inkl. Original Chianti.

 

Mit der U-Bahn Nr. 1 geht’s direkt vom Zentrum auf den Holmenkollen, dem Hausberg der Osloer und Wintersport- und Freizeitzentrum. Es wird wohl kaum eine zweite Stadt geben, wo man vom Sprungschanzenkopf aufs Meer sieht … oder über den Absprungbalken in einen See, denn im Sommer dient der Schanzenauslauf Wassersportzwecken.

 

Im Museum bekommen wir einen Eindruck von der „Wiege des nordischen Skisportes“ und bewundern die Sprungski des Eisenerzers Mario Stecher, der im Winter zuvor den Schanzenrekord aufgestellt hatte … wir sind richtig stolz auf unsere Heimat! Wie die Norweger.

 

Wie im Fluge sind die letzten Tage, ja Wochen vergangen und mit etwas wehmütigen Blicken tuckern wir per Nachtfähre durch den Oslofjord dem Skagerakk entgegen, der Meerenge zwischen Norwegen und dem dänischen Festland.

 

Und während wir auf der Fähre die Vorzüge eines Kreuzfahrtschiffes genießen, ist es auch schon beschlossene Sache, so schnell wie möglich wiederzukommen. Denn es gibt noch so viel zu entdecken …