Reisetermin:
Juli / August 2017
Reiseroute:
Österreich - Slowakei - Polen - Litauen - Lettland - Estland - Finnland - Norwegen - Lofoten - Schweden - Dänemark - Deutschland - Österreich
Reiseart:
VW Caddy & Wohnwagen
Gesamtlänge:
8500 km
 

Einmal Lofoten - retour.

 

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Tour bestand seit Sommer 2016, als wir aus Finnland zurückkehrten und mit viel Euphorie eine Kombination aus neuen Wege und altbekannten Zielen im Norden unseres Kontinents zu schmieden begannen. Das Endziel – die Lofoten – stand sofort fest ... der Weg dorthin sollte aber etwas Neues, Unbekanntes werden.

Gesagt - getan.

Auftakt mit Holocaust, Mystik und baltischer Stadtkultur

START DURCH POLEN UND DIE BALTISCHEN STAATEN

Gepaart mit schon bekannten Wegen durch die Slowakei, Polen und die baltischen Staaten wurden auch einige Besuchs-Highlights eingebaut und so beginnt dieses als Anreise gedachtes Teilstück bis Tallinn an der Ostsee mit einem Besuch im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau, beinhaltet ein idyllisches polnisches Grenzstädtchen, setzt fort mit einem Besuch des „Bergs der Kreuze“ und einem ersten unglaublichen Sonnenuntergang in der Rigaer Bucht, ehe wir dem Ostsee-Juwel Tallinn einen Besuch abstatten. Und dort wartet dann die Fähre nach Skandinavien. Auf geht’s …

Im Gegensatz zu den oft panikhaften Aufbrüchen der Vorjahre gehen wir es diesmal gemächlich an und legen zu Schulschluss eine erste Relaxrunde am Stremer Weinberg ein, ehe der eigentliche Reiseauftakt am Sonntagabend mit Eintreffen von Alex und Verena (kurz AV) erfolgt.

Da die Beiden Ende Mai geheiratet haben, ist diese Reise für sie auch noch zu einer „zweiten“ Hochzeitreise (Nr. 1 führte sie Ende Mai in die Bretagne) geworden. Der Plan ist natürlich auch aus Kostengründen die gemeinsame Reise zu viert mit Caddy und Wohnwagen und als Unterkünfte würden sie neben dem mitgeführten Zelt auch hin und wieder in Hütten schlafen … na schauen wir mal, wie es läuft.

Der Montag (Tag 0) vergeht im Fluge mit letzten Erledigungen (Gas, Rafting, letztes Equipment und Verpflegung) sowie dem komplexen Einladen für 4 Personen und 4 Wochen (!)

Ich kann mich kaum erinnern jemals so komprimiert und auch gewichtsintensiv eingepackt zu haben … jeder Winkel ist ausgefüllt, v.a. mit Getränken (Bier, Wein, Wasser), Lebensmittel, aber auch Campingutensilien etc. Auch der Caddy ist randvoll – hier finden u.a. die neue Kühlbox, die auch mit 12-V betrieben werden kann, sämtliche Campingmöbel und auch das Miniraft samt Zubehör Platz … na bravo.

Was anders ist im Gegensatz zu den früheren Touren, ist eine Unruhe gepaart mit teilweise schizophrenen Ängsten vor Problemen, Unvorhersehbarkeiten an Auto und Wohnwagen … ich werde einfach alt.

Was neu ist, ist aber auch eine völlig neuartige Systematik der Online-Vorbereitung … einerseits haben wir bereits im Winter (natürlich äußerst kostengünstig) die Fährfahrt von Tallinn nach Helsinki für 16.7. gebucht, andererseits steht uns heuer erstmalig auch das Handy im europäischen Ausland ohne Roaming-Zusatzkosten zur Verfügung, was uns natürlich in Person von AV jederzeit online und mobil macht … speziell mit google-maps und den Verkehrshinweisen hoffen wir, dem einen oder anderen Problem zu entgehen. Natürlich sind auch Wettervorschau, Routen- & Campingplatzsuche sowie WhatsApp für Nachrichten an die Daheimgebliebenen möglich … na ja. Trotzdem sind wir mit Reiseführern, Landkarten und vorbereiteten Unterlagen bestückt – und wissen tun wir ja auch Einiges.

Beim Start am Dienstag ist es leicht regnerisch, ab Bratislava scheint aber die Sonne und es hat über 25°C! Wir wählen die Route über Eisenstadt um Wien zu umfahren und kommen gut voran. Bratislava ist diesmal frei und es geht flott durch die Slowakei … die Stimmung wächst mit jedem Kilometer, einzig verunsichernd wirken die Ängste von Alex, dem man anmerkt, dass er schon lange keine Wohnwagentour mehr mit uns gemacht hat und ständig irgendwelche Geräusche hört, Anhängerkupplung überprüft, Gasflaschen u.ä. festzurrt usw.

In Zilina ist der erste Teil der Autobahnumfahrung fertig gestellt, Teil 2 ist in Bau und beim fehlenden Abschnitt um Cadca geht dann das „Nadelöhr“ zu … Stau und zähflüssig, Zeitverlust ca. 15 Minuten, erträglich.

Dafür präsentiert sich dann der ganz neue Abschnitt Richtung Polen übers Gebirge als Aussichtsroute und wir genießen das neue Straßenstück zur polnischen Grenze und weiter bis Bielska Biala, wo wir Richtung Krakau abbiegen … das war allerdings ein Fehler! Hier beginnt der Ärger, weil sehr viel (Feierabend-) Verkehr, enge Straßen und viel Stop&Go ist. So brauchen wir für die knapp 100 km bis Krakau über 2 Stunden und leider auch zuviel Nerven und Energie, um eine sinnvolle Abendtour in Krakau zu starten …

Das Camp Smok westlich von Krakau nahe der Weichsel kennen wir von 2011 … aber statt gemütlich wie damals im unteren Bereich auf der Wiese zu stehen, werden wir in den oberen Bereich über eine steile Rampe und auf einen unebenen Bereich dirigiert … er befindet sich halt näher bei den Sanitäranlagen.

Nach den letzten staugebundenen Kilometern in Polen und dem zusätzlichen Stress beim Aufbocken des Wohnwagens wegen des unebenen Bodens braucht es dann schon mind. 2 Bierchen, bis sich Besserung in der Stimmung einstellt. Dazu gibt’s Krainer und beim Aufbau der Zeltplane durch Alex ist schon wieder alles bestens … wir hätten vor dem Aufbau mal absitzen sollen – na ja, wir sind noch aus der Übung! Aber der Abend wird gemütlich und für Verena geht ein erster, intensiver und ereignisreicher Wohnwagentag zu Ende …

Mittwoch sind wir gut ausgeschlafen und voller Energie, denn am Programm steht der „Auschwitz-Tag“ … und leider auch viel prognostizierte Hitze um die 30°C – Sch… marrn!

Wir sind recht früh unterwegs, benötigen aber rd. 1,5 Stunden bis Oswieczim, da auch auf den Nebenrouten viel Verkehr und Stau wegen Baustellen und Zufahrt zu einem Freizeitpark („Energy Landia“) herrscht – die „Metropolregion Kattowitz – Krakau“ ist sehr dicht besiedelt und es ist Ferienzeit.

Auch beim Eingang zum ehem. KZ Auschwitz stehen die Leute Schlange … etwas Verzweiflung macht sich bei mir breit, doch Alex versucht online zu buchen … HP leider abgestürzt! Oder doch Gottseidank, denn während sich Gerlinde und Verena beim Ticketschalter anstellen, fahren Alex und ich auf Erkundungstour nach Birkenau! Und das bringt Entspannung der Lage … gut und frei zugänglich.

Alex findet per Handy auch heraus, dass für das KZ-Museum nur noch wenig Tickets mit Führung verfügbar sind. So nehmen die Damen Tickets für den freien Zugang um 16 Uhr (so was gibt’s auch!) -> die kosten gar nix und wir haben für den Rest genügend Zeit!

Der „Rest“ ist zuerst mal Schutz vor der Hitze und Stärkung beim Burger bzw. Bier beim Italiener nahe dem Parkplatz. Apropos Parken – das Ticket für den ganzen Tag kostet 1 x 10,- Zlt (also 2,50 €) und man kann sooft aus- und einfahren wie nötig. Von 14 bis 15 Uhr wandern wir durch Birkenau mit dem fotogenen Bahnportal und vielen Schon durch die unglaublichen Dimensionen alles sehr authentisch und bedrückend!

Nach weiterer Abkühlung mit Eis und Bier geht es auch schon ins KZ, denn wir gehören zur 1. Charge um 16 Uhr - der Sicherheitscheck am Eingang erinnert allerdings an Flughafen. Der Kurzbesuch im ehem. KZ („Arbeit macht frei“) ist genau richtig und nach dem heißen Tag gut getimet … das berühmte Tor, einige Baracken plus Krematorium … besser Gasöfen – wir kennen alles von 2011 und für die Jungen ist es ein rascher, ausreichender Einblick in die Greueltaten der Nazis.

Zurück geht es nach günstigem Tankstopp und absolviertem ersten Highlight nun schon recht relaxed auf einer gut gewählten Nebenstraße in weniger als einer Stunde. Und den Höhepunkt der Entspannung gibt’s an der Einfahrt Krakau, wo wir ausgezeichnet polnisch speisen: Piroggen in verschiedenen Variationen – und günstig: Suppe, Piroggen, 6 Bier um Zlt 106,- rd. 30,- € mit gutem Trinkgeld!

Am Abend verkürzt sich das Absitzen vor dem Wohnwagen, denn pünktlich trifft die Regenfront samt Abkühlung ein … ist uns aber egal, morgen geht’s weiter.

In der Nacht regnet es weiter und wie prognostiziert wird der Donnerstag regnerisch und sehr stürmisch, was uns beim Fahren einigermaßen stört. Dazu kommt sehr starker Verkehr um Krakau sowie auf der Route Richtung Warschau – so kommen wir vorerst nur langsam voran! Für die ersten 100 km benötigen wir fast 2 Stunden, dann wird’s langsam besser und Richtung Großstadt gibt’s schon einige Autobahnstücke. Den Trip durch die Hauptstadt wagen wir trotzdem nicht, denn wir sind durch die Erlebnisse der Vorjahre gewarnt.

Bei Grojec wählen wir die großräumige Ausweichroute auf der „50“er, die leider auch viele Lkw-Fahrer kennen. Die sind aber weniger ein Problem, weil sie sehr zügig dahinbrausen, als vielmehr die erhöhte Bautätigkeit.

Bei Hälfte der Strecke gibt’s Fahrerwechsel, Alex übernimmt das Steuer und schön langsam sind wir auch durch die Regenfront.

Nach 2 Stunden haben wir Warschau umrundet und den „Verkehrs-Super-Gau“ hinter uns … Stau gibt es aber immer wieder wegen Baustellen oder Kreisverkehr, Ampeln oder … Linksabbieger!!!

Im Soge der Lkws geht es bald flott voran und bei Zambrov biegen wir von der Hauptroute (über Bialystok nach Weißrussland) übers Land ab … Verkehr optimal und noch vor 19 h haben wir das (voraussichtlich härteste) Stück der Reise geschafft. Unser Ziel Suwalki, nahe der litauischen Grenze, beschert uns einen recht neuen und schönen Campingplatz direkt am Fußballstadion als Quartier und eine nette Altstadt, wo wir nach kurzem Einkauf auch gemütlich Abendessen und ein paar Bierchen trinken … ein sehr gelungener Abschluss eines erwarteten, anstrengenden Reisetages in nettem Bier-Pub mit viel Action!

Auch das Wetter hat aufgeklart und der Wind legt sich langsam … wir sind sehr müde und schlafen ausgezeichnet und relaxed … nun sind es nur noch überschaubare 750 km bis Tallinn und Fähre, dir für Sonntag gebucht ist.

Bei sonnigem Wetter gibt es Frühstück im Freien und laut Prognose soll es bis Sonntag immer stabiler werden … gut für die Fährfahrt nach Helsinki. Die Prognose für die kommende Zeit ist ebenso gut und mit richtiger Aufbruchsstimmung, die mich erfasst hat und die ich weiterzugeben versuche, geht es nordwärts nach Litauen.

An der Grenze ändert sich die Zeitzone (Osteuropäische Zeit mit + 1 Stunde) und so ist es Mittag, als wir Kaunas passieren. Unser Ziel für heute ist die Ostsee nördlich von Riga, um erstmals den Sonnenuntergang genießen zu können.

Am Weg dorthin machen wir bei Siauliai den uns schon bekannten Abstecher zum „Berg der Kreuze“ … immer wieder eindrucksvoll und auch bedrückend – fast mehr als Auschwitz!! Gerlinde und ich sind schon zum 3. Mal hier, doch die mystische und teilweise bedrückende Stimmung nimmt uns wieder gefangenen … Millionen und Abermillionen Kreuze scharen sich in allen erdenklichen Größen über mehrere größere Hügel und machen das Monument zu einem außergewöhnlichen Ort … auch wenn man religiös nichts am Hut hat!

Alex übernimmt heute die gesamte Tagesetappe (ca. 530 km) und befindet sich ebenso mehr und mehr im „Urlaubsreisemodus“. Dass das nach überstandenen Staus rund um Riga (Baustellen und Ampeln) Spuren hinterlässt, sehen wir knapp vor dem Etappenziel Tuja, als der Autoradio komische Geräusche von sich gibt. Alex bleibt sofort stehen und umkreist bzw. untersucht das Auto … dabei hatte sich nur der Stecker vom mp3-Player gelöst!

Aber bald landen wir glücklich in unserem „Lieblingscamp“ in Tuja an der Ostsee bzw. in der Rigaer Bucht! Als wir auch wieder unser Lieblingsplatzerl etwas abseits ansteuern, erkennt uns der junge Campbetreiber wieder … wir waren 2015 und 2016 auch schon hier … für uns absolut ungewöhnlich, weil wir nicht gerne an Orte zurückkehren, die wir kennen! Das gibt meist Enttäuschung und falsche Hoffnungen – hier scheint das aber anders zu sein.

So laufen Ankommen und Campaufbau wirklich cool und relaxed ab, bald machen wir es uns auch ob der Aussicht auf Ostsee und Sandstrand gemütlich und nach Abendessen (v.a. Fisch um 10,- €) im Strandrestaurant gibt’s den schon obligatorischen herrlichen Sonnenuntergang – welcome an der Ostsee!

Am Samstag starten wir zeitig zur letzten Etappe bis Tallinn und beziehen nach flotter, gemütlicher Fahrt Camp im alt bekannten und lieb gewonnenen Hafencamp von Pirita. Alle sind einigermaßen müde und geschlaucht, trotzdem unternehmen wir am Nachmittag einen Besuch der Altstadt von Tallinn … mit Besteigung des Kirchturmes … eine anstrengende und schweißtreibende Angelegenheit! Dafür gibt’s aber tollen Ausblick auf die City und die Bucht.

Nach Stärkung und Altstadtbummel füllen wir unsere Vorräte für den weiteren Trip nach Norden inkl. Sprit auf … das Preisniveau wird sich steigern je weiter nördlich wir kommen werden!

Zum Abschluss des 1. Teils unserer Anreise wartet noch einmal ein toller Sonnenuntergang im Jachthafen auf uns, ehe es gegen 22,30 h ins Bett geht … morgen heißt es früh raus, denn die Fähre fährt um 8 Uhr!

Fahrimpressionen durch die Slowakei und Polen - unten: Bilderslideshow (zum Anklicken)

 

1.500 km Finnland pur

ANKUNFT IN FINNLAND, RELAX & DER WEG NACH NORDEN

Mit Überfahrt per Fähre von Tallinn nach Helsinki beginnt nicht nur das Nordlandabenteuer so richtig, es ist auch das Ankommen in einer anderen Welt … Skandinavien halt. Und weil wir bisher optimal vorangekommen sind, können wir uns auch mal einen Tag Pause gönnen, den wir an der herrlichen Ostseeküste nördlich von Turku genießen. Denn dann beginnt der „lange Trip“ in den hohen Norden und es warten rund 1500 km bis zum Endziel Lofoten auf uns, wobei die ausgezeichnete Wetterprognose für den Nordatlantik unser Tempo erheblich steigert …

Um 6 Uhr ist Tagwache im Hafencamp von Pirita und um 6,45 h starten wir zum Ferry Terminal in Tallinn, wobei es sich von Vorteil zeigt, dass wir am Vortag die Zufahrt bereits erkundet haben … wir sind bislang noch niemals mit „Viking Line“ gefahren. Die frühe Fährbuchung im Februar zeigt auch ihre Vorteile, weil uns das Ticket für Gefährt plus 4 Erwachsene nur rd. 180,- € kostet!

Im Hafen läuft alles rasch und problemlos ab … wir haben alle Daten bereits online eingegeben … Zufahrt, Check-In in wenigen Sekunden, Einfahrt als einer der Ersten und ab aufs Oberdeck – strahlender Sonnenschein erwartet uns!

Überpünktlich vor 8 h legen wir ab und drehen uns auch schon aus dem Hafen mit tollem Blick zurück – bye, bye Estland. Finnland wir kommen!

Diesmal haben wir nach dem Missgeschick vom Vorjahr alle Anschlüsse zur Autobatterie gekappt, damit die Ausfahrt nicht wieder zum Horrortrip wird. Stattdessen serviere ich Kaffee und Croissants am Oberdeck …

Nach 2 knapp Stunden sind wir an der Nordseite des Finnischen Meerbusens gelandet und umso eindrucksvoller wird die enge Hafeneinfahrt in die Schären von Helsinki, da die Viking Line weiter östlich als die übrigen Linien einfährt und wir nahe am Stadtzentrum anlegen. Das bringt zusätzlich auch gleich noch eine kleine „Stadtbesichtigung“ für Alex und Verena, weil wir die Uferpromenade über Markt und Hafen entlangfahren – tolles Erlebnis mit Kopfsteinpflaster!?!

Bei herrlichem Wetter und angenehmen 23°C kommen wir in Finnland an und von Helsinki geht es flott per Autobahn bis Turku. In einer weiteren Stunde gelangen wir wieder an die Ostsee bei Uusikaupunki – zudeutsch: Neustadt.

Das Vorhaben hierher zu fahren war einerseits vom Gedanken beeinflusst, mit Alex und Verena nochmals die unglaubliche Holzkirche von Pyhämaa zu besuchen, andererseits hat es uns offenbar auch der ungewöhnlich klingende Name der Stadt angetan … Uusikaupunki. Auch das Camp etwas abseits in den Schären gefällt uns … und wir wollen v.a. einmal einen Tag richtig ausspannen, ehe der Trip in den hohen Norden beginnt.

Weil wir 2 Nächte bleiben, bauen wir erstmals auch das Vorzelt auf und genießen die Ruhe am campeigenen Sandstrand … baden fällt aus, weil wir zu müde sind. Dafür ist es am Wohnwagen gemütlich, ehe es in der Nacht etwas zuzieht.

Der Montag wird zum Relaxtag erklärt und nach teilweise mehr als 10 Stunden Schlaf geht es uns allen schon besser. Es liegen doch anstrengende 2.500 km hinter uns und auch das aufkommende Schönwetter nach Durchzug einer Regenfront bringt neue Energie. Was uns aber wirklich motiviert – obwohl keine zusätzliche Motivation nötig wäre – die Wetterprognose ab Freitag für Lofoten und Vesteralen: dauerhaftes Schönwetter (in unserer eigenen Fachsprache „Lofotenwetter“) ist angesagt ..!?! Das gibt uns für die fehlenden 1.600 km dorthin Power ohne Ende.

Am Nachmittag beschließen wir eine kleine Runde über die Halbinsel zu drehen, wo die tolle Holzkirche liegt, deren bemalte Innenwände wir schon 2016 bewundert hatten. Diesmal ist die Kirche bereits geöffnet – im Vorjahr hatten wir ja Glück, dass der Messner gerade vorbeigekommen war …

Im kleinen idyllischen Hafen von Pyhämaa samt Sandstrand nehmen wir ein kleines Picknick ein, wandern zu einer Windmühle und steuern dann die Hafenpromenade von Uusikaupunki an, wo wir fürs Abendessen einkaufen – es gibt selbst gemachte „Spezialburger“ a la A+V. Und beim „Alko“ finden wir Whisky und finnischen Schnaps … fürs „Magerl“.

Das Abendessen macht uns zwar müde, aber wir absolvieren eine erste Fotobearbeitungstour und senden einige erste Eindrücke in die Heimat.

Wieder voll motiviert sind wir dann nach 22 h beim wirklich eindrucksvollen Sonnenuntergang am kleinen Strandsteg vor unserem Wohnwagen … viel Spaß mit Posieren und idyllischer Schärenlandschaft – unsere Akkus sind für den kommenden, intensiven Abschnitt nordwärts wieder bestens aufgefüllt und die Motivation für die noch fehlenden Km bis zum Endziel Lofoten vorhanden … und ab jetzt bleibt‘s hell am Himmel! (Anm. aus dem Reisetagebuch: „Jetzt sind wir schon fast eine Woche unterwegs – und es gibt immer noch keine gesalzene Butter!“

Auch wenn wir uns keinen Stress machen – wenn wieder eine intensive Fahrstrecke ansteht, sind wir früh auf den Beinen. Schon um 9,30 h geht es nordwärts am Highway E8 Richtung Vaasa. Es geht zügig voran – kein Vergleich mit Polen – beim finnischen Normalverkehr geht es viel schneller als bisher und bei herrlichem Wetter erreichen wir in knapp 4 Stunden Vaasa, wo es kleines Shopping, Tanken und Fahrerwechsel gibt.

Der Plan für heute, ein Camp nördlich von Vaasa zu suchen, ist spätestens hinfällig, als sich die Wetterprognose bewahrheitet und sich das Wetter umso mehr zuzieht, je näher wir Oulu kommen. Alles eine Frage der Motivation – die Fahrer sind gut drauf, nach einer Pizza-Pause ist die Stimmung im Fonds ebenfalls ausgezeichnet und im ersten Regen vor Oulu beschließen wir, bis zum finnischen Polarkreis zu fahren! Da die Camps dort sehr lange offen haben bzw. die Zufahrt immer möglich ist, ist das kein Problem … am „Ende der Ostsee“ an der finnisch-schwedischen Grenze bei Tornio/Haparanda reißt es auch wieder auf.

Bevor wir ins Torne-Tal abbiegen, wird nochmals günstig der Tank gefüllt (1,21 €) und im Spezialshop daneben finden wir einige nützliche Dinge, u.a. einen Keil für den Wohnwagen!?! (Anm.: nach 19 Jahren!)

Nach einer weiteren Stunde sind wir knapp vor dem Polarkreis und wir überlassen Verena die Auswahl des Campingplatzes … sie führt uns zu einem kleinen, idyllischen Fischercamp direkt am Torneälven – alt, aber nett, v.a. die Herren, die uns an der Rezeption begrüßen.

Auch sonst ist alles ok., lediglich die Moskitos verhindern das Sitzen im Freien. So gibt’s eine erste „Mitternachtsjause“ im Campheim, wo sich die Kühlschränke vor Fischen biegen. Trotz „Bierdusche“ und langer Fahrt ist die Stimmung gut – ein wichtiger Teil ist geschafft. Jetzt fehlt nur noch eine Etappe bis Norwegen … um 1 Uhr begeben wir uns zu einer ersten „hellen Nachtruhe“ – wenigstens ist der Himmel eingetrübt.

Insgesamt verwundert es also wenig, dass der Start am kommenden Morgen zäh verläuft und ein Großteil des Frühstücks auf den nahen „Polarkreis“ verlegt wird, wo wir nach 5 Minuten Fahrzeit eintreffen …

Es ist so etwas wie Euphorie spürbar, diese „imaginäre Linie des Lichtes“ zu überschreiten. Und auf jeden Fall so euphorisch, dass es mit Fotoshooting, Video, Einkäufen, Jause und Post in die Heimat rund 1,5 Stunden dauert, ehe es weitergeht … oder auch nicht.

Diese Zeit hat genügt, dass – weil keiner daran gedacht hat, den Kühlschrank im Auto und im Wohnwagen abzuhängen – die Autobatterie sich weigert, den Motor zu starten! Wir haben allerdings vom Vorjahr schon Routine – Wohnwagen abhängen und Auto anschieben … alles ok., die Batterie hat jetzt einige Stunden Zeit sich wieder aufzuladen!

In Muonio gibt’s Mittagessen mit finnischen Palatschinken und bald darauf erkunden wir eine Rentierfarm … kurz zuvor haben wir beim Caddy 100.000 km erreicht (Erinnerungen an 2001 mit Sharan!).

Der Rest im Zeitraffer: Fahrt durch lappländische Tundra und unendliche Weiten, Fotoshooting, teilweise Baustellen, zahllose Seen, Rentier auf der Straße, letztes Tanken vor der Grenze und bei Kilpisjärvi steigt die Straße zu einem Sattel an, wo die Grenze nach Norwegen erreicht wird. Von hier fallen die Straße und auch die Wassermassen steil ins Tal, wo wir bei Skibotn das Meer erreichen und Camp direkt zwischen Meer und Straße beziehen … einfach und idyllisch! Den Rest bildet Ankunftsfreude mit Fotoshooting bei aufklarendem Wetter sowie gutem Abendessen im Wohnwagen … es hat Richtung 10°C abgekühlt – kein Wunder bei den zahlreichen Schneefeldern im Gebirge um den Lyngenfjord.

Aber das Positive ist: wir haben einen Tag gegenüber unserer ursprünglichen Planung gewonnen … und ich bleibe hartnäckig: Ziel für morgen sind die Vesteralen, wo wir mal einige Zeit verbringen wollen! Und Alex wird im Internet fündig – Camp an der Nordküste bei Sortland gefunden, das recht zentral gelegen ist und gute Bewertungen hat … inkl. bester Wetterprognose natürlich.

Mit Blick Richtung Norden … wo die Sonne nicht untergeht

 
AUF UNBEKANNTEN WEGEN IN DEN VESTERALEN

Ein Online-Blick auf Wetterkarte sowie Zeittabelle der Sonnenscheindauer zeigt uns den Weg zum ersten Ziel im Nordland – nicht die südlicher gelegenen Lofoten, sondern der nördliche Teil des Inselbogens im Atlantik - die Vesteralen - mit offenem Ausblick Richtung Norden bieten uns noch jenes Spektakel, für das wir hauptsächlich den weiten Weg auf uns genommen haben: die Mitternachtssonne … jene Phase, in der die Sonne nicht am Horizont verschwindet. Und so wird die Insel Langöya unser erster Standort zur Erkundung einer Welt, die ihresgleichen sucht … Fjorde, Sandstrände, abgelegene Fischerorte, Licht und Fotomotive bis zum Abwinken.

Fahrt von Skibotn über Sortland auf die Vestaeralen

Nachdem mit Ankunft am Nordatlantik auch eine prognostizierte Wetterbesserung eintritt, haben wir schon am Vorabend beschlossen, auch die letzte Etappe zu den Lofoten rasch zu bewältigen … und dann endlich mal wirklich abzuhängen und über mehrere Tage an einem Standort zu verweilen. So geht’s am Donnerstag bald los, nachdem wir es uns diesmal einfach machen und das Frühstück ins nahe gelegene Cafe verlegt haben.

Wir sind im tief eingeschnittenen Lyngenfjord östlich von Tromsö angekommen, Schnee liegt so tief wie schon lange nicht und mit jedem Kilometer bessert sich das Wetter – laut Prognose soll es ab Freitag echtes „Lofotenwetter“ mit viel Sonne geben – Sonnenscheindauer in Andenes: 24 Stunden! Allerdings nur noch für rund 4 bis 5 Tage, da das Jahr bereits weit fortgeschritten ist und das Phänomen der Mitternachtssonne hier gegen 25. Juli endet … für uns der Hauptgrund vorerst hier im Norden zu bleiben und eine Region zu erkunden, die bislang abseits unserer Touren geblieben ist. Lediglich 2000 war ich mit den „Buffi Buam“ in der Nähe von Andenes – zum „Whale watching“ … Sonne pur inkl., denn damals waren wir um den 15. Juli hier.

Bei einer Einkaufspause in Bardufoss wird gebunkert, nur „Minibank“ finden wir keine für „Kronen“ (NOK). Wir sehen, wie unwichtig Bargeld ist …

Alex fährt, Verena sitzt vorne und in einer „Unachtsamkeitsphase“ biegt er beim ersten Hinweis Richtung Harstad ab … leider zu früh! Es geht auf absoluter Nebenstraße auf einer Fjordroute entlang des Nordrandes des Gebirges Richtung Lofoten … Ausblicke super – Straße nicht! Was im Normalfall mächtiges Fotoshooting bringen würde, ist in Anbetracht des Gefährtes mit Wohnwagen etwas nervenzehrend!

Nach 30 km höllischer Route („Dauerbaustelle“!) mit Schotter-Schlagloch-Mix haben wir in Grovfjord die Wahl eines Rückweges zur Hauptstraße, wir bleiben aber „konsequent“ auf unserer gewählten Route (ein Blick meinerseits auf die Landkarte zeigt, dass es auch ein Riesenumweg ist!) und auf viel besser werdender Straße erreichen wir dann die „Tjeldsundbrua“ – Lofoten welcome!

Bei 12°C und ersten Sonnenstrahlen steigen Stimmung und Motivation, das Ziel bald erreichen zu können. Nachdem wir auf bekannt abenteuerlicher Route (seit 1997!) die Brücke bei Sortland erreichen und im Zentrum nahe der Hurtigruten-Station endlich auch einen Bankomat finden, sind es nur mehr 40 km, ehe wir im Camp Oppmyre im Steinlandsfjord nahe dem Städtchen Myre landen. Ein wahrer Glücksfall …das Camp ist toll und erst im Vorjahr renoviert worden. Wir finden ein Platzerl direkt am Fjord … sogar der direkt vor dem Vorzelt stehende Strauch findet optimale Verwendung.

Eines ist sofort klar: wir sind angekommen! Der Rest ist fast schon kitschig … Stimmung ausgelassen, fast euphorisch. Alex und Verena bauen nahe dem Wasser ihr Zelt mit Meerblick auf und die Sonne beginnt gegen Abend ihre „Lichtspiele“!

Und die „Nachtruhe“ wird zur Bewährungsprobe, denn Dunkelheit wird es in den kommenden 10 bis 12 Tagen keine geben … im Gegenteil! Aber für heute sind wir zu geschlaucht um uns den mitternächtlichen Lichtspielen hinzugeben – es bleibt in den kommenden Tagen und Nächten noch genügend Zeit und Gelegenheit!?!

Der Freitag, wo wir ursprünglich erst in Norwegen ankommen wollten, wird ein Tag zum „Ausspannen“ bzw. „Ankommen“. Der gehoffte „Abstand“ unserer Privatsphären, indem A+V von nun an des Nächstens im Zelt wohnen werden, ist nach rund 4 Stunden vorbei – plötzlich liegen sie wieder im Wohnwagen, weil es im Zelt „zu hell“ ist, um richtig schlafen zu können. Auch spazieren laufend Schafe vor dem Zelt vorbei, die ständig Glockengeräusche machen …!?!

Der Tag wird angenehm, das Wetter hat völlig aufgeklart und nach allerlei Tätigkeiten rund um den Wohnwagen fahren wir am Abend los zur „Sonnentour“. Ziel ist Stö am Ende der nordgerichteten Halbinsel, wo wir herrliche Sonnenstunden mit Wandern und intensivem Fotoshooting verbringen, ehe wir gegen Mitternacht von A+V bekocht werden … in der campeigenen Küche gibt’s Tortillas a la Alex, dazu ausgezeichnetes „Mack Bayer“ (dunkles Bier aus der nördlichsten Brauerei der Welt in Tromsö) und „Sonnenuntergang“ im Fjord – sie verschwindet nur für uns am Horizont, weil ein kleiner Bergrücken die totale Mitternachtssonne verhindert.

Am Samstag kommt die „Lofoten-Tour“ so richtig ins Laufen … obwohl wir uns ja der Richtigkeit halber auf den Vesteralen befinden … diese Unterscheidung ist aber nur für geografische Freaks und Spezialisten von Bedeutung. Die Idee dazu war – wie bereits erwähnt – von Alex gekommen … wir taten damit aber gut, denn hier sollte voraussichtlich die Sonne noch bis 23.7. (in Andenes lt. Wikipedia) zu sehen sein.

Dementsprechend „ausgebucht“ sind die Plätze mit direktem, offenen Nordblick! Das Wetter ist großartig mit angenehmen Temperaturen um die 20°C und mit 15° bis 16°C am offenen Nord-Atlantik.

Auch wir beschließen, den Tag richtig zu nützen und trotz Müdigkeit fahren wir eine unglaubliche 200-km-Runde um die Insel. Zuerst müssen wir aber, weil ich diesmal bei Einkauf von „spirituellen Getränken“ (Whisky, Becherovka, Pastis) total versagt habe, im „Vinmonopolet“ unseren Jamesson-Vorrat ergänzen, ehe es an die Ostküste von Langöya geht (1 l um NOK 500,- … ca. 55,- €!) – tagszuvor hatten wir schon – für norwegische Verhältnisse unglaublich günstig – um 12,87 NOK getankt (!!!) – das sind umgerechnet 1,38 € … wenn wir an frühere Reisen denken, sind das wahre Fantasiepreise … nach unten!

Bei Alsväg treffen wir beim Picknick 2 Linzer mit Wohnmobil, die seit Tagen in der Wildnis unterwegs sind und gute Tipps parat haben … u.a. einen Besuch in Nyksund – dazu aber später.

Am Nachmittag umrunden wir den NW-Teil der Insel mit Kirche, Tunnel und unglaublichen Stränden bei Hovden. Und am Abend kommen wir wieder über Myre, dem Standort unseres Camps, einem Tipp der Linzer folgend, auf guter Schotterstraße in die kleine, idyllische Bucht von Nyksund.

Schon die abenteuerliche Küstenstraße verheißt Erwartungsvolles und am Ende wartet ein Fischerort, der vor Jahren von den Einheimischen aufgegeben worden war. Durch das Sozialprojekt einer deutschen Universität wurde das abgeschieden in einer geschützten Bucht liegende Dorf wieder bevölkert und heute haben sich wieder Einheimische angesiedelt, die von Gastronomie und Tourismus leben können … eine Erfolgsgeschichte, die man mit etwas Unternehmergeist auch für Vordernberg oder Radmer umsetzen könnte.

Auch wir essen ausgezeichnet und „norwegisch-preisneutral“ zu Abend … 1 x Rentiergulasch für Verena und 3 x Fisch mit Kartoffeln für uns. Inkl. 3 Bier, Tee und Kakao macht die Rechnung schließlich 1110,- NOK aus … umgerechnet 119,- €! Das ist Norwegen. Bisher hatten wir eher sparsam gelebt und das Geldbörsel wenig belastet, weil unsere Vorräte aus Österreich noch optimal vorhanden sind. Lediglich den täglichen Bedarf – Milch, Brot, Eier, Kaffee, Joghurt, Obst etc. und natürlich gesalzene Butter und Fisch! – kaufen wir ein. Dazu ein paar norwegische Biere (z.B. Mack Bayer im 6-er-Tragerl um rund 200,- NOK, also ca. 3,50 € pro Dose) … und wie gesagt, den Whisky, weil ich in Österreich einfach so schlecht drauf war und nicht an Spirituosen gedacht habe … oder denken wollte!?

Aber grundsätzlich geht es v.a. mir und - ich glaube auch – Gerlinde von Tag zu Tag besser … der Stress (Burnout!?!) muss ja endlich abfallen … die Linzerin hat am Nachmittag einen tollen Spruch losgelassen: „Hier im Norden fühlt man sich wie eine Solarzelle – man ist ständig am Aufladen!“ Wie wahr.

Im Oppmyre-Camp kommen wir nach dem lichtintensiven und anstrengenden Tag gegen ½ 11 h so geschlaucht an, dass das mitternächtliche Sonnenlicht-Schauen diesmal nicht bis Mitternacht dauert … da schlafen alle schon tief und fest … und merken deshalb auch nicht, dass über Nacht – die hier ja keine ist … der Wind auf Süd gedreht hat – ein untrügliches Zeichen dafür, dass in den kommenden Tagen „Lofotenwetter“ mit Sonne pur angesagt ist … einfach kitschig und unglaublich!

Mit anderen Worten: der wirkliche Lohn für die Mühen von 4.000 km Anreise!

Unsere „Nachtruhe“ dauert bis zu 12 Stunden (Verena …) und es ist so richtig ein „Loslassen“ von aller europäischer Hast!

Spätestens beim „Brunch“ gegen Mittag des Sonntags hat die Urlaubsstimmung absolut eingesetzt … und mehr als eine Woche toller Tage wartet jetzt hier und auf den Lofoten, wohin wir am Montag weiterreisen, auf uns!!!

Der Sonntag bringt durch die Südströmung fast schon hochsommerliche Temperaturen, schon beim Brunch schwitzen wir und suchen Schatten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir das Miniraft auspacken und aufblasen. Gerlinde, Verena und ich unternehmen eine Hafenrunde, die sich zur Quallenjagd entwickelt, weil wir ein wahres „Monster“ (rote Feuerqualle) entdecken und jagen … viel Geschrei unbd Gelächter an Bord!

Den Abend verbringen wir im Camp – erstens weil ich meine „Reisekrise“ habe, eine Mischung aus zuviel Essen und Alkohol, zuviel Sonne, wenig Ruhepausen und eventuell auch Burnout bzw. Verkühlung beim Bootfahren … ich war doch nur mit Leiberl und Turnhose ausgestattet – na man darf halt nicht alt werden!

So schlafe ich den Rest des Tages, A+V unternehmen noch eine Runde „Mitternachtssonne“ … und morgen geht’s auf die Lofoten.

 

Und zum Höhepunkt gibt’s „Natur pur“ im Wildniscamp

LOFOTENTOUR MIT BEKANNTEN UND UNBEKANNTEN WEGEN

Ein Lofotenaufenthalt ist seit 1997 stets mit Besuch des malerischen Strandes bei Flakstad verbunden und seit unserem letzten Urlaub auch mit Abstellen des Wohnmobils für einige Zeit am malerischen Camp in den Dünen davor. Das Ganze hat ganz sicher mit dem Ambiente und dem Träumen während der dunklen Winternächte davon zu tun … dass aber das Wandeln auf alt bekannten Spuren oft Enttäuschungen bringt und den Raum für Neuentdeckungen blockiert, müssen wir diesmal zur Kenntnis nehmen. Dank des Unternehmergeistes von Alex und Verena entwickelt sich der Lofotenaufenthalt aber noch zu einem gewaltigen Highlight und Naturerlebnis.

Uttakleiv

Am Montag startet die Weiterreise zu den Lofoten … südwärts mit Ziel am Strand von Flakstad – einem Traumort, der uns viel bedeutet und von dem wir oft träumen in kalten Winternächten …

Die Fahrt verläuft spannend – zum einen weil wir unser Schlauchboot einfach aufs Autodach geschnürt haben und es ganz schön „pfeift“ (tscheppert)! Andererseits bringt auch die Fährfahrt von Melbu nach Fiskeböl auf den Lofoten ein bisschen Spannung, ob wohl genügend Platz auf der angesteuerten Abfahrt um 11,10 h ist? No problem … 501 NOK (oder 55,- €) wechseln den Besitzer – Schiff ist halb voll, auch deshalb, weil es ja auch seit Jahren die neue E10-Route über Brücken und Tunnels von Harstad/Lödingen gibt (siehe 2013).

Die Überfahrt ist relaxed und wir nähern uns den Lofoten, die wie eine „schwarze Wand“ vor uns aufstehen … das Endziel! Die Fahrt in den Süden ist flott, in Leknes wird eingekauft und in Flakstad kommen wir noch vor 15 Uhr an. Doch die Enttäuschung ist riesig – die besten Plätze an vorderster Front sind belegt! Nach kurzer Frustbewältigung suchen wir ein freies Platzerl in 2. Reihe und die Lage beruhigt sich – auch der Tatsache wegen, weil wir mit einem lustigen „Einweiser“ plaudern und die Chance bekommen, gleich am nächsten Morgen in die vorderste Front „aufzurücken“. Unser Plan lautet: sofort wenn einer der guten Plätze frei wird, dann siedeln wir um!!!

So gibt’s nach ausgezeichnetem Essen einen ausgiebigen Strandspaziergang und Rotwein in den Dünen mit Yogavorführung – apropos:  die GoPro ist im Dauereinsatz und es wird sich ein originelles „VRT“ (Video-Reise-Tagebuch) ergeben!

Nur Lagerfeuer entfällt diesmal, weil wir kein Holz am Strand finden … einfach zu sauber. Bei unserer Tour finde ich nur alte Seile, ein paar Muscheln … alles super für den Teich zuhause.

Tag 2 auf den Lofoten am Traumstrand beginnt … mit dichtem Nebel und wenig bis gar keiner Sonne! Shit happens …

Dafür kommt recht bald Bewegung in den Campingplatz und schon bald fahren die an Vorderfront platzierten Finnen und Deutschen ab … und wir siedeln in einer „Musteraktion“ unser Camp um – jetzt sind wir angekommen!!!

Zur „Feier des Tages“ gibt es nach zeltaufbau ein ausgiebiges „English Breakfast““ Inklusive „Präventivschluck Jamesson.

Dass sich der Nebel auf der Landzunge hält, stört uns gar nicht so richtig, so kommen wir endlich mal richtig zum Abspannen und zur Erledigung einiger Dinge … Übrigens – gleich hinter Ramberg scheint schon die Sonne – den ganzen Tag! Typisches Ostküstenphänomen der Lofoten – der Nordatlantik lässt grüßen. So entfallen diesmal auch Lagerfeuer und Mitternachtssonne pur – es sind nur Lücken zu entdecken. Auch gut – einfach mal ausschlafen.

Der Mittwoch beginnt ähnlich nebelig, doch zeigen sich schon mehrere Lücken am Atlantik, sodass es ab und zu ein paar Sonnenstrahlen gibt. Das Programm verläuft auch ähnlich … zuerst fahren Gerlinde und Verena zum Einkauf nach Ramberg, dann starten A+V zur Sightseeing-Tour nach ANusfjord und Borg (Wikingermuseum).

Gerlinde und ich planen mal unseren Nachhausetrip ab Montag, weil mir zuvor beim Strandspaziergang Gerlinde offenbart hat, dass sie nächste Woche so rasch und auf kürzestem Wege nach Hause will, weil Nicks Hochzeit bevorsteht (18. August)!?! Für mich ist dieses Ansinnen Schock und Perversion zugleich, denn jetzt und hier an Heimreise zu denken, ist nicht nachvollziehbar. Ich bin eigentlich von dem Vorhaben ausgegangen, die Heimreise über Norwegen oder Schweden gemütlich anzugehen, den einen oder anderen Platz unterwegs anzusteuern und zu erkunden, die Tour und Landschaft samt Relaxen zu genießen und in etwa um den 10. August in der Heimat zu sein – hätte sicher auch gereicht, denn der Stress wird früh genug kommen. Doch nachdem ich die Auswirkungen dieser Mitteilung verdaut und akzeptiert habe – ich merke, dass ich noch weit davon entfernt bin, Resistenz gegen unangenehme Mitteilungen und Ereignisse aufzubauen – einigen wir uns auf eine halbwegs flotte Route über die schwedische Ostseeküste, Falun und ohne Fährbuchungen über Mitteldeutschland nach Österreich – weil wir Köstritzer bunkern wollen! Gerlindes Plan war es ursprünglich in rund 3 bis 4 Tagen zuhause zu sein – für rund 3.500 km ein gewagter und letztlich sinnloser Plan, denn da wären wir nur im Auto gesessen und es wäre auch fraglich gewesen, ob wir das überhaupt durchhalten … wir sind nicht mehr die Jüngsten und die Erinnerungen an frühere Zeiten sind nicht mehr umsetzbar (z.B. 9.000 km Nordkap – retour in nur 11 Tagen, allerdings nur mit Sharan – ohne Wohnwagen!)

Am Abend klart das Wetter etwas auf, sodass wir wieder mal im Vorzelt sitzen können und das „hauseigene“ Lagerfeuer im Campinggrill entzünden … A+V haben übrigens bei ihrer Tour von Borg retour ein herrliches Plätzchen abseits der Hauptstraße gefunden. So planen wir für morgen einen Abstecher dorthin … und wenn dort im Wildniscamp ein Stellplatz zu finden ist, planen wir eine Nacht zu verbringen. „Preis“ 150 NOK für eine Nacht inkl. Klo und Wasser, aber ohne Strom und sonstigen Komfort.

Nach ausgiebigem Frühstück bei gleichbleibend nebelverhangenem Wetter geht’s also weiter und schon in der nächsten Bucht klart es total auf … Flakstad hat uns diesmal nicht das gewünschte Erlebnis gebracht!

Umso eindrucksvoller tut sich die Route auf, die A+V am Vortag erkundet haben. Die Straße zeigt sich in gutem, durchwegs asphaltiertem Zustand und schon die erste Sandbucht ist toll – aber auch voll von Besuchern und Campern. Also weiß Alex den Weg weiter durch einen abenteuerlichen Tunnel (880 m lang!) in die Bucht von Uttakleiv am Ende der Straße – ein echter „Insidertip“!

Und als wir für den Wohnwagen auch noch – dank einiger Parkverhandlungen mit Slowenen und Schweden – einen Superstellplatz „1. Reihe fußfrei“ und leicht erhöht über der unglaublichen Bucht ergattern, ist das Feeling phänomenal: eine unglaubliche Bucht mit Riesensandstrand und außergewöhnlichem Naturcamp tut sich auf … NOK 150 (ca. 16 €) pro Nacht – wie gesagt: inkl. Klocontainer und Wasserstelle!

Was für ein Ausblick und Ambiente – zwar ohne Strom, der Kühlschrank läuft auf Gas … aber sonst das wahre Paradies – der würdige Höhepunkt dieser Lofotentour!

Wir verbringen die kommenden 2 Tage (länger halten unsere Akkus nicht, denn Fotokameras und GoPro laufen auf Hochtouren!) ohne Plan, dafür mit umso mehr Muße und Spaß! Strandspaziergänge, Klettereinlagen, Sonnenspiele pur – sogar mit Zeitraffer (alle 5 min.) von 21,30 bis 0,30 h! Alex wirft sich in die Fluten, ich schaffe es nur bis zu den Knien …

Ein Hoppala gibt es für Verena – sie rutscht beim Fotografieren aus und Kamera und Körper schlagen etwas unsanft auf einen Felsen! Aber letztlich ist nix passiert – mehr Schock … dafür gibt’s Gin-Tonic, zuvor gibt’s ausgezeichnete Pasta mit Rotwein (aus Estland … Pata Negra!). Und gegen Mitternacht ist die Stimmung wieder unglaublich inkl. viel Spaß mit dem „Selfie-Stick“ und der GoPro.

Der 2. Tag in Uttakleiv bringt mir Zeit zum Schreiben, während die restlichen 3 zum Einkauf nach Leknes fahren … es ist einfach toll und entspannend. Nicht überraschend verzieht sich ein Großteil der Stresszustände – lange hat es gedauert. Übrigens: v.a. bei Alex ist auch eine totale Entspannung spür- und bemerkbar, seit Tagen sind Handy und Laptop kaum mehr zu sehen und die Grundstimmung ist so richtig locker und entspannt. Und Verena schlägt sich auf ihrer ersten richtigen Wohnwagentour wirklich großartig und genießt Land, Leute und Natur sichtlich … wenn man da an 2009 zurückdenkt, ist dies der große Unterschied!

Auch Nachmittag und Abend zählen zum Feinsten, das wir je auf Urlaub erlebt haben … das Highlight dabei wohl unsere Schlauchbootfahrt – zum Fischen! Ohne wirkliche Ambitionen habe ich in kürzester Zeit einen ordentlichen Fisch (Kabeljau) am Haken meiner in Estland gekauften Spielzeug-Angel“ und bringe ihn zur Oberfläche. Da wir aber so gut wie keine Ausrüstung zum Bergen haben, gibt’s Probleme beim Herausziehen. Die billige Angelrute scheint zu schwach, bricht und auch die Leine reißt! Fisch und Köder sind dahin … ein bisschen enttäuscht bin ich schon! Gottseidank ist alles per GoPro festgehalten und so legt sich die Enttäuschung über das Fehlschlagen bei einem durchaus spaßigen Vorhaben rasch.

Fotos, kleine Wanderung, Grillen und Lagerfeuer samt Sonnenspiele entschädigen uns beim langen Sonnenschau-Abend in der Bucht, die sich wie am Vortag mit zahlreichen Zelten und Campern gefüllt hat … allerdings ist der Begriff „füllen“ sehr weit hergeholt, denn die riesige Bucht samt Düne und Wiese bietet genügend Platz für alle, inkl. Schafe, die kreuz und quer durchs Wildniscamp ziehen und für optimale Rasenhöhe sorgen … ein unglaubliches Idyll, das auf Komfort und Hektik verzichtet. Bis in die späten Nachtstunden bzw. frühe Morgenstunden sind die Leute aktiv und unterwegs, Kinder baden im Atlantik, der max. 12° hat, viele – so wie ich – sitzen aber auch nur einfach so da und schauen aufs Meer und die Lichtspiele. Wie das Aufladen unserer Akkus sozusagen … diesmal bis 3 Uhr in der Früh.

Am Samstag geht es nach kurzer Nacht zurück in die „Zivilisation“ und es beginnt sozusagen der Heimweg. Der Weg führt zuerst zurück über die E10 und es bleiben uns noch 2 Tage auf den Lofoten, ehe A+V von Evenes heimfliegen und wir mit Auto und Wohnwagen über die schwedische Ostsee heimfahren werden … irgendwie freue ich mich schon richtig darauf ... !

Es wird auch wieder eine Mischung aus bereits vielfach befahrenen, bekannten Wegen und einige neuen Orten, die sich in unser umfassendes Reisetagebuch einreihen werden ... und es wird ein "Ausdauer-Ritt", wie wir ihn von früher allzugut in Erinnerung haben.

Wie verbraucht wir nach den zuletzt sehr sonnenintensiven Tagen wirklich sind, merken wir im (uns bereits von 2013 bekannten) schönen Camp in Lyngvär, das wir in einer Stunde erreichen und zum Relaxen und Kultivieren nutzen. Teilweise schlafen wir 3 bis 4 Stunden am Nachmittag und das Kurioseste aus der Wetterabteilung ist: in der Nacht soll der Regen zurückkomen … nach 10 Tagen Traumwetter!!

Einkauf in Svolvär, Essen und Fotos beschließen diese ungewöhnliche Phase …

Und die Regenfront kommt wie angekündigt – so entwickelt sich die weitere Rückreise mit Stopp, Jause und kleiner Einkaufsrunde in Svolvär zur Regentour und wir kommen flott voran. Gottseidank kennen wir die Route und Gegend von früheren Touren, denn sonst wäre es zum Weinen – no photos! Im Auto schlafen alle und über Brücken-Tunnel-Route der E10 kommen wir am Nachmittag in Evenes an, von wo aus am kommenden Tag um 6,30 Uhr der Flieger für A+V geht.

Bei der Campsuche in der Nähe, die von Zweckmäßigkeit geprägt ist, zeigt sich unsere „gute Nase“ und mit etwas Glück gelangen wir in das Camp Evenes … eigentlich ein Wohnmobilstellplatz mit allen Annehmlichkeiten … WC, Dusche sehr sauber, Platz direkt am Meer und eine Grillhütte, in der wir mit viel Spaß die letzten Stunden von A+V im Norden verbringen. Allerdings erst, nachdem ich die Heizintensität in der Hütte drossle, denn zuerst wären wir beinahe erstickt …! Nachtruhe gegen 23 Uhr … eine Umstellung auf früher ist leider nicht möglich.

Kultur, Natur, Schwedencamps und altbewährte Fahrroutine

 
HEIMREISE AUF BEKANNTEN WEGEN MIT BESUCH VON FALUN

Rund 3.500 km liegen vor uns und schon seit den ersten Skandinavienbesuchen zählt unsere Fahrqualität und Ausdauer am Steuer zu den unbestrittenen Vorteilen solch aufwendiger Touren. Und so ist es wenig überraschend, dass mit fortwährender Dauer auch alte Muster und Fähigkeiten zum Tragen kommen. Wir durchqueren Lappland im altgewohnten Stile in kürzester Zeit und die Fahrt entlang der Ostsee verläuft beschwerdefrei und flott. Da wir das Vorankommen nicht allzu einengen wollen, verzichten wir auf Fährbuchungen und Camp-Reservierungen, und eventuelle Kulturtouren machen wir vom Wetter abhängig. Die Prognosen zeigen uns aber viel Gutes … vor allem für Nord- und Mittelschweden.

Wir haben nicht besonders gut und viel geschlafen und nach der notgedrungen kurzen Abschlussnacht geht’s am Montag früh raus, kurz nach 5 Uhr liefern wir die Jugend am Flughafen ab … nur mit Handgepäck kostet der Flug über Oslo nach Wien 160,- € - ein Schnäppchen! Anm.: Es ist der Geschäftsflieger nach Oslo.

Wir fahren zurück ins Camp, packen gemütlich zusammen und nach ausgiebigem Frühstück geht es los Richtung Schweden. Plan haben wir kaum, lediglich die Richtung haben wir im Auge, die Zeit weniger – wir wollen so weit fahren, wie wir können … nach der kurzen und durchwachsenen Schlafphase wohl eher problematisch!

Gegen 6,45 h hören wir den Flieger starten, wegen des Nebels bleibt uns ein Blick verwehrt – bald darauf fahren auch wir los … 3.500 km warten auf uns!

Und wie schon so oft in der Vergangenheit wächst die „Reiselust“ mit jedem gefahrenen Kilometer. Zuvor erleben wir eine wahre Sensation: Diesel um 11,70 NOK (1,30 €) je Liter im hohen Norden – unglaublich!

Schon kurz nach 8 Uhr morgens sind wir in Schweden … hier ist die Breite Norwegens sehr gering … wir haben uns für die Route über Abisko und Lappland entschieden, wo uns die vermutlich frequentierteste Hauptstraße E10 erwartet!

Doch diese „Hauptstraße“ zeigt sich schon bald für rund 15 km als „Horrorbaustelle“, für die wir 30 Minuten benötigen und ob der Löcher und Steine um unser Gefährt bangen. Doch alles geht gut und das bewirkt offensichtlich auch einen Adrenalinstoß, der uns unwiderstehlich vorantreibt und flotten Weges an die Ostsee bringt.

Schon die Fahrt von Narvik ins Gebirge lässt unser Herz höher schlagen – eine unglaubliche Fels-Wasser-Landschaft, dazwischen Schneefelder (die heuer so tief wie schon lange nicht erlebt liegen) und Lappland pur! Nach der Grenze gibt’s tollen Ausblick auf den Abisko-See samt Lapporten und ständig begleitet von der Erzbahn kommen wir nach Kiruna und Gällivare.

In einem rund 7-stündigen Trip queren wir Lappland auf der Route Kiruna – Töre und passieren den Polarkreis wieder auf einer uns neuen Route bei Överkalix … die insgesamt 9. von 12 gängigen Straßenrouten in Norwegen, Schweden und Finnland! Pause mit Fotoshooting inkl.

Zuvor gibt‘s eine kleine Stadtrunde in Kiruna auf der Suche nach einem Bankomat, Rentiere, die die Straße queren, eine Rast beim Samenzelt sowie noch einige kleine Baustellen … und sehr viel Gegend unter dem alt bekannten Motto: Da ist es weit und breit! 

Und es zeigt sich schon wieder das alte Phänomen, dass wir wirklich in der Lage sind, lange Fahrstrecken ohne Probleme zu absolvieren – und das trotz des schlechten Starts heute Morgen. Knapp 700 km werden es in rund 11 Stunden Gesamtfahrzeit … und auch das „nur“, weil wir an der schwedischen Ostseeküste früh beschließen, noch den schönen Abend in einem der bekannt netten Camps am Meer zu genießen.

Ach ja, das Wetter – es hat sich wie angekündigt wieder gebessert … und die schwedischen Camps bewegen sich qualitativ in einer eigenen Kategorie in puncto Lage und Service – doch noch Urlaub.

Nach der ausgiebigen 1. Etappe steht kurz die Idee im Raum, noch einen Tag an der Ostsee auszuspannen – doch Gerlinde möchte wegen der bevorstehenden Hochzeit von Nick so schnell wie möglich nach Hause … also weiter!

Es entwickelt sich einer dieser Fahrtage mit spontaner Abwechslung unterwegs. Zum Beispiel eine ungewollte Tankpause wegen des starken Gegenwindes (bringt südliches Schönwetter!) mit günstigem Sprit und roten Schlapfen für Gerlinde.

„Günstig“ ist zwar in Schweden relativ – aber gegenüber den Urlauben in den 80er- und 90er-jahren hat sich das Preisniveau erheblich an die EU angepasst. So kann man inzwischen zu vernünftigen Preisen nicht nur tanken, sondern auch Bier und Wein einkaufen … Wein brauchten wir keinen, nachdem wir in Österreich und Estland (die praktischen 3-l-Packungen) gebunkert hatten. Aber schwedisches „Leicht-Bier“ (bis 3,5 % Alc.) kann man inzwischen trinken …

In Umea machen wir Mittagspause in einem kleinen Einkaufscenter. Wir kaufen Knäckebrot u.a. für die Heimat, dazu gibt’s ein Riesen-Kebabmenü (€ 11,-) … und viel Energie für die Weiterfahrt.

In 5 Stunden schaffen wir die mehr als 400 km über Härnösand, Sundsvall und Hudiksvall. Bei Sundsvall geht die Route hoch über der Stadt auf neuer Mautbrücke („Citymaut“ per Abbuchung!?) über die Bucht – ein Monsterbauwerk.

In Hudiksvall starten wir einen 1. Versuch ein Camp zu finden … doch landen wir nach mühsamer Stadtdurchfahrt im bislang mit Abstand schlechtesten Camp der gesamten Reise – ein Touristenghetto abseits von Wasser und Ausblick. Und nummeriert!

Danach verweigere ich die Ausfahrt zu einem der angekündigten Camps, von denen nicht abzuschätzen ist, auf welcher Seite der Autobahn sie liegen – um letztlich an alt bekannter Stätte von 2009 zu landen: Ljusnefors an der Mündung des Flusses mit Kraftwerk und Badeplatz. Und wir kommen direkt neben einem „Monster-Womo“ a la USA zu stehen! Schrecklich … dafür erleben wir einen tollen Abend mit Bad im Fluss, ausgezeichnetem Fischessen aus der „Flussküche“ und viel Sonnenlicht …

Am Mittwoch erwartet uns ein schwedischer Sommermorgen aus dem Bilderbuch … strahlender Sonnenschein, leichte Brise und „Radio Rock“ live … ein Sender; der uns seit Ankunft an der Ostsee begleitet! (Anm.: Körperliches Wohlbefinden wird später nach Ankunft am See bei Falun nachgeholt … jetzt geht’s weiter!)

In rund 2,5 Stunden sind wir in Falun, wo wir nach einiger Suche im total idyllischen „Främby Udde Resort“ am See landen … nach gutem Essen auf unserem Stellplatz Nr. 1 am See gibt’s ausgiebige Mittagspause mit Massage und wirklicher Befriedigung …

… und am späten Nachmittag starten wir bei schönem, aber von Gewitterwolken begleitetem Wetter zur Besichtigungstour nach Falun. Zuerst hatten wir geplant, eventuell einen Tag hier zu bleiben, zu baden und abzuhängen bzw. ausgiebig die wirklich tolle Stadt zu besichtigen. Aber ein Blick auf die Wetterprognose lässt uns umplanen, denn morgen Nachmittag zieht eine große Schlechtwetterfront über Mittel- und Südschweden … also wird es besser sein, flott durchzufahren!

Noch ein Gag zuvor …schon seit Tagen verfolgt uns eine Werbeeinschaltung im Radio Rock: eine Kondomwerbung, die wir letztlich knapp vor Ankunft in Falun mit der GoPro aufnehmen!

Die Besichtigungsrunde in Falun ist geprägt von der Kupfermine („Falun-Rot“ als Abfallprodukt), dem Wintersportstadion (WM 2015) und die Altstadt, die wir erst nach mehreren Anläufen finden … alles Weltkulturerbe aus den Zeiten des Bergbaus. Unglaubliches Wohnhausambiente aus Holz in schnurgeraden, schachbrettartig angelegten Gassen … dazu die Innenstadt mit Dom und schönem Platz.

Eine mächtige Gewitterwolke lässt uns ins Camp zurückfahren – dafür gibt es zur Belohnung einen unglaublichen Doppel-Regenbogen über dem See!

Das Restprogramm in Schweden starten wir gemütlich und locker – rund 2.000 km warten noch auf uns und die Route planen wir über Malmö, die Öresundbrücke und Puttgarden, um das zeitliche Gefangensein in Abfahrzeiten von Fährbuchungen zu vermeiden. Weil wir auch noch einen Stopp (v.a. zum Einkauf von Köstritzer) im Raum Berlin / Wittenberg planen, ist es zwar mit 150 km Umweg über Lübeck verbunden, aber wir haben ja noch bis zu 4 Tage Zeit!

Von Falun bzw. Borlänge (Riesen-Ikea mit Lager) geht es auf netter Überlandroute bis Örebro, wo wir im Einkaufscenter Marieberg unseren obligatorischen Mittagsstopp machen. Stärkung und Einkauf stehen auf dem Programm und wir füllen unsere Vorräte für den Rest der Heimreise auf. Gerlinde ist etwas sauer, weil sie in diesem „Shopping-Tempel“ nicht mehr Zeit verbringen und auch Geld lassen darf … muss nicht sein!

Der weitere Weg entlang des Vätteren (zweitgrößter See Schwedens) und dann ab Husquarna auf der „Vogelfluglinie“ E4 ist bald von heftigen Regengüssen begleitet … pünktlich ist die Front da und es soll bis zum Abend im Süden wieder besser werden.

Leider erwischt uns bei der Campsuche in Orkelljunga (ca. 60 km vor Helsingborg) nochmals ein Regenguss und wir erreichen das Camp in einem Zustand, wo nur wenige Plätze halbwegs trocken sind … ist uns aber egal, ansonsten alles bestens – Dusche, WC super, WLAN perfekt … dazu gutes Essen im Wohnwagen und ausgezeichnete Bedingungen, um wieder mal die Fotos und Videos zu sichern.

Eines ist jetzt schon absehbar, dass wieder einmal ganz tolles Material vorhanden ist – ich plane diesmal ein „Videotagebuch“ mit dem Material von GoPro und Kamera.

Auch in der Nacht hat es noch einige Male geregnet und am Morgen präsentiert sich das südschwedische Wetter durchwachsen und windig. Aus einer spontanen Idee checke ich per Internet die kürzeste Route samt Fährverbindungen … und buche spontan noch eines dieser günstigen Kombi-Tickets für die Fähren von Helsingborg nach Helsingör und von Gedser nach Rostock, wo wir für die 15-Uhr-Fähre noch Tickets bekommen!

Das heißt „Gas geben“ … obwohl der Tag unlocker und teilweise problematisch beginnt: Zuerst die Unsicherheit, ob wir, weil wir am Abend etwas länger als geplant „angehängt“ blieben, keine Startprobleme haben. Ok. Dafür stottert der Motor im Standgas … ordentlich durchstarten mit 3.000 U/min. – ein Tipp von Achim Gruber … scheinbar ist es der Dieselpartikelfilter!

Dann bekomme ich keinen (günstigen) Sprit bei der „Preem“ ums Eck, weil ich meinen „Mastercard-PIN“ vergessen habe und Maestro nicht funktioniert. Doch dann geht’s flott dahin – kurzes Shopping nach Tankung vor Helsingborg und schon sind wir am Schiff nach Dänemark. Sogar Sonnenstrahlen zeigen sich bei der Ausfahrt aus Helsingborg und in rund 20 Minuten sind wir auf der anderen Seite des Öresund.

Nicht ganz 2,5 Stunden dauert die Durchquerung Dänemarks von Helsingör bis zur Fährstation Gedser, wo es auch bald per gebuchter Fähre über die Ostsee nach Rostock geht. Das Meer ist bewegt durch den starken Wind, aber Gerlinde schafft die 2 Stunden Überfahrt ohne Probleme … das gibt Hoffnung für Island!?! Und das Positivste: durch diese Abkürzung über die Ostsee haben wir fast 200 km, Geld und rund 3 Stunden Zeit gespart.

Die Einfahrt in Rostock zeigt sich sehr idyllisch, wir genießen den Ausblick auf den Strand von Warnemünde und nahe dem Fährhafen nehmen wir einige Zeit beim Anstellen an der Tankstelle in Kauf, um um 1,069 zu tanken … dann geht es flott in die Mecklenburger Seenplatte.

Entgegen unseren Erwartungen herrscht harmloser Freitagnachmittagsverkehr und in Malchow landen wir nahe der Autobahn im 1. von 4 möglichen Camps der Region … mit dem Namen „Naturcamping“. Doch das Camp ist ziemlich voll und deutsch („Ghetto-Camp“), aber alles sauber und gepflegt und wir bekommen den vorletzten freien Platz mit Stromanschluss bzw. einen von 2, den uns der Campwart empfiehlt!?!

Wir verbringen einen netten Abend in der Gaststätte mit exotisch-deutschen Schnitzelvariationen, gutem Köstritzer und einem netten gespräch mit dem Wirt … ein Bad im See bei Sonnenuntergang vergällt uns allerdings der Schaum am Ufer …!

In der Früh fällt ein weiterer wichtiger Beschluss, denn anstatt des weiteren geplanten Stopps bei Wittenberg wollen wir gleich die Heimreise (ca. 950 km) über Berlin antreten, zu tief sitzt der „Campfrust“ hier nach den herrlichen Erlebnissen im Norden.

Nach etwas holprigem Start bei der Durchfahrt durch Malchow (der Campwart hat uns das empfohlen, weil auf der nahen Autobahnausfahrt Stau herrscht!) geht es flott dahin und nach Telefonat mit Alex scheint die Route über Berlin und Prag die beste zu sein. Doch schon bald ändert sich die Lage und als wir in Nauen bei Berlin bei der „Flucht“ vor einem möglichen Stau nach Unfall von der Autobahn auch gleich einen tollen Getränkemarkt für Köstritzer und Becherovka finden, sind unsere „Einkaufstätigkeiten“ in Deutschland erledigt.

Via Google und Alex (telefonisch in der Heimat) sind wir stets auf der Suche nach der besten bzw. staufreien Route in die Heimat und, nachdem es Staumeldungen bei ursprünglich geplanter Route durch Berlin gibt, entscheiden wir uns gegen die ursprüngliche Variante über Dresden und Tschechien und für die altbewährte Strecke über Hof und Regensburg … und tun gut daran!

Zwar haben wir bei Leipzig um ca. 15 Uhr Pech, in einen sich aufbauenden Stau wegen Baustelle (von 3 auf 2 Spuren) und einem Unfall darin (von 2 auf 1 Spur) zu kommen, was uns letztlich 30 Minuten kostet, aber von dort hält sich das samstägliche Verkehrsaufkommen in Grenzen.

In rund 5 Stunden sind wir inkl. Tankstopp mit Leberkässemmerl in Mitterteich (kennen wir vom Frühjahr!) in Österreich und nur ein heftiges Gewitter ab Wels hindert uns an neuer „Rekordzeit“ bzw. einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h!

Aber alles bestens und nach einem 12-Stunden-Trip beenden wir noch vor Mitternacht unsere 8.500-km-Tour des Sommers 2017 … das war bestimmt unsere ausgiebigste Wohnwagentour in nur knapp 4 Wochen!