"roko’s reisefieber" präsentiert die größten Irrtümer aus Reiseberichten

„Siag’st as, do host’as …!“

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen! Dass dabei allerdings die eine oder andere Unwahrheit dabei ist, wird oft ignoriert. Wir gehen diesen – leider fast schon gebräuchlichen – Falschaussagen auf den Grund.

Der höchste Berg der Erde

Als höchster Berg über dem Meeresspiegel und damit als „höchster Berg der Erde“ schlechthin wird allgemein der Mount Everest (Chomolungma) bezeichnet. Der Gipfel befindet sich 8.850 m über dem Meeresspiegel und ist damit der höchste Gipfel über dem Meer. Das war’s aber auch schon mit „Spitze“.

Denn der relativ höchste Berg der Erde befindet sich im Nordosten der Insel Hawaii. Es ist der Vulkan Mauna Kea. Dessen Gipfel ragt 4205 m aus dem Meer, da allerdings das Meer rundherum fast 6000 m tief ist, misst er vom Fuß bis zum Gipfel 10.200 m.

Und das war immer noch nicht alles. Denn der in den ekuadorianischen Anden liegende Chimborazo gilt als der „absolut höchste“ Berg der Erde bzw. als der Punkt der Erdoberfläche, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist. Diese Messung resultiert aus seiner Nähe zum Äquator Dass er hierin den wesentlich höheren Mount Everest übertrifft, liegt daran, dass die Erde aufgrund der Rotation und der sich daraus ergebenden Fliehkraft keine Kugel ist, sondern ein Rotationsellipsoid, dessen Radius an den Polen kleiner und am Äquator größer ist. Nimmt man den Erdmittelpunkt als Bezugspunkt, so übertrifft der Chimborazo den Everest um etwa 2.100 Meter.

Fotoherkunft: Kilobug - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7508841

 

Bild: DLR, CC-BY 3.0

Mitternacht Kirkeporten

Der nördlichste Punkt Europas

Der nördlichste Punkt Europas liegt zweifelsohne in Norwegen und jeder der Millionen Besucher am Nordkap-Felsen fühlt sich an eben diesem Punkt. Und das hat aus touristischer Sicht auch seine Ursache, denn an diesen Ort gelangt ohne viel Aufwand per Auto oder Bus.

 

Doch leider werden wir auch zahlreiche Leser, die den beschwerlichen Weg durch Skandinavien auf sich genommen haben, enttäuschen müssen: Sie waren nicht am nördlichsten Punkt unseres Kontinents !

Denn abgesehen von der Inselgruppe Svalbard (oder: Spitzbergen) befindet sich der nördlichste (Festlands-) Punkt auf der norwegischen Halbinsel Nordkinn. Das nördliche Ende von Europas Festland heißt Kinnarodden und liegt auf 71° 08’ 01’’ nördlicher Breite. Um dorthin zu gelangen, muss eine 24 km lange Wanderung unternommen werden, die bei schlechtem Wetter nicht ohne Risiko ist. Erst im August 1989 wurde die Nordkinnhalbinsel überhaupt an das norwegische Straßennetz angeschlossen, aber am besten gelangt man hierher per Schiff, denn Kjøllefjord und Mehamn sind zwei Stationen der Hurtigrutenschiffe.

 

Das Nordkap selbst liegt zwar nördlicher (71° 10’ 21’’ nördlicher Breite), ist aber auf der Insel Magerøya gelegen. Und auch dieser Punkt ist noch nicht das Ende, denn wenige Kilometer westlich des Nordkaps liegt der Knivskjellodden - eine Landzunge, die mit 71° 11' 8" nördlicher Breite exakt 1380 m weiter nördlich als das Nordkap reicht, womit Knivskjellodden der nördlichste Punkt dieser Insel ist.

 

Dieser Punkt ist allerdings weniger spektakulär als das Nordkap, weil er im Gegensatz zu diesem nur flach zum Meer hinausragt. Und im Gegensatz zum bekannteren Nordkap ist Knivskjellodden nicht mit dem Auto erreichbar; man erreicht diese Landzunge über einen 8 Kilometer langen, gut bezeichneten Fußweg von einem ausgeschilderten Parkplatz an der Straße einige Kilometer südlich des Nordkap.

 

Der Wanderweg beginnt am Parkplatz an der E69, ca. 7 km vor Erreichen des Nordkap-Plateaus. Das Wandergebiet ist eben, aber an einigen Stellen ziemlich feucht. Nachdem Sie dem Weg, der mit roten Buchstaben (T) gekennzeichnet ist, ca. 2 ½ Stunden gefolgt sind, erreichen Sie zum Schluss Knivskjellodden ganz im Norden. Der Wanderweg zieht sich durch eine ebene Umgebung, mit einem einzigen Abstieg hinunter in eine Bucht (Knivskjellbukta) auf dem Hinweg.

 

Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden Touristen auf ihrem Weg zum Nordkap hier an Land gebracht. Und die meisten davon litten ganz bestimmt unter den zumeist widrigen Wetter- und Sichtverhältnissen, denn der Übergang von polarem Eismeer zum Golfstrom des Atlantiks bringt sehr oft dichten Nebel mit sich.

 

Wir hatten Glück, denn bei 2-maligem Besuch des Nordkaps konnten wir ebenso oft die tief stehende Sonne um Mitternacht bewundern. Unsere Wanderung zum Knivskjellodden war allerdings von dichtem Nebel begleitet.

Skarsvag
Mitterachtspanorama Kirkeporten
Knivsjellodden
Wollgräser Naturschutz
Nordkappkugel
Nordkap Wanderung
Mitternacht am Nordkapp
Knivsjellodden Wanderung
Knivsjellodden Nebel
Knivsjellodden Pause
Mageröya
Knivsjellodden Steinmänner
 

Das salzigste Gewässer der Welt

Dass das Tote Meer am Rande der judäischen Wüste zwischen Israel und Jordanien mit 417 m unter dem Meeresspiegel der am tiefsten gelegene See der Erde ist, lassen uns die Tourismuskeiler ebenso intensiv erfahren, wie die Tatsache, dass der abflusslose und rund 800 km² große Salzsee das salzigste Gewässer der Erde sei.

Einziges Problem daran – diese Behauptung ist schlichtweg falsch!

Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt bei bis zu 33 %. Zum Vergleich liegt der Salzgehalt des Mittelmeeres bei durchschnittlich 3,8 %, der Atlantik bringt es auf 3,5 % und das Rote Meer gar auf 4,0 %.

Doch noch salzhaltiger sind der Assalsee in Dschibuti mit knapp 35 %, der Kara-Bogas-Gol in Turkmenistan mit bis zu 34 % und Teile des Aralsees in Usbekistan und Kasachstan, sowie einige Seen in den antarktischen Trockentälern.

So gilt nach derzeitigem Stand der Forschung der Don-Juan-See als salzigstes Gewässer der Erde mit einem Salzgehalt von etwa 44%.

Der See wurde 1961 entdeckt und nach zwei Hubschrauber-Piloten, Lt. Don Roe und Lt. John Hickey benannt, die den Hubschrauber der ersten Untersuchung des Teichs flogen. Bei dieser ersten Untersuchung herrschten Temperaturen von minus 30 C und das Wasser war immer noch in flüssigem Zustand.

 

Fotoherkunft: NASA/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio, Landsat 7 Project Science Office; MODIS Rapid Response Team, NASA Goddard Space Flight Center (http://rapidfire.sci.gsfc.nasa.gov) - Great Zoom into Don Juan Pond, Antarctica (treatment #2), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8326071

Fotoherkunft: Wilson44691 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18790421

Wanderung zum Nordkap