ZWEIGETEILTER STAAT IM NORDEN IRLANDS

Unbekannte Wege und Spurensuche in Nordirland

 

Alles hat ein Ende, so auch unsere Zeit auf Achill Island und es beginnt sozusagen der „Rückweg“. Allerdings soll es eine Route werden, die uns zum einen wieder in unbekannte Winkel der Insel verschlagen soll, uns aber auch das eine oder andere geplante „Schmankerl“ bescheren bzw. an einen seit Jahrzehnten ins Auge gefassten Ort bringen soll und auch wird. Denn die Kilometer und auch die Zeit sind zu kostbar, um nur „urlauberisch“ durch die Gegend zu kutschieren …

 

Scherz beiseite – die weitere Tour ist in erster Linie davon bestimmt, dass wir für den Weg zurück zum Kontinent diesmal die Fährrouten über Belfast nach Schottland und weiter von Newcastle nach Amsterdam gewählt haben. Alles schon im Winter – zugegebenermaßen günstig – gebucht … allerdings sind wir deshalb auch zeitlich gebunden und legen unsere weitere Tour dementsprechend an.

Der Abschied von Achill Island fällt uns verständlicherweise gar nicht so leicht und, nachdem wir auf schmaler Straße wieder zurück auf den „Highway“ N59 gelangen, können wir bei unserer Fahrt nordwärts noch den einen oder anderen Blick zurück auf das unglaubliche Inselambiente werfen.

Die Route führt uns nun durch das ursprünglichste County des Landes – Mayo. Ländliches und bevölkerungsarmes Ambiente umfangen uns und dank des ausgezeichneten Sommerwetters bekommen wir Aussicht auf und Gefühl für diesen einsamen, aber wild romantischen Landstrich. Unendliche Weiden und Torfmoore prägen das Landschaftsbild, schnurgerade und schmale, aber großteils neue Straßen ziehen sich dahin – wir waren schon 2 Mal hier (siehe „Irland 2005“ und „Buffi-Tour Irland 1996“, hatten aber wegen miserabler Wetterbedingungen wenig Muse gehabt uns länger aufzuhalten bzw. umzusehen.

Über Bangor, wo wir im Ortszentrum parken und uns erfolgreich auf „Fahnensuche“ machen, und Ballina gelangen wir wieder zurück an die Küste bei Sligo und in den Tourismus, was sich auch im Verkehr und leider auch in den Spritkosten niederschlägt. Und auch in der Lage der Campingplätze. Schon bei der Vorplanung merkten wir, dass die Lage mit Meeresblick nicht mehr gegeben ist und dass es hier von sogenannten „Caravan- & Holiday-Parks“ wimmelt …

Wir entschließen uns bei Donegal etwas abseits zu suchen und haben in Betracht der Gesamtsituation Riesenglück, dass wir dank ACSI in einem netten, kleinen Camp in den Dünen den letzten noch freien Platz bekommen – aber „umzingelt“ von unzähligen Caravans und Mobilhomes, die hier das Landschaftsbild bestimmen. Der Grund ist einer der unglaublichsten Strände der Region – Rossnowlagh. Hier ist bei Ebbe der Strand für einige Stunden sogar mit dem Auto befahrbar, wenige Stunden später ist wieder alles überflutet. Für uns sogar etwas enttäuschend, denn wir besuchen am frühen Abend die Stadt Donegal, wo wir im Zentrum um Castle und Dreiecksplatz flanieren, und müssen bei Rückkehr entdecken, dass sich das „Strandambiente“ geändert hatte, Flut statt Ebbe … also kurze Wanderung statt „Autotour“!

Am nächsten Tag sind wir schon früh auf den Beinen, da wir in Anbetracht der Situation planen, rechtzeitig in Nordirland einen Campingplatz zu finden. Nordirland – ja, das ist eines unserer letzten großen Problemfelder des vergangenen Jahrhunderts, denn bei beiden unserer Besuche (Link to 1996, Link to 2005) waren wir mit Unruhen und auch Übergriffen und Toten in Berührung gekommen … 2 Staaten, die nicht immer gewusst hatten, warum sie nicht friedlich existieren durften. Für uns auch sowas wie ein neuer Anlauf!

Über Strabane geht es auf guter Straße zur Grenze Irland – Nordirland, die ja noch keine ist … hier im Norden haben wir durchwegs nur mit Menschen gesprochen, die mit Schrecken auf einen bevorstehenden „Brexit“ schauen.

Bei (London-)Derry haben wir wenig Zeit für einen Blick auf die in der Vergangenheit so umkämpfte Stadt, entdecken aber an einem der Kreisverkehre, die hier wie überall das Straßenbild prägen, ein „Carpet-Outlet“. Zur Vorgeschichte: wir mussten nach mehrmaligen „Joghurt-Absturz“ im Wohnwagen den Teppich entsorgen und erstanden nun in Zusammenarbeit mit einem überaus netten Verkäufer, der sich unserer annahm, ein Reststück aus dem Lager um 20,- Pounds, das wir per Schere zuschnitten und einpassten! Der junge Mann hatte seinen Bezug zu uns Österreicher durch seine Frau bekundet, die aus Kosice in der Slowakei stammt und er uns fragte, wie lange die Autoreise nach Bratislava dauere, da er im kommenden Jahr dorthin fahre.

Über Coleraine und guten Nebenstraßen gelangen wir nun zügig nach Ballycastle, wo wir nahe dem Fährhafen im „Causeway Coast Holiday Park“ landen und einen den gegebenen Umständen entsprechend schönen Standplatz finden. „Gegebenen Umständen“ bedeutet, dass man hier an der bekannten „Antrim Coast“ kaum Plätze an der Küste findet, sondern irgendwo im Landesinnern steht … wir sind hier zwar mitten in einer der monströsen Siedlungen von Mobilhomes und Caravans gelandet, doch liegt diese hoch über den Klippen und lässt zarten Ausblick aufs Meer zu bzw. auf „Fairhead“, einer bekannten Felsklippe mit Blick bis Schottland.

Und das ist auch das Stichwort für die kommenden Tage, denn wir sind hier in erster Linie gelandet, weil wir von Belfast per Fähre nach Schottland übersetzen werden. Zuvor wollen wir aber einige Highlights der Region besuchen …

Zu diesen Highlights zählen einige Plätze, die wir vom Besuch 2005 kannten – Giants Causeway – die Basaltsäulen-Halbinsel mit Blick auf Schottland (UNESCO Weltkulturerbe), davor Bushmills mit der ältesten bestehenden Whiskybrennerei der Welt (1608). Hier landen wir auch und erstehen auch einen – triple destilled – Irish Single Malt, möglicherweise das Beste, was die Whiskey-Welt zu bieten hat!

Der Besuch am „Causeway“ entfällt angesichts des Sau … pardon, Schauerwetters, zum Glück hatten wir zuvor einer anderen „neuen“ Sehenswürdigkeit einen Besuch abgestattet – „Dark Hedges“. Es handelt sich dabei um eine wirklich sehenswerte Straße mit teilweise bis zu 250 Jahr alten Buchen, die in der Serie „Games of Thrones“ verewigt wurde. Zur Erklärung – man ist dort nie allein und alles ist eine Frage des Blickwinkels, aber irgendwie atmosphäreintensiv und gefangennehmend.

Das leider sich stark eintrübende Wetter hat aber auch seine belebende Wirkung, denn wir widmen uns dabei mehr der Pubszene von Ballycastle und erleben eine bunte Mischung von Publeben, Pferderennen samt Wetten, Vorbereitung auf ein Bouleturnier, Hafenambiente, Dorfleben und ein Pub mit wirklich schmackhaften „Fish & Chips“ – O‘Connors Pub – no na!

So ist dann auch das Wetter kein Hindernis, als wir zum Belfastbesuch starten. Natürlich mit akribischer Vorbereitung, denn eigentlich handelt es sich um einen der „geplanten“ Höhepunkte der Reise … Hyndford Street!

Für weniger kundige Menschen nur so viel: Belfast ist die Heimat eines der größten Singer-Songwriter-Musiker, Van Morrison … und „125 Hyndford Street“ ist das Geburtshaus des Idols. Dank Gerlindes Handy samt Navi-App gelangen wir direkt ins Viertel, in den Van Morrison aufgewachsen ist und seine Jugend verbracht hatte, ehe er in die USA aufgebrochen ist, um Karriere zu machen …

Das ist zwar nun fast 60 Jahre her, doch die Straßen in Ost-Belfast vermitteln heute noch den Hauch jenes Arbeiterviertelflairs, das es zu den Zeiten von Van Morrison versprühte … einfaches, authentisches Leben am Rande einer Hafenstadt, die von vielen Problemen der Zeit geprägt war – nicht nur Arbeitslosigkeit und Terrorismus.

Dessen Spuren konnten wir dann in West-Belfast finden, denn eine Fahrt entlang des „Wall“ am Rande des Arbeiterghettos ist eine Spurensuche im wirklich umkämpften Teil der Stadt – Katholiken gegen Protestanten, Orange Day und IRA sind die Schlagworte aus dieser Zeit … 1996 hatten wir es ja selbst noch erlebt! Go home …

„Go home“ heißt es dann auch wirklich, denn nachdem wir auch der wirklich netten Altstadt mit vielen prächtigen Bauten inkl. „Opera House“, in dem auch Van Morrison unvergessliche Auftritte samt CD-Aufnahmen bestritt und die wie der Inbegriff einer vergangenen Welt zwischen all den Hochhäusern wirkt, einen Besuch abstatten, geht es per Stena-Fähre aus den tief eingeschnittenen Fjord Richtung Schottland … um ganz sicher wieder zu kommen! Schon zu Ehren von „Van the man“!