WESTIRLAND –

BESUCH AUF IRLANDS GRÖSSTER INSEL

Oder: At the end of the road

 

Mayo nennt sich das entlegene County an der nördlichen Westküste. Auch wir queren den kargen Landstrich um ans äußerste Ende der Insel zu gelangen und auf den Spuren von Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll zu wandeln … Achill Island heißt unser Ziel.

 

Von Athlone gelangen wir in rund 2 Stunden bis Westport und an den Atlantik. Wettermäßig wird es eine Fahrt von der anhaltenden „Trocken-Heiß-Phase“ im Innern des Landes durch eine angekündigte „Regen- & Abkühlfront“. Bei Abfahrt am Lough Ree haben wir bei Sonnenschein am Vormittag 25°C, bei Roscommon geht’s zuerst in eine „Drizzlewolke“ und kurz darauf in die Regenfront. Das Ergebnis: in Westport hat es 16°C – dafür reißt es aber schon wieder auf … wie es in unserem Fachjargon heißt. Aber eines vorweg: das Thema Wetter wird ab jetzt zur „gemiedenen Zone“ oder – wie heißts im Lotto: Alles ist möglich.

>>> MUSIKTIPP: Runrig - Faileas air an airigh

 

Bei Westport geht es über die Küste nordwärts und straßenmäßig wird es nun enger und kurviger. Gottseidank haben wir schon viele Kilometer Linksfahren mit dem Wohnwagengespann abgespult, so bereiten auch die schmalen Straßen im Nordwesten keine Schwierigkeiten … haben sie auch früher schon nicht!?!

 

Grundsätzlich sind die Iren sehr kulante und gemütliche Autofahrer und in Anbetracht des „Gespannes“ wird auch immer schön Platz gemacht … spannender ist es lediglich bei den Begegnungen mit Touristen!

 

Bei Mulranny „verirren“ wir uns zuerst auf die – wirklich schmale – Küstenroute, wir drehen aber um und fahren schließlich die „Main Road“ Richtung Achill Sound … das war sogar uns zu viel. Schon beim Hauptort „Achill Sound“, wo wir über eine imposante Brücke auf die Insel fahren, spüren wir jenes bestimmte Gefühl, das besagt: wir sind am Ziel!

 

Bei der Fahrt zu unserem geplanten Campingplatz im Dorf Keel an der Außenküste bekommen wir einen ersten Eindruck von Irlands „Außenposten im Atlantik“: unglaublich viel Natur, zahllose sandige Buchten und Strände, Torf und Schafe auf der Straße … Irland pur halt!

 

>>> VIDEOTIPP: A brief tour of Achill Island 

 

Das im ACSI-Führer beschriebene Camp liegt in den Dünen am 5 km langen Sandstrand von Keel und trägt den verheißungsvollen Namen „Sandybanks“ … bei Ankunft zeigt sich wieder die Sonne, es hat 19°C und wir buchen vorerst 2 Nächte. Zu guter Letzt finden wir auf dem riesigen, weitläufigen Areal einen tollen Platz in vorderster Reihe … das hatten wir doch schon mal: „You’re the Nr. 1“!

 

Dass es windig wird, liegt an der exponierten Lage mit Blick Richtung Nordamerika – im Nebendorf Dooagh finden wir übrigens ein Memorial zur Ruderlegende Don Allum, der 1987 in 77 Tagen von Neufundland über den Atlantik hierher in sein Heimatdorf ruderte. Wir stellen also mit aller Routine und in Abwägung der Hauptwindrichtung ab, bauen das Vorzelt auf und befestigen es den gegebenen Umständen entsprechend mehrfach … wir sind für das Abenteuer an einem der unglaublichsten Strände des Landes gerüstet.

 

Wetterprognosen sind hier am Atlantik mit Vorsicht zu genießen – zuerst entpuppt sich die Regenfront als „Schauerwolke“, dann entnehmen wir der „weather forecast“, dass Dienstag Sonnenwetter und danach „wechselhaftes Wetter“ erwartet wird … also dass sie keine Vorstellung haben … bevor am Donnerstag eine „Sturmfront“ eintreffen soll … wie gesagt, alles relativ!

 

>>> MUSIKTIPP: Achill Island - Live from "The Annex Inn"

Schon am ersten Abend kommen wir in den Genuss schnell wechselnder Verhältnisse, als es plötzlich am Abend aufklart und wir einen unglaublichen Strandspaziergang erleben. Abends ist Ebbe am Strand … Sand soweit das Auge reicht. Und er reicht bis zu steilen Klippen und grünen Bergen auf der einen Seite und den weiß leuchtenden Häusern des Dorfs Keel am anderen Ende.

 

Dazwischen viel Strand-Surf-Relax-Ambiente mit einigen zaghaften „Anwandlungen moderner Touristik“, z.B. Jahrmarkt mit Karussell, zahlreiche Kindervergnügungen und -spielaktivitäten und sogar einer „Crepe factory“, die wir sofort ausnützen … ebenso die kleinen Shops an der Dorfstraße. Es geht aber gemächlich zu, wir genießen den tollen Blick aufs Meer aus dem Wohnwagen … und sind angekommen.

 

Tag 2 wird wirklich sehr sonnig und so treibt uns die Lust alles kennenzulernen voran. Achill Island ist flächenmäßig zwar etwas größer als Trofaiach, dafür sind aber rund 87 % der Fläche mit Torfmooren bedeckt. Den Rest bewohnen lt. Wikipedia ca. 2.500 Menschen und Tausende Schafe, die sich auch immer wieder auf den Straßen aufhalten, wodurch beim Autofahren Vorsicht angesagt ist.

 

Sandstrände gibt’s – wie gesagt – jede Menge, sie werden teils zum Surfen und zum Paddeln benutzt, aber auch zum Baden, denn es ist immerhin Sommer. Auch Berge gibt es, der höchste ist fast 700 m hoch und an der Außenseite fällt die steilste Klippe Europas zum Meer ab.

 

>>> VIDEOTIPP: 7 days in Mayo

Achill ist Paradies für Radler, Wanderer, Wassersportler, aber auch Naturfreaks, Kulturfans und Literaturfreunde. Heinrich Böll heißt das Stichwort, denn der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger verlebte einige Zeit hier und schuf mit dem „Irischen Tagebuch“ eine bleibende Erinnerung an diese Tage in den 1950-er-Jahren. Letztlich kaufte er sich ein Häuschen bei Dugort und lebte mit der Familie einige Sommer hier. 1983 – also 2 Jahre vor seinem Tod – war er letztmals hier, heute ist das „Heinrich Böll Cottage“ Rückzugsort für inspirationssuchende Literaten …

>>> VIDEOTIPP: Historical Achill Island

 

In einem „Deserted Village“, das Anfang des vorigen Jahrhunderts wegen der Hungersnot verlassen wurde, kann man die Hauptproblematik der Inselbewohner erahnen. Castle, Dolmen, Steinsetzungen etc. dokumentieren die Geschichte der Insel, heute zeigt sich der Tourismus als Haupteinnahmenquelle und Chance, ohne dass Ursprünglichkeit, Gemächlichkeit und Gelassenheit verloren gehen … man spürt es immer wieder, ob beim Einkauf, im Pub, beim Strandleben und natürlich in den Gesprächen, die man mit den Einheimischen leicht und locker führen kann.

 

Übrigens – Achill Island ist „An Gaeltacht“, also Gälisch – entsprechenden Spaß haben wir teilweise mit den Straßenschildern und Richtungsweisern. Die ergiebigsten Gespräche führen wir in den Pubs, beim Einkaufen und bei den Strandwanderungen. Die Menschen sind vor allem angetan, wenn sie hören, woher wir kommen … „Enjoy your holidays and have a save trip home!“

 

Unsere Touren führen uns in alle Winkel der Insel, eine gehörige Sturmfront beschert uns viel Relax und Entspannung im Camp, wo uns Wifi Kommunikation mit der Heimat ermöglicht. Der Aufenthalt dauert sogar den schlechten Wetterprognosen zum trotz insgesamt 7 Tage und bestätigt uns in allen Erwartungen … Ireland at ist best“! Und dass wir nach Möglichkeit wiederkommen werden, dürften nur „höhere Umstände“ verhindern können …

>>> VIDEOTIPP: Ireland dreams

karte achill mit route.jpg