VOM SÜDOSTEN IN DIE MITTE IRLANDS

Auf den Spuren von Bierkultur und History

 

Außergewöhnliches wird es auf einer Reise dieser Dimension immer genügend geben, diesmal zählt schon der Umstand dazu, dass wir uns einerseits mehr als 1 Woche Zeit geben, um ein Ziel zu erreichen, andererseits haben wir sogar schon die Fährüberfahrt Monate zuvor gebucht. Irland – wir kommen … und als erstes führt uns unsere diesjährige Tour in den bislang vernachlässigten Südosten bzw. mitten ins Herz des Landes inkl. Abstecher in die Hauptstadt. Motto des Auftakts: Bierkultur, Urgeschichte und einfach Ankommen. Gelungen.

 

Sollte uns das etwa zum Nachdenken animieren: „The Nr. 1!“

Der Einweiser auf der Fähre von Fishguard entschuldigt sich vielfach, als er etwas unkonzentriert uns zuerst in die falsche Gasse schickt, dann in Anbetracht unseres Gespanns uns zuerst zurückschieben lässt, dafür aber dann in die „Poleposition“ schickt … „You are the Nr. 1 in Ireland!“. Wir nehmen es als Omen.

 

Ankunft in Rosslare nach rund dreieinhalb Stunden ruhiger Überfahrt, sogar Gerlinde „entspannt“ sich einigermaßen ob der friedlichen Verhältnisse im „St. George’s Kanal“ an der Südseite der „Irish Sea“.

 

>>> MUSIKTIPP: Ireland dreams

Nach Stärkung im Restaurant, einem Schläfchen am Sonnendeck und viel Relax und Ausblick landen wir an der Südostspitze der Insel … und tatsächlich wir sind die Nr.1 ! Kurze Zollkontrolle und ab geht’s zwar links dafür aber mit Kilometerangaben und auf wirklich großzügigen Straßen Richtung Wexford. Ab New Ross verlassen wir den Highway, wo der Verkehr zunimmt, und auf einer kleinen Überlandstraße (R 700) mit viel Einblick in die irische Landschaft entlang des Flusses Nore gelangen wir nach Kilkenny. Und der Unterschied zu Südengland wird auch schnell klar. Alles ist äußerst gepflegt und sogar die Nebenstraßen sind breiter bzw. besser …

 

In Kilkenny finden wir den angepeilten Campingplatz direkt an der Stadteinfahrt, von dem laut Campingwart das Stadtzentrum in „gemütlichen“ 25 bis 30 Minuten Gehzeit erreichbar ist … na, wir werden sehen! Der großzügige, offene Platz rund um 2 Pferdegehege bietet angenehmes Ambiente und wir genießen von Beginn weg die lockere Atmosphäre – im Gegensatz zu den „British Camps“ mit ihren Rules und Einschränkungen. Kostenloses WIFI ist – allerdings nur im Bereich des Sanitärgebäudes – auch dabei und Pferdefüttern ebenfalls.

 

Für diesen Abend beschließen wir die Tätigkeiten auf Aktivitäten rund ums Camp zu reduzieren … Ankommen ist angesagt inkl. Stout und Whiskey (Jamesson aus der Heimat!). Auch das Erwachen am kommenden Morgen zeigt bereits irisch-entspannte Züge und so beschließen wir nach Frühstück im Freien eine Erkundungstour per Auto in die nähere Umgebung und die Stadt Kilkenny.

 

>>> VIDEOTIPP: Kilkenny

Rund 15 km südlich finden wir das „Kells Priory“, das in einem Reiseführer ob der Schlichtheit und Abgeschiedenheit angepriesen wird. Und wirklich – nach kleinem Fußmarsch steht man frei zugänglich auf einem Gelände mit viel Charisma und gemütlicher Restaurierungstätigkeit. Hier stand ein Augustinerkloster aus dem 12. Jahrhundert inkl. Rundturm, Hochkreuzen und Befestigungsmauern … ein netter Rundgang mit Schafen.

 

Nach Auffrischung unserer Vorräte beim „Lidl Kilkenny“ und einer nachmittäglichen Pause geht’s gegen Abend in die Stadt – natürlich per Auto, da uns vor allem der Rückweg etwas beschwerlich scheint. So ist das Parken im Zentrum kein Problem und wir starten unsere Runde beim bestens erhaltenen „Castle“. Kilkenny hat seinen „Namen“ vor allem durch das hier gebraute, typische Bier, das es inzwischen aber nicht mehr gibt – davon später mehr.

 

Die im Stadtteil Irishtown gelegene St. Canice’s Cathedral gilt als eine der besterhaltenen Kathedralen des Landes … ganz bestimmt etwas für „Sakralfreunde“ … uns reicht das Ambiente vor allem „außen ‚rum“ mit Hochkreuzen, keltischen Symbolen etc. sowie die Fassade im strahlenden Abendlicht. Dieses begleitet uns auch beim Gang durch die Hauptstraße mit seinen bunten Pubfronten und Geschäften und nach „Souvenirshopping“ kehren wir in einem der urigen Pubs ein („Brewery Corner“). Hier lernen wir vom gesprächigen Barkeeper, dass es „Kilkenny Beer“ schon lange nicht mehr gibt, es wurde an Guiness verkauft und heute nicht produziert. Die in der Stadt ansässige „Smithwicks Brewery“ gibt es auch nur mehr als „Museum“, dafür kredenzt er uns das aktuell „Local Beer“, das seinen Vorgängern am nächsten kommt: „O‘Haras Red Ale“ – stimmt und schmeckt vorzüglich! Preis halt irisch wie überall: 4,40 €. Wir trinken’s aber so gerne, weil das „Pint“ randvoll und mit wenig Kohlensäure serviert wird … Slainte.

 

>>> MUSIKTIPP: Sean Keane - Kilkelly Ireland

Unglaublich … jetzt sind wir schon seit 10 Tagen unterwegs und erleben abgesehen von der durchfahrenen Front in Bayern erst den ersten Regentag auf dieser Tour … und dieser „Regentag“ soll gegen Mittag auch schon wieder vorbei sein. Das schöne Sommerwetter mit Hitze vor allem in den Städten zerrt auch ganz schön an unseren Kräften und so ist es wenig verwunderlich, dass die ersten Tage in Irland ganz bewusst auch von einigen „Ausruh-Phasen“ geprägt sind … es heißt ausschlafen und Kräfte sammeln. Bisher ging es ja nur vorwärts – rund 2.500 km haben wir schon abgespult!

 

Von Kilkenny geht es in nordwestlicher Richtung weiter, der Regen ist recht bald abgeklungen und wir passieren Orte wie Port Laoise und Tullamore. Am Lough Ree bei Ballykeeran wenige Kilometer nördlich von Athlone an der Ostseite gelangen wir gegen Freitagmittag in ein ACSI-Camp, wo wir vom ambitionierten Campchef an die „Waterside“ geleitet werden … wohlwissend und Gottseidank, denn ab Nachmittag sehen wir von unserem unglaublichen Camp an vorderster Front die „Wochenend-Meute“ eintreffen – am Samstag ist das Camp randvoll! Wie sagt eine alte Camperweisheit: Vor Wochenenden immer vorsichtig sein und schneller da sein, als die anderen.

 

>>> MUSIKTIPP: Kathleen McInnes - Gaelic (live)

So können wir dem bunten Treiben rund um Badeplatz und Bootseinsetzstelle gemütlich zusehen und einen gemütlichen Abend samt herrlichem Sonnenuntergang hier an der Ostseite des Lough Ree genießen. Auch um Kräfte zu sammeln für eines der geplanten „Highlights“ der Reise: dem Besuch eines der wichtigsten Orte frühchristlicher Geschichte in Irland – Clonmacnoise.

 

Direkt am Ostufer des Shannon gelegen kann man die Überreste der Klosteranlage, die 584 vom Keltenheiligen St. Ciaran gegründet wurde, besuchen. Fast 1000 Jahre bestand das Kloster, auch Wikinger und Anglo-Normannen konnten ihm nichts anhaben, es ihm die Engländer im 16. Jh. den Garaus machten – Fotoshooting pur für 6,- € Eintritt – für „Seniors“ wohlgemerkt.

 

Zuvor hatten wir bereits ein lustiges Abenteuer erlebt, als wir nach mühsamer Suche den in unserem Reiseführer eingezeichneten „Clonfinlough Stone“ fanden – leider umgefallen und nicht mehr restauriert! Dafür reißt das Wetter auf …

 

>>> MUSIKTIPP: The broad majestic Shannon

Am Nachmittag machen wir noch eine Erkundungsrunde in Athlone, wo wir v.a. das Shannonufer nahe der Schleuse und vor dem Castle besuchen. Die Stadt verdankt seine Bedeutung der wirklich günstigen Lage an einer der großen Shannon-Furten und ist Zentrum für alle Durchgangswege. Im Zentrum wird an einer Fußgängerzone gebaut, wir aber parken an der Waterside und können zu Fuß die Highlights abklappern … inkl. Bierpause und Pizza.

 

Am Sonntag beschließen wir unsere „neuralgische Lage im Herzen des Landes“ zu nützen und unternehmen bei bewölktem Wetter einen 125-km-Sonntagsausflug nach Dublin, wo wir nach rund 1,5 Stunden inkl. Parkplatzsuche im Zentrum im Parkhaus abstellen. Der Rundgang ist ein bisschen auch Auffrischung der - durchwegs vergessenen – Eindrücke vom Erstbesuch 1994. Hier im Zeitraffer die Rundtour: St. Andrews Church – Molly Malone Statue – Trinity College – Crafton Street, Market – Castle & City Hall – Olympia Theatre, Parliament – Christ Church Cathedral – Liffey-Ufer & Half Penny Bridge – Temple Bar, wo wir uns zum Abschluss Labung mit Stew, Huhn und Smithwicks gönnen. Dauer rund 4,5 Stunden, Preis im Parkhaus 20,- € und die Erkenntnis, Stadt bleibt halt Stadt – auch wenn es eine der heute noch bestehenden ältesten Wikingergründungen ist.

 

Zurück in Athlone zeigt sich das Wetter schon wieder sommerlich warm und wir erfahren vom Campchef, dass es sich zurzeit um den heißesten und trockensten Sommer seit 1966 handelt – was uns natürlich viel Hoffnung gibt für unseren weiteren, geplanten Weg an die Westküste nördlich von Westport. Denn wir wollen die von Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll geliebte und so toll beschriebene Achill Island besuchen, wo das Wetter durch seine exponierte Lage im Atlantik natürlich andere Dimensionen kennt. Oder wie der Campchef so schön beschreibt: „ Magnificant and dramatic sandy beaches … windy and rainy! But this year windy and … dry! Bei unserem Reiseglück … Nix wie hin!

>>> MUSIKTIPP: The Kongs of Connaught - The rocky road to Dublin