SÜDENGLISCHE KÜSTE, OXFORD, WALES

Oder: History, Movie-Places, Crime & Ferry

 

Mit Ankunft in Großbritannien und Verlassen der Fähre in Dover beginnt ein völlig neuer und konträrer Abschnitt auf unserem Weg nach Irland … links fahren ist angesagt, dazu „a lot of rules“ – nicht immer nachvollziehbar – und die Straßenverhältnisse werden zum einen wirklich hinterwäldlerisch, zum andern nimmt das Verkehrsaufkommen drastisch zu. Aber nichtsdestotrotz wollen wir die Querung von Englands Süden nutzen, um auf kulturellen und historischen Spuren zu wandern …

 

Spannung und Euphorie sind vorhanden, als wir auf neuen, gigantischen Wegen den Hafen von Dover verlassen und wenig darauf achten, dass wir nicht ohne weiteres auf der geplanten Route entlang der Südküste Richtung Hastings landen … so dauert es einige Meilen, bis uns klar wird, dass wir uns auf der A2 Richtung London befinden. Da wir uns bei Orientierung nur auf eine Karte im Reiseführer verlassen, ist schon die Route nach Folkestone abenteuerlich – aber das sollte es nicht gewesen sein!

 

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Nachdem wir für die rund 70 km bis Hastings auf teilweise schlechter Piste mehr als 1,5 Stunden benötigen, verzögert sich die Campsuche in Hastings selbst bis nach 19 Uhr, wobei uns bewusst ist, dass viele Camps um diese Zeit schließen. Das sollte es aber noch nicht gewesen sein, denn in Hastings finden wir im dichten Verkehrsgewühl zu abendlicher Stunde nicht das entsprechende Hinweisschild zum gesuchten Camp, hatten auch nichts reserviert und landen nach langer Küstenpromenade durch die Stadt weit außerhalb bei Bexhill.

 

Auch hier finden wir im Campingführer ein Camp beschrieben, wir finden jedoch die dazugehörige Ausfallstraße nicht und landen weit nordwärts, wo sich laut Führer ein 3. Camp im Dörfchen Crowhurst befindet. Als wir plötzlich den Ortsnamen im Dämmerlicht entdecken und in eine enge Landstraße abbiegen, ist die „Krise“ absehbar. Auf einer Straße, die teilweise die Breite unseres Wohnwagengespanns hat und wir mit Reitern im „Clinch liegen“, gelangen wir schließlich nach Crowhurst. Als wir eine Dame nach dem Camp fragen, bekommen wir ein Handzeichen vorwärts und „2 Meilen rechts“ zur Antwort … und wirklich – im „Nichts“ geht es plötzlich durch eine enge und wackelige Allee und über eine steile, kurvige Waldschneise“ zu einem Camp. Zugegebenermaßen sehr idyllisch gelegen, sehr schön und … unglaublich, aber wahr: ein ACSI-Camp mit guter Benotung und zum „Vorzugspreis“ von 18,- Pfund. Wir haben ohne entsprechende Karte und Hinweise diesmal wirklich Glück gehabt … oder einfach: das Glück des Tüchtigen.

 

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Der restliche Abend steht im Zeichen des Stressabbaus, der Geldbeschaffung im Ort und am nächsten Morgen wird uns erst schön langsam die glückliche Fügung klar. Denn spätestens als wir nahe Eastbourne in einem Camp erfahren, dass alles ausgebucht ist, wird uns die touristische Tragweite der Lage hier zwischen Hastings, Eastbourne und Brighton bewusst, auch steht das Wochenende bevor und es ist Freitag, der 13.!

 

So machen wir das beste aus der Situation und gehen an die Realisierung unserer kulturellen Vorhaben. Hastings selbst können wir streichen, da es reines Touristenflair und wenig Attraktion bietet. Dafür steht der Name aber für eines der wichtigsten Events der englischen Geschichte … davon aber später mehr.

 

Zuerst erkunden wir Eastbourne, das zu Recht als „elegantestes Seebad Englands“ bezeichnet wird. Nicht umsonst lebte eine Vielzahl an Schriftstellern hier zeitweilig in der Umgebung, so u.a. George Bernard Shaw, Rudyard Kipling, Charles Dickens, Virginia Wolfe oder George Orwell, der hier auch zur Schule ging. Auch wir genießen das prächtige Panorama an der Fronstside mit dem gigantischen Pier und den unglaublich prunkvollen Hotelpalästen. Aber noch eindrucksvoller ist Auffahrt und Rundgang in den Hügeln und Cliffs von Beachy Head samt Leuchtturm und gigantischem Ausblick.

 

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Castles und andere Bauwerke der Region lassen wir links liegen, dafür machen wir uns aber auf die Spuren besonderer historischer Tragweite: 1066 fand die berühmte „Battle of Hastings“ statt, wo Wilhelm der Eroberer die Truppen des englischen Königs Harold überrannte. Dort wo die Normannen die Angelsachsen besiegten, erstreckt sich das kleine, sympathische Marktstädtchen Battle samt Klosteranlage und Resten des wahrscheinlichen Schlachtfeldes …

 

Wir sind von den Strapazen des vergangenen Tages gezeichnet und lassen Stadt und gemütliches Ambiente einfach auf uns wirken, ehe wir zum weiteren Relaxen in unser „Camp im Wäldchen Crowhurst“ zurückkehren. Spätestens beim anschließenden Besuch im Dorf-Pub ist aber alles auf „Go“ geschaltet, vor allem auch weil wir aus Oxford die Bestätigung der Campsuche für unsere nächste Station erhalten. Gut so, denn auch dort ist alles „full booked“ …!?!

 

Ob am nächsten Tag die Entscheidung, dem Hinweis zur Weiterreise auf Google zu folgen, sei dahingestellt … der Stress ist weg und die „Kleinigkeiten“ lassen wir an uns abprallen. So nehmen wir geduldig hin, dass wir zuerst schon eine halbe Stunde Umweg wegen einer Straßensperre nordwärts zur Autobahn nehmen müssen, ehe wir auf der M25 in eine rund 2-stündige „Stopp-and-Go-Phase“ geraten, die auf Verkehrsüberlastung zurückzuführen ist … für den Großraum London scheinbar aber nichts Besonderes. Vielleicht wäre die Route über Brighton und das Hinterland besser gewesen – vielleicht!?

 

>>> MUSIKTIPP: Peter Gabriel - Solsbury Hill

Unser gewähltes Camp zum Besuch von Oxford liegt 20 km westlich und auch hier finden wir die Zufahrt erst auf Umwegen, doch dafür ist Ausstattung und Lage wirklich toll. Auf einer Farm nahe der Themse bietet der „Lincoln Farm Park“ 5-Sterne-Ambiente, das wir auch sichtlich genießen.

 

Tag 1 in Oxford ist ein Sonntag und nach Abwägung der Möglichkeiten entschließen wir uns per Auto und „Park&Ride“ zu fahren. Das entpuppt sich als wirklich gute Idee – 6,80 Pfund für Parken und 2 x Bus sind bescheiden im Gegensatz zu 5,- für 2 Stunden Parken in der Stadt. Das Wetter zeigt sich strahlend und hochsommerlich mit letztlich 30°C und dementsprechend ist viel los in der City, die als exklusivste Universitätsstadt der Welt gibt.

 

Auch wir machen uns auf Streifzug durch die Welt der „Colleges“ und Gärten und orientieren uns an Vorab-Informationen zu den Themen „Tolkien“, „Inspektor Lewis“ und „Harry Potter“. Denn Oxford gilt als illustres Objekt für zahllose Filmlocations und Drehorte.

 

>>> MUSIKTIPP: Mumford & Sons - I will wait

Für unsere Oxfordtour haben wir uns einiges vorgenommen ohne aber bestimmte Spuren zu verfolgen. Nachdem wir dem Doppelbus an der City entstiegen sind, lassen wir uns einmal treiben und gelangen über die Queens Street zum Carfax Tower. Oxfords City ist ein unglaubliches Gewühl und „Sammelsurium“, in dem die Zeit scheinbar vor rund 150 Jahren stehen geblieben zu sein scheint.

 

Entlang der High Street gewöhnt man sich erst einmal an den einzigartigen Anblick der Gebäude, Türmchen, Colleges, Kirchen und Menschenmassen. Wir „biegen“ in die St. Mary-the-Virgin-Church ab und flanieren zur eindrucksvollen „Radcliffe Camera“, mit über 2 Millionen Büchern der größte „Lesesaal der Welt“. Grundsätzlich haben wir uns vorgenommen, für den Besuch keiner Location etwas zu bezahlen … das haben wir in Südengland schon gemacht. Denn die Preise für ihre „Steinehaufen mit Kultur“ liegen oft bei über 10,- Pfund – also bis zu 15,- € … mal 2! Da kann man schon ganz gut essen und trinken …!?!

Nach der 1. Etappe vorbei und durch die „Bodleian Library“, wo für Konzerte aufgebaut wird, und unter der „Seufzerbrücke“ des Hertford Colleges durch, setzen wir dieses Vorhaben um, denn die Mittagshitze fordert ihren Tribut. So steuern wir ein sehr schmales Gässchen an, wo wir dem Hinweisschild „Education in Intoxcation“ folgen – frei übersetzt also dem „Einführungsseminar der Alkoholvergiftung“ … und landen in der alten „Turf Tavern“, wo bereits eine Vielzahl an Prominenz Stammgast war. Wir lesen die Namen von Ernest Hemingway über Elisabeth Taylor bis hin zu Bill Clinton und natürlich Inspektor Morse.

 

>>> MUSIKTIPP: Inspector Lewis Main Theme

Wie überhaupt die Suche nach Plätzen für die Krimi-Verfilmungen der Oxforder Kriminalpolizisten (Morse, Lewis, Hathaway) uns beschäftigen und immer wieder in an versteckte Winkel führt. Colleges besuchen wir ebenfalls einige, wo Eintritt zu bezahlen ist, machen wir ebenfalls nur kurzes Fotoshooting wie dort, wo man gegen Bezahlung rein darf … nicht nötig – ohne „for a photo“!

 

Weil wir den Ablauf des 2. Besuchstages in Oxford auf gleiche Weise planen, legen wir insgesamt eine beachtliche Besichtigungsstrecke zurück, vor allem die weitläufige Runde rund um Christ Church College (Speisesaal von Harry Potter), Broad Walk, Botanic Garden (Lieblingsplätze von J.R.R. Tolkien) sowie Merton, Magdalen, Oriel und University College (Drehorte der Krimis bzw. Arbeitsplatz von Tolkien) und einige der ältesten und bekanntesten Pubs wie „The Bear“ und „The Eagle an Child“.

 

Sozusagen als „Zwischenprogramm“ gönnen wir uns im Camp am Sonntagabend per Videostream das Fußball-WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) und den anschließenden, überraschenden Wimbledonsieg von Alex Peya im Mixeddoppel mit der Amerikanerin Nicole Melichar.

 

Und am Montag machen wir der Rückreise aus Oxford eine klassische „Fish&Chips“-Pause in einem entzückenden Landgasthaus direkt an der Themse, die hier noch jung und unverbraucht ist und von Booten, Wassersportlern und Schwimmern genutzt wird. Tolles Ambiente mit Gastgarten, Steinbrücken und viel Entspannung … ehe es ans Packen und Weiterfahren geht – nächstes Ziel Wales und die Fährstation Fishguard nach Irland.

 

>>> MUSIKTIPP: Celtus - The awakening

Die Fähre hatten wir schon im Jänner gebucht und die Region zudem 2002 bereits einmal besucht. So war die Weiterreise nichts allzu Abenteuerliches mehr für uns, trotzdem ist die Auffrischung von Erinnerungen etwas Schönes und Beruhigendes. Über die „Severnbrücke“ an der M4 (mit 5,60 Pf. Maut) geht es „hoch oben“ nach Wales und via Cardiff und Swansea gelangen wir in den äußersten Westen der Halbinsel.

In Fishguard finden wir auf einer abenteuerlichen, engen Straße ein ausgesprochen idyllisch gelegenes Camp („Fishguard-Bay“ ACSI) und bei einer abendlichen Runde besuchen wir das rund 30 km entfernte St. Davids, wo wir 2002 an einem Sandstrand genächtigt, das walisische Nationalfest „Eisteddfod“ besucht und der schönsterhaltenen Kirche Großbritanniens („Cathedral“ aus dem 12. Jahrhundert) einen Besuch abgestattet hatten … schöner Ausklang für zwischendurch doch anstrengende Tage in Britain, denn morgen geht’s auf die Fähre nach Irland. Und zum „feierlichen Abschluss“ gibt’s Steaks aus der Wohnwagenküche und original „English Breakfast“ an kommenden Morgen …

>>> MUSIKTIPP: Wales song